Es sind genau diese Momente, die entlarven, wie tief der Graben zwischen der politischen Elite unseres Landes und der hart arbeitenden Bevölkerung mittlerweile geworden ist. Wenn man abends den Fernseher einschaltet und durch die üblichen Talkshows zappt, sieht man oft dasselbe Bild: Politiker, die nie in der freien Wirtschaft gearbeitet haben, und Journalisten, die die Welt durch eine stark ideologisch gefärbte Brille betrachten, debattieren über die Sorgen der Menschen. Sie werfen mit theoretischen Konzepten um sich und erklären uns die Welt. Doch hin und wieder passiert das Unvorhergesehene. Ein Mensch aus der echten Praxis, ein Mensch, der morgens aufsteht, Verantwortung trägt und Löhne zahlt, wird in die Runde eingeladen. Genau so ein Moment ereignete sich kürzlich, als ein couragierter Bäckermeister namens Herr Exner das Wort ergriff. Was dann folgte, war nichts weniger als die totale Demontage linker Wirtschaftsillusionen vor laufenden Kameras. Es war ein heilsamer Schock, der die bittere Realität unseres Landes schonungslos offenlegte.

Das Paradebeispiel dieses denkwürdigen TV-Auftritts war die hitzige Debatte um den Mindestlohn. Für viele Politiker am linken Spektrum ist die stetige Erhöhung des Mindestlohns – wie etwa die geforderten 17 Prozent – ein absolutes Allheilmittel. Sie feiern sich dafür als Retter der kleinen Leute. Doch der Bäckermeister erklärte den Anwesenden mit bewundernswerter Klarheit, was diese Eingriffe in der Praxis wirklich bedeuten. Es ist nämlich mitnichten so, dass nur diejenigen mehr Geld bekommen, die ganz unten in der Gehaltsskala stehen. Erhöht man den Mindestlohn derart drastisch, setzt man einen verheerenden Dominoeffekt in Gang. Herr Exner machte deutlich, dass dadurch das gesamte Lohngefüge in einem Betrieb nach oben geschoben wird. Ein gut ausgebildeter Mitarbeiter, der drei Jahre lang eine harte Lehre absolviert hat, möchte verständlicherweise nicht plötzlich denselben oder nur einen minimal höheren Lohn erhalten wie jemand, der völlig ungelernt ist, keine Ausbildung hat und vielleicht nicht einmal unsere Sprache spricht.

Der Bäcker rechnete der sichtlich verdutzten Runde vor: Wenn der gelernte Geselle nach der untersten tariflichen Einstufung 15,15 Euro verdient, und ein völlig ungelernter Hilfsarbeiter durch den staatlich verordneten Mindestlohn plötzlich 15 Euro bekommt, gerät das System ins Wanken. Die logische Konsequenz? Die Motivation, einen Beruf zu erlernen, wird im Keim erstickt. Warum sollte ein junger Mensch die Strapazen einer Ausbildung auf sich nehmen? Der Bäckermeister berichtete aus seinem traurigen Alltag: Jugendliche bewerben sich für einen Nebenjob. Bietet er ihnen stattdessen einen Ausbildungsplatz an, für den sie im ersten Lehrjahr stolze 1.100 Euro Ausbildungsvergütung erhalten würden, lautet die Antwort nur allzu oft: „Ach, das brauche ich nicht, ich kriege auch so Geld.“. Wer die unteren Lohngruppen künstlich aufbläht, entwertet die Facharbeit und zerstört den Reiz der handwerklichen Ausbildung in Deutschland vollends.

Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Auf die Frage, ob sich diese Lohnsteigerungen direkt auf den Preis einer ganz normalen Schrippe, also eines einfachen Brötchens, durchschlagen, gab es eine glasklare Antwort: Selbstverständlich. In einer Bäckerei machen die Lohnkosten unglaubliche 50 Prozent des gesamten Umsatzes aus. Es ist ein extrem personalintensives Handwerk. Wenn der Staat die Löhne in die Höhe treibt, muss das Brot teurer werden. Aber es trifft ja nicht nur die eigenen Angestellten. Der Dienstleister, der die Bäckerei reinigt, muss seine Preise erhöhen. Der Müller, der das Mehl liefert, verlangt mehr Geld. Der Fleischer, von dem der Aufschnitt für belegte Brötchen kommt, schlägt ebenfalls auf. Diese massive Kostenwelle heizt die allgemeine Inflation gnadenlos an. Das wiederum führt dazu, dass die gewerblichen Mieten für die Filialen steigen, da diese meist als Indexmieten an die Inflation gekoppelt sind. Es ist eine toxische Spirale nach oben. Herr Exner prophezeite düster: In vier Jahren sitzen wir wieder hier, reden über 18 oder 20 Euro Mindestlohn, und die Preise für den Endverbraucher haben sich erneut verdoppelt.

