Es ist ein mediales und juristisches Erdbeben, dessen volle Wucht wir vielleicht erst in den kommenden Wochen so richtig zu spüren bekommen. Die Fronten sind verhärtet, die Einsätze könnten kaum höher sein: Der bekannte Schauspieler und Entertainer Christian Ulmen schlägt nun mit voller juristischer Härte zurück und hat eine einstweilige Verfügung gegen eines der mächtigsten Nachrichtenmagazine der Republik, den SPIEGEL, beantragt. Doch dieser Fall ist weit mehr als nur eine gewöhnliche Auseinandersetzung zwischen einem Prominenten und der Berichterstattung der Presse. Es geht ans Eingemachte, um den Kern der journalistischen Sorgfaltspflicht und um hochbrisante politische Manöver, die uns letztlich alle betreffen. Sollte das Gericht in Hamburg dieser einstweiligen Verfügung stattgeben, bedeutet das nicht nur einen massiven Gesichtsverlust und extrem hohe drohende Geldstrafen für den SPIEGEL, der dann zentrale Passagen seiner Berichterstattung sofort entfernen und deren Verbreitung unterlassen müsste. Es würde vielmehr ein regelrechtes politisches Kartenhaus ins Wanken bringen, das bis in die obersten Riegen der Politik reicht.

Besonders für Justizministerin Hubig könnte die Luft nun denkbar dünn werden. Denn was sich hier vor unseren Augen abspielt, scheint – wenn man den aktuellen Entwicklungen und den Aussagen von Ulmens Anwalt folgt – eine geradezu unheimliche Koordination zwischen großen Medienhäusern und Ministerien zu sein. Der Vorwurf wiegt extrem schwer: Es steht im Raum, dass Berichterstattungen maßgeschneidert und zeitlich exakt abgestimmt wurden, um den Weg für eine neue, weitreichende Gesetzgebung zu ebnen. Ulmens Rechtsvertretung stellt nun unmissverständlich klar, dass es in dem konkreten Fall überhaupt nicht um pornografische Deepfake-Videos ging, die angeblich hergestellt und verbreitet worden sein sollen, um Personen wie Fernanda Brandao in ein falsches Licht zu rücken. Wenn diese Grundlage der Berichterstattung wegfällt, stellt sich unweigerlich die Frage: Auf welcher Basis wurde dann diese ganze nationale Panikmache aufgebaut?

Wir erinnern uns: Die Bundesjustizministerin nutzte ausgerechnet diesen spezifischen SPIEGEL-Artikel als mediale Speerspitze, um ein neues Gesetz gegen sogenannte Deepfakes massiv zu bewerben. In medial inszenierten Videos blätterte sie genau in jenem Magazin, um die angebliche Dringlichkeit dieses Vorhabens zu unterstreichen. Doch worum geht es bei diesem Gesetz wirklich? Es zielt eben nicht nur auf den Schutz vor böswilliger Pornografie ab – ein Ziel, das jeder vernünftige Mensch sofort unterschreiben würde. Vielmehr droht eine fundamentale Einschränkung der Meinungs- und Kunstfreiheit im digitalen Raum. Stellen Sie sich vor, Sie erstellen ein harmloses, satirisches Meme mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz. Ein lustiges Bild über den Bundeskanzler, über Robert Habeck oder über Peter Altmaier, das Sie anschließend auf Plattformen wie X (ehemals Twitter) posten. Mit dem neuen Gesetz könnte genau das als strafbare Verbreitung gewertet werden, für die Sie belangt werden können. Die Kriminalisierung von politischer Satire steht hier unverhohlen im Raum.

Wenn das Gericht nun entscheidet, dass der SPIEGEL seine Behauptungen bezüglich der Deepfake-Videos im Fall Ulmen nicht aufrechterhalten darf, bricht das argumentative Fundament für Hubigs Gesetzesinitