Es gibt Momente in der parlamentarischen Demokratie, in denen die sorgfältig inszenierte Fassade des politischen Establishments in sich zusammenfällt und die bittere Realität schonungslos ans Licht tritt. Genau ein solcher Moment ereignete sich kürzlich im Deutschen Bundestag, als eine Generalabrechnung mit der aktuellen Wirtschafts- und Steuerpolitik die Abgeordneten – und insbesondere die Spitzen der etablierten Parteien – sichtlich in Aufruhr versetzte. Im Zentrum dieser hitzigen und hochemotionalen Debatte stand ein Vorwurf, der schwerer kaum wiegen könnte: Die amtierenden Politiker seien keine Vertreter der sozialen Marktwirtschaft mehr, sondern lediglich Handlanger einer unersättlichen Staatsmacht, die panisch an ihren Sesseln kleben. Dieser Vorwurf ist nicht nur eine rhetorische Spitze, sondern spiegelt das tiefe und berechtigte Unbehagen von Millionen hart arbeitenden Bürgern in unserem Land wider. Menschen, die jeden Tag früh aufstehen, Steuern zahlen und das System am Laufen halten, während sie am Ende des Monats immer weniger in der eigenen Tasche haben.

Die Entfremdung zwischen der politischen Elite in Berlin und dem normalen Arbeitnehmer auf dem Land oder in der Vorstadt lässt sich an wenigen Beispielen so dramatisch und präzise ablesen wie an der Debatte um die Pendlerpauschale. Für unzählige Menschen in Deutschland ist das Auto kein entbehrliches Luxusgut und auch kein ideologisches Feindbild, sondern die nackte Existenzgrundlage. Es ist das einzige Mittel, um den Arbeitsplatz zu erreichen, die Kinder zur Schule zu bringen und das tägliche Leben zu meistern. Doch genau diese Menschen, die ohnehin schon unter massiven Belastungen ächzen, werden systematisch im Stich gelassen. Die nackten Zahlen, die in dieser denkwürdigen Sitzung auf den Tisch gelegt wurden, sind schlichtweg erschütternd. Die Pendlerpauschale, jener Mechanismus, der eigentlich einen fairen Ausgleich für die berufsbedingten Fahrtkosten schaffen soll, hat mit der steuerlichen Realität und der tatsächlichen Kostenexplosion absolut nichts mehr zu tun.

Seit dem Jahr 2001 ist die offizielle Inflation in Deutschland um atemberaubende 59 Prozent in die Höhe geschossen. Das Leben ist in nahezu allen Bereichen drastisch teurer geworden. Mieten, Lebensmittel, Energie – die Preise kennen nur einen Weg: steil nach oben. Doch wie hat sich die Pendlerpauschale in diesem Zeitraum entwickelt? Trotz einer marginalen Erhöhung auf 38 Cent ab dem 21. Kilometer gleicht dies angesichts der massiven Geldentwertung einer faktischen Reduzierung um 18 Prozent. Es ist eine schleichende, unbarmherzige Entwertung der eigenen Arbeitsleistung. Man muss es in aller Deutlichkeit aussprechen: Dies gleicht einer kalten Enteignung der fleißigen Bevölkerung. Renommierte Institutionen wie der ADAC fordern schon seit über zwei Jahren verzweifelt eine Anpassung auf ein realistisches Minimum von 50 Cent pro gefahrenem Kilometer. Doch diese pragmatischen und dringend notwendigen Hilferufe verhallen in den Fluren der Macht ungehört. Anträge auf echte Entlastungen werden arrogant und routiniert vom Tisch gewischt.

Rechnet man diese politische Ignoranz auf den Alltag eines normalen Arbeitnehmers herunter, wird das ganze Ausmaß der Ungerechtigkeit sichtbar. Nehmen wir einen klassischen Pendler, der im ländlichen Raum wohnt und täglich 25 Kilometer zur Arbeit fahren muss. Ihm wird ohnehin nur die einfache Strecke steuerlich angerechnet, der Rückweg ist sein privates Vergnügen. Setzt man die extrem hohen Anschaffungskosten für ein Fahrzeug, die Versicherung, den horrenden Wertverlust und die exorbitanten Spritkosten an, belaufen sich die tatsächlichen Kosten pro Arbeitstag schnell auf rund 22 Euro. Abziehen kann der Arbeitnehmer davon nur einen Bruchteil. Er bleibt auf massiven Kosten von über 12 Euro pro Tag sitzen – Geld, das ihm für seine Familie, für Rücklagen oder für den Konsum schlichtweg fehlt. Wenn die Fahrt zur Arbeit den hart erarbeiteten Lohn aufzehrt, während gleichzeitig Sozialleistungen wie das Bürgergeld immer weiter ausgeweitet werden, muss man sich nicht wundern, wenn in der Bevölkerung die bittere Erkenntnis reift: Ehrliche Arbeit lohnt sich in Deutschland immer weniger.

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Doch die Belastung der Pendler ist nur die Spitze des Eisbergs. Ein tieferer Blick auf die Struktur unserer Benzinpreise offenbart ein System der systematischen Ausbeutung, das seinesgleichen sucht. Wenn ein Bürger an die Zapfsäule fährt, glaubt er oft, den internationalen Ölkonzernen sein Geld in den Rachen zu werfen. Die Wahrheit ist jedoch weitaus profaner und erschreckender: Der größte Profiteur an der Tankstelle ist der deutsche Staat. Weit über die Hälfte des Preises für einen Liter Kraftstoff besteht aus Steuern und Abgaben. Neben den reinen Beschaffungskosten schlägt der Staat gnadenlos zu: Energiesteuer, Mehrwertsteuer und obendrein die umstrittene CO2-Steuer. Es ist ein perverses System der Mehrfachbesteuerung, bei dem sogar Steuern auf Steuern erhoben werden. Es gleicht einer absurden Geschäftsidee, die buchstäblich die Luft, die wir atmen, und das CO2, das wir unweigerlich produzieren, in bares Geld für den Staatssäckel verwandelt. Anstatt diese ausufernden Gewinne aus der Mehrwertsteuer an die leidenden Autofahrer zurückzugeben oder die Energiesteuer auf das europäische Mindestmaß zu senken, hält die Regierung starr an ihrer Belastungspolitik fest. Wer soll sich unter diesen Bedingungen ein eigenverantwortliches Leben in Deutschland überhaupt noch leisten können?

Als wäre diese finanzielle Ausblutung nicht schon schlimm genug, bedient sich die politische Führung immer öfter zweifelhafter parlamentarischer Tricks, um ihre unpopuläre Ideologie am Widerstand der Bevölkerung vorbeizuschleusen. Ein Paradebeispiel hierfür sind die sogenannten Omnibusgesetze. Was eigentlich ein transparenter demokratischer Prozess sein sollte, verkommt zur rechtlichen Resterampe. So werden Gesetzesentwürfe, die sich ursprünglich ausschließlich mit der Umsetzung von EU-Richtlinien über Verbraucherkreditverträge befassen sollten, in letzter Sekunde mit völlig fachfremden Änderungsanträgen versehen. Plötzlich finden sich in einem Verbraucherschutzgesetz tiefgreifende Regelungen zur „Förderung klimaneutraler Mobilität“ wieder. Es ist ein offensichtlicher Versuch, unbequeme und teure ideologische Projekte ohne große öffentliche Debatte durch die Hintertür zu drücken.

Die Ironie dieses Vorgehens ist kaum zu überbieten. Da wird den Haushalten mit kleinen und mittleren Einkommen rückwirkend eine Förderung für klimaneutrale Mobilität versprochen, wohl wissend, dass sich diese Menschen ohnehin kein teures Elektroauto leisten können. Der zynische Unterton, der in solchen Gesetzen mitschwingt – „Wer sich kein Benzin mehr leisten kann, der kaufe sich doch ein teures E-Auto“ –, zeigt die ganze Arroganz der herrschenden Klasse. Dabei ist die sogenannte Klimaneutralität dieser Fahrzeuge oft eine reine Schimäre, wenn man den gigantischen Energieaufwand für die Batterieproduktion und den aktuellen deutschen Strommix bedenkt.

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Gepaart wird dieses Vorgehen mit dem berüchtigten „Gold Plating“. Obwohl in Koalitionsverträgen vollmundig versprochen wurde, europäische Richtlinien ohne zusätzliche bürokratische Übererfüllung in nationales Recht umzusetzen, passiert in der Realität genau das Gegenteil. Deutschland schnürt sich selbst ein immer enger werdendes Korsett aus Vorschriften und Gesetzen, das den Wirtschaftsstandort massiv schwächt und den Bürgern die Luft zum Atmen nimmt. Versprechen werden gebrochen, und die bürokratische Last wird immer weiter erhöht, anstatt sie abzubauen.

Es ist an der Zeit, dass wir diese gefährlichen Entwicklungen nicht länger stillschweigend hinnehmen. Die Politik muss aufhören, sich hinter moralischen Phrasen und bürokratischen Tricks zu verstecken. Wir brauchen eine Rückkehr zu einer Politik, die den arbeitenden Menschen in den Mittelpunkt stellt, die echte finanzielle Entlastung schafft und die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft wieder ehrt. Eine Politik, die nicht aus Machtkalkül an Sesseln klebt, sondern die Verantwortung für das Wohlstandsniveau dieses Landes übernimmt. Nur wenn wir aufhören, die Fleißigen zu bestrafen und stattdessen Eigenverantwortung belohnen, kann unser Land wieder auf einen erfolgreichen und sozial gerechten Kurs zurückkehren. Es geht um nicht weniger als den sozialen Frieden und die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands.