Es gibt diese bestimmten medialen Momente, die sinnbildlich für den Zustand der gesamten politischen Debattenkultur eines Landes stehen. Ein solcher Moment ereignete sich kürzlich vor laufenden Kameras, als ein Reporter den Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, Dr. Bernd Baumann, mit Vorwürfen konfrontierte, die so absurd anmuteten, dass sie fast schon komödiantische Züge annahmen. Die Szenerie offenbarte nicht nur die rhetorische Souveränität des Befragten, sondern vor allem die blanke Hilflosigkeit jener, die versuchen, eine aufstrebende politische Kraft mit den immer gleichen, abgenutzten Stigmatisierungen in Schach zu halten. Es war ein Lehrstück darüber, wie die etablierten Kräfte und Teile der Medienlandschaft im Angesicht historischer Wahlerfolge die Nerven verlieren.

Der Auslöser dieses fast schon legendären Interviews war der beispiellose Triumph der Alternative für Deutschland bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz. Mit sensationellen knapp 20 Prozent der Stimmen fuhr die Partei ihr bislang bestes Ergebnis in einem westdeutschen Bundesland ein. Ein politisches Erdbeben, das die Fundamente der Altparteien massiv erschütterte. Doch anstatt sich inhaltlich mit den Ursachen dieses Wählerbebens auseinanderzusetzen, versuchte der fragende Reporter, Baumann auf eine vermeintliche rhetorische Tretmine zu lotsen.
Der Vorwurf lautete allen Ernstes, bei Veranstaltungen mit dem AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, würden “Naziparolen” gebrüllt. Die angebliche Beweisführung des Journalisten: Die Menge habe den Vornamen des Politikers weggelassen und stattdessen rhythmisch “Sieg” gerufen, woraufhin andere mit “Mund” geantwortet hätten. Ein simpler, wenn auch vielleicht unkonventioneller Namensaufruf wurde hier mit bemerkenswerter rhetorischer Akrobatik in die Nähe dunkelster deutscher Vergangenheit gerückt. Baumanns Reaktion war ebenso trocken wie treffend: Der Mann heiße nun einmal Siegmund. Aus diesem Faktum eine nationalsozialistische Verschwörung konstruieren zu wollen, erfordere schon ein außergewöhnliches Maß an böswilliger Fantasie oder schlichtweg den verzweifelten Versuch eines “linksgrünen Mainstreams”, die Partei um jeden Preis zu diskreditieren.
Dieses Interview ist symptomatisch für eine Strategie der Diabolisierung, die sich in den vergangenen Jahren als bemerkenswert ineffektiv erwiesen hat. Im Gegenteil: Die AfD scheint über eine Art politische “Teflonschicht” zu verfügen. Weder Vorwürfe der Vetternwirtschaft noch Diskussionen über extremistische Ränder oder abweichende außenpolitische Positionen können den kontinuierlichen Aufstieg der Partei bremsen. Die Bürger durchschauen zunehmend, dass die ständige moralische Entrüstung oft nur ein rhetorisches Feigenblatt ist, um vom eigenen politischen Versagen abzulenken.
Besonders hart ging Baumann in seiner Analyse mit der CDU ins Gericht. Die Union stecke in einer tiefen strategischen und existenziellen Krise. Unter der Führung von Friedrich Merz habe die einst stolze Volkspartei einen fatalen Fehler nach dem anderen begangen. Der gravierendste strategische Irrtum bestehe darin, dass die CDU inhaltlich längst viele Kernforderungen der AfD übernommen habe – sei es bei der restriktiveren Migrationspolitik, der Debatte um die Kernkraft oder der Kritik am Verbrenner-Aus. Die CDU wisse genau, dass dies die vernünftigen, bürgerlichen Positionen seien, die das Land brauche. Doch anstatt diese Politik konsequent umzusetzen, koaliere sie nach den Wahlen stets aufs Neue mit SPD und Grünen – jenen Kräften, die exakt das Gegenteil anstreben.

Gleichzeitig halte die Union starrsinnig an ihrer sogenannten “Brandmauer” und der permanenten Verteufelung der AfD fest. Sie habe ihren eigenen Wählern jahrelang eingetrichtert, eine Zusammenarbeit mit der AfD sei das personifizierte politische Böse. Aus dieser selbst gebauten Falle, so Baumann, komme die CDU nun nicht mehr heraus. Die Wähler straften diese Inkonsequenz schonungslos ab. Die CDU verschleppe so lediglich die notwendigen Korrekturen in Deutschland und verlängere als politischer Steigbügelhalter das “linksgrüne Elend” – von offenen Grenzen über Deindustrialisierung bis hin zur ausufernden Asylmigration. Baumann verglich den Zustand der Union drastisch mit starren Systemen, die nur noch durch eine radikale Erneuerung von innen gerettet werden könnten.
Doch wie sieht der Plan der AfD aus? Angesichts der anhaltenden Verweigerungshaltung der anderen Parteien droht theoretisch die Gefahr, trotz hervorragender Wahlergebnisse in der ewigen Opposition zu verharren – das berühmte “Verhungern am vollen Tisch”. Doch die Parteistrategen blicken bereits weit voraus. Der fulminante Erfolg in Rheinland-Pfalz ist nur das Vorspiel für die entscheidenden Wahlen im Osten, insbesondere in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Dort spekuliert die Partei längst nicht mehr nur auf starke Oppositionsrollen, sondern schielt offen auf absolute parlamentarische Mehrheiten.
Sollten Parteien wie die FDP oder die Grünen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, sinkt die absolute Zahl der benötigten Stimmen für eine Alleinregierung rapide. Das erklärte Ziel der AfD ist es, in eine Position derartiger Stärke hineinzuwachsen, dass man Koalitionsverhandlungen aus der absoluten Dominanz heraus führen kann – oder aber auf Juniorpartner wie das neu gegründete BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht) für Tolerierungsmodelle zurückgreifen kann. Gelingt dies nicht, drohen den Bundesländern sogenannte “Anti-Koalitionen” aus allen verbliebenen Parteien, deren einziger gemeinsamer Nenner die reine Abwehr der AfD ist. Dass ein solches Negativ-Bündnis keine konstruktive Landespolitik gestalten kann, liegt auf der Hand und dürfte der AfD langfristig nur noch mehr Zulauf bescheren.
Das eigentliche Erfolgsgeheimnis der Partei liegt jedoch nicht nur in der Schwäche der Gegner, sondern in einer klugen, fast in Vergessenheit geratenen Basisarbeit. Während sich Politiker der Altparteien zunehmend in Berliner Blasen, Talkshows und auf Twitter verlieren, geht die AfD dorthin zurück, wo Politik eigentlich stattfinden sollte: zu den Menschen. Die Initiative, in den westlichen Bundesländern wie Rheinland-Pfalz flächendeckend Treffpunkte in jedem Wahlkreis einzurichten – sei es in der örtlichen Dorfkneipe, in einem geschlossenen Ladenlokal oder auf einem Weingut –, ist ein genialer strategischer Schachzug.

Die Bürger haben hier die Möglichkeit, ihre Sorgen und Nöte ungefiltert und direkt bei ihren Abgeordneten abzuladen. Es ist die Rückkehr zum direkten Bürgerdialog, den die etablierten Parteien seit Jahrzehnten sträflich vernachlässigt haben. Die Menschen fühlen sich von der Ampel-Koalition – einer “linksgrünen Akademikerpartei”, wie Baumann die SPD treffend bezeichnete, die den Bezug zur echten Arbeiterschaft völlig verloren hat – bevormundet und im Stich gelassen. Die AfD hingegen signalisiert: Wir sind da, wir hören zu, wir sind greifbar.
Das Interview mit Bernd Baumann offenbarte weitaus mehr als nur einen verbalen Schlagabtausch zwischen einem Politiker und einem Reporter. Es legte die tiefe Zerrissenheit der politischen Landschaft schonungslos offen. Auf der einen Seite ein Medien- und Parteienestablishment, das krampfhaft versucht, den Aufstieg einer unbequemen Kraft mit durchschaubaren Parolen aufzuhalten und dabei zunehmend hilfloser agiert. Auf der anderen Seite eine AfD, die stoisch und selbstbewusst ihren Weg geht, unbeirrt von medialer Empörung, fest verankert in der Basis und mit dem klaren Ziel, die Machtverhältnisse im Land fundamental zu verändern. Der Wahlerfolg in Rheinland-Pfalz war ein Meilenstein auf diesem Weg. Und die Altparteien müssen sich die bittere Frage stellen, wie lange sie die Realität noch ignorieren wollen, bevor an der AfD schlichtweg kein Weg mehr vorbeiführt.
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