Es sind diese seltenen, elektrisierenden Momente im deutschen Fernsehen, bei denen man als Zuschauer förmlich spürt, wie die dicke Schicht aus politischer Korrektheit und einvernehmlichem Schweigen plötzlich aufbricht. In einer kürzlich ausgestrahlten Talkrunde erlebte das Publikum genau solch einen Moment, der die Gemüter bundesweit erhitzte und tief in die unaufgearbeiteten Wunden unserer Gesellschaft schnitt. Im Zentrum dieses medialen Bebens stand Elke Bodderas, eine renommierte Journalistin der Tageszeitung “Die Welt”. Mit einer bemerkenswerten Mischung aus journalistischer Schärfe, tiefgreifendem Faktenwissen und unerschütterlicher moralischer Klarheit tat sie etwas, das in der heutigen Medienlandschaft fast schon als revolutionär gilt: Sie stellte die echten, schmerzhaften Fragen zur Corona-Pandemie und ließ sich mit platten Ausflüchten nicht abspeisen.

Die Ausgangslage der Diskussion hätte vorhersehbarer kaum sein können. Wieder einmal sollte über die Fehler der Vergangenheit debattiert werden, doch der Tenor am Tisch war klar: Man wollte relativieren, glätten und das altbekannte Narrativ vom “Wir sind doch eigentlich ganz gut durchgekommen” pflegen. Besonders eine Journalistin der “Süddeutschen Zeitung” schien in die Rolle der staatstragenden Beschützerin geschlüpft zu sein, bemüht, die massiven Grundrechtseingriffe der Regierung nachträglich zu rechtfertigen. Doch sie hatte die Rechnung ohne Elke Bodderas gemacht. Wie ein hartnäckiger Terrier biss sich Bodderas in den Widersprüchen fest und demaskierte die geplante Aufarbeitung der Bundesregierung als das, was sie in den Augen vieler Bürger wirklich ist: ein durchsichtiges Ablenkungsmanöver.

Der erste große Streitpunkt entzündete sich an der Frage, wie diese Aufarbeitung rein formal stattfinden soll. Die Bundesregierung, so Bodderas messerscharfe Analyse, wählt ganz bewusst den Weg des geringsten Widerstands. Anstatt einem echten Untersuchungsausschuss zuzustimmen, der mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet wäre, Zeugen unter Eid vernehmen könnte und endlich unter Verschluss gehaltene Dokumente – etwa zur brisanten Auswertung von Impfnebenwirkungen durch das Paul-Ehrlich-Institut – an die Öffentlichkeit zwingen würde, setzt man auf eine weichgespülte Enquete-Kommission. Bodderas brachte das Absurde dieses Vorgehens schonungslos auf den Punkt. Eine solche Kommission klärt hauptsächlich technische Fragen, deren Antworten ohnehin schon in unzähligen Schubladen verstauben. Es ist ein Prozess, der sich über Jahre hinziehen wird, an dessen Ende ein Bericht steht, der unweigerlich die Handschrift jener Politiker tragen wird, die damals die verheerenden Entscheidungen getroffen haben. Der Bock wird sprichwörtlich zum Gärtner gemacht. Wirkliche Verantwortlichkeit? Fehlanzeige.

Stattdessen touren die maßgeblichen Akteure von damals unbeschwert durch das Land. Angela Merkel, die als Kanzlerin die Weichen für Lockdowns und Isolationsmaßnahmen stellte, bewirbt heute ihr neues Buch mit dem fast schon zynisch anmutenden Titel “Freiheit”. Karl Lauterbach und Jens Spahn ergehen sich in Selbstlob, ohne je die Größe zu besitzen, gravierende Fehleinschätzungen schonungslos einzugestehen. Bodderas machte überdeutlich: Solange sich die verantwortlichen Player nicht hinstellen und ehrliche Reue zeigen, solange sie sich auf dem Konsens des angeblich guten Managements ausruhen, wird es keine echte Heilung und keinen sozialen Frieden in diesem Land geben.

Besonders emotional und aufwühlend wurde die Sendung, als die menschlichen Tragödien der Pandemiepolitik in den Fokus rückten. Mit einer Eindringlichkeit, die den Atem stocken ließ, schilderte Elke Bodderas die grausamen Auswirkungen der Isolationsmaßnahmen auf unsere ältesten und wehrlosesten Mitbürger. Sie erzählte von einer über 90-jährigen Frau aus ihrem engsten Umfeld, die in einem Pflegeheim komplett abgeschottet wurde. Das Pflegepersonal durfte das Essen nur noch durch die Tür reichen. Der geistige und körperliche Verfall dieser Frau, so Bodderas, ließ sich von Tag zu Tag regelrecht am Telefon mitverfolgen. Innerhalb kürzester Zeit verlor sie die Orientierung, wusste nicht mehr, mit wem sie sprach, und begann in ihrer Verzweiflung, das Essen auf ihrem Teller zu zählen. Diese Menschen, und das ist die bittere Wahrheit, die viele Politiker bis heute nicht hören wollen, starben in unzähligen Fällen nicht an dem grassierenden Virus. Sie starben an absoluter Einsamkeit, an einem gebrochenen Herzen, weil sie sich in ihrer Isolation selbst aufgaben. Ein renommierter Professor der Yale University, den Bodderas zitierte, brach am Telefon in Tränen aus und nannte dieses Vorgehen zutiefst unethisch, unmoralisch und unvertretbar. Es ist ein kollektives Trauma, das niemals wieder geschehen darf.

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Doch anstatt Demut zu zeigen, versuchte die Journalistin der Süddeutschen Zeitung sofort wieder zu relativieren. Unter dem Vorwand künftiger, noch gefährlicherer Viren und der Bedrohung durch Klimawandel und Umweltzerstörung warnte sie davor, zu versprechen, dass solche Maßnahmen nie wieder ergriffen würden. Man müsse sich auf noch härtere Eingriffe vorbereiten. Eine Argumentation, die bei Bodderas sofort auf massiven Widerstand stieß. Sie lenkte den Blick auf den wahren Ursprung der Gefahr, der in den Mainstream-Medien auffällig oft totgeschwiegen wird: Die sogenannte Gain-of-Function-Forschung und der hochwahrscheinliche Laborursprung des Virus in Wuhan. Warum zieht niemand China zur Rechenschaft? Warum wird ignoriert, dass die Bundesregierung schon sehr früh starke Indizien für einen Laborunfall hatte, wie investigative Journalisten bereits aufdeckten? Solange man diese fundamentalen Fragen ignoriert, ist das Gerede über zukünftige natürliche Pandemien nicht mehr als gefährliche Panikmache.

Die absolute Bestätigung für Bodderas mutigen Kurs lieferte schließlich ein Anrufer aus München. Manfred Emmer, ein gewöhnlicher Bürger, sprach das aus, was Millionen Deutsche während der letzten Jahre vergebens gefordert hatten: Man hätte den Menschen mehr Eigenverantwortung zutrauen müssen! Er erzählte von seiner eigenen, über 80-jährigen Mutter, deren Lebensfreude durch die aufgezwungenen, völlig überzogenen Maßnahmen unwiederbringlich zerstört wurde. Anstatt den Bürgern Fakten zu liefern und ihnen die Entscheidung über ihren eigenen Schutz zu überlassen, wählte der Staat den Weg der Diktatur von oben. Ein Weg, der das Land tief spaltete und Existenzen vernichtete.

Dass es auch völlig anders, menschlicher und erfolgreicher ging, bewies der viel gescholtene schwedische Weg. Elke Bodderas zögerte nicht, diesen entscheidenden Vergleich zu ziehen. Schweden setzte konsequent auf die Eigenverantwortung seiner mündigen Bürger. Keine drakonischen Lockdowns, keine Schulschließungen, keine unmenschliche Isolation von Senioren. Und das Ergebnis? Wenn man heute nüchtern zurückblickt, steht Schweden signifikant besser da. Das Land verzeichnet eine wesentlich geringere Übersterblichkeit als Deutschland, hat wirtschaftlich weniger gelitten und vor allem den sozialen Zusammenhalt seiner Gesellschaft nicht geopfert.

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Diese Talkrunde war mehr als nur ein verbaler Schlagabtausch; sie war ein längst überfälliges journalistisches Tribunal. Sie hat gezeigt, dass die Wunden der Pandemie noch lange nicht verheilt sind und dass die Bürger ein feines Gespür dafür haben, wenn man versucht, sie mit Scheinkommissionen abzuspeisen. Die bedrückende Erkenntnis bleibt, dass die Verantwortlichen in Politik und Teilen der Medienlandschaft immer noch verzweifelt versuchen, ihr Narrativ zu retten, anstatt sich der harten Realität zu stellen. Solange mutige Stimmen wie die von Elke Bodderas jedoch nicht verstummen und Bürger wie Manfred Emmer unermüdlich ihre Erfahrungen teilen, wird das Schweigekartell keinen endgültigen Erfolg haben. Es liegt nun an der Gesellschaft, diese schonungslose Aufklärung weiter einzufordern, damit sich ein solches Kapitel staatlicher Bevormundung niemals wiederholen kann.