An diesem Punkt versuchte eine in der Runde anwesende Politikerin, das Ruder herumzureißen und die linke Erzählung zu retten. Sie behauptete, die Löhne hätten mit der Inflation fast nichts zu tun. Schuld seien einzig und allein die Energiepreise und böse „Mitnahmeeffekte“ – also Unternehmen, die die Krise angeblich schamlos ausnutzen, um sich die Taschen vollzustopfen. Eine infame Unterstellung, die der Bäckermeister nicht auf sich sitzen ließ. Ruhig, aber bestimmt wies er diese „völlig falsche Information“ zurück. Er legte die wahren Zahlen auf den Tisch. Ja, die Energiekosten sind in Folge der Krise explodiert. Für Gas zahlt sein Betrieb statt 1,67 Cent nun 5,3 Cent pro Kilowattstunde – ein Anstieg um 300 Prozent! Das ist katastrophal und existenzbedrohend. Beim Strom stieg der Preis von etwa 2,5 auf ein Vielfaches. Doch – und das ist der entscheidende Punkt, den Politiker oft verschweigen – Energie macht in seinem Unternehmen „nur“ etwa 6 bis maximal 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Die Personalkosten hingegen verschlingen 50 Prozent! Wenn durch den letzten Tarifabschluss die untersten Lohngruppen innerhalb von nur zwei Jahren um 40 Prozent mehr Gehalt bekommen, treibt das reihenweise Traditionsbetriebe in die nackte Existenznot. Die Margen im Bäckerhandwerk waren noch nie so miserabel wie heute. Von wegen gierige Unternehmer und Mitnahmeeffekte – es geht um das nackte Überleben des Mittelstandes.

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Und als wäre dieser Kampf gegen überbordende Lohnkosten und teure Energie nicht schon zermürbend genug, packte der Unternehmer ein weiteres Thema an, das vielen hart arbeitenden Bürgern die Zornesröte ins Gesicht treibt: Das kolossale Versagen des Bürgergeld-Systems und der Arbeitsagenturen. Man könnte meinen, in Zeiten des massiven Fachkräftemangels würden die Jobcenter den Betrieben motivierte Arbeitslose schicken. Die Realität ist ein Hohn. Der Bäckermeister bestätigte aus erster Hand: Satte 70 Prozent der Arbeit in den Jobcentern fließen in die reine Selbstverwaltung des bürokratischen Systems. Nur lächerliche 30 Prozent der Zeit bleiben für die eigentliche Vermittlung von Arbeitslosen. Die Effizienz ist schlichtweg nicht vorhanden.

Was aber noch viel schlimmer ist, ist das Verhalten vieler sogenannter Arbeitssuchender, die ihm vom Jobcenter in den Betrieb geschickt werden. Es kommen Menschen zum Vorstellungsgespräch, die ihm offen und ungeniert ins Gesicht sagen: „Wissen Sie was, arbeiten will ich hier nicht. Ich brauche ja nur die Unterschrift, damit ich das Geld wiederbekomme.“. Sie stehlen den Unternehmern ihre kostbare Zeit, lassen sich abstempeln, kassieren weiter ihr vom Steuerzahler finanziertes Bürgergeld und gehen womöglich nebenbei noch schwarz arbeiten. Es ist ein unfassbarer Skandal, der sich jeden Tag tausendfach in Deutschland abspielt. Diese Totalverweigerer tauchen in keiner kritischen Statistik auf, da sie pro forma ja zu den Gesprächen erscheinen.

Das Jobcenter bläht sich unterdessen immer weiter auf, genau wie die Bundesregierung selbst. Von über 100.000 Mitarbeitern in diesen Ämtern sind gerade einmal 24.000 tatsächlich damit beschäftigt, Menschen in Lohn und Brot zu bringen. Der große Rest versinkt in Papierkram, Statistiken und Selbstverwaltung. Und das alles wird von den hart arbeitenden Menschen in diesem Land finanziert. Man muss sich ernsthaft die Frage stellen, was in Deutschland eigentlich völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Statt effiziente, schlanke Strukturen zu schaffen und Leistung zu belohnen, werden immer gigantischere staatliche Apparate aufgebaut, die Unsummen an Steuergeldern verschlingen, aber keinerlei positive Ergebnisse liefern.

Heidi Reichinnek von der Linken: Die andere Alternative (Meinung) - DER  SPIEGEL

Besonders zynisch, geradezu spöttisch, wirkt all das im Angesicht der neuesten politischen Forderungen. Wenn eine neue Wirtschaftsministerin Reiche sich hinstellt und fordert, die Bürger müssten noch mehr und noch länger arbeiten, fühlt man sich wie im falschen Film. Für wen oder für was sollen wir eigentlich noch härter schuften? Für einen aufgeblähten Verwaltungsapparat? Für Totalverweigerer, die das System schamlos ausnutzen? Oder für die Milliardenhilfen, die unaufhörlich ins Ausland fließen? In den Schlagzeilen lesen wir fast täglich von immer neuen neun-Milliarden-Paketen für die Ukraine oder Israel. Währenddessen sammeln im eigenen Land Rentner, die ihr Leben lang gearbeitet haben, Pfandflaschen aus dem Müll, und ganz normale Familien wissen nicht mehr, wie sie ihre explodierenden Rechnungen am Monatsende bezahlen sollen. Für die eigene Bevölkerung scheint in den Kassen nichts mehr übrig zu sein, aber gleichzeitig sollen die Menschen noch mehr Steuern zahlen, noch länger arbeiten und auf noch mehr Wohlstand verzichten.

Dieser brillante und erschütternde TV-Auftritt des Bäckermeisters war mehr als nur eine Meinungsäußerung. Es war ein lauter, eindringlicher Weckruf. Es ist ein Schlag ins Gesicht für jeden redlichen Steuerzahler, der jeden Morgen früh aufsteht, um den Laden am Laufen zu halten. Die politische Illusion, man könne den Wohlstand durch staatliche Verbote, überzogene Mindestlöhne, explodierende Sozialleistungen und endlose Bürokratie sichern, zerschellt gerade brutal an der Realität. Es wird höchste Zeit, dass jene Menschen, die in der Praxis stehen – die Handwerker, die Unternehmer, die Arbeitnehmer – wieder das Sagen haben. Denn wenn die Bäckereien dieses Landes sterben, dann bricht das Fundament unserer Wirtschaft unwiderruflich zusammen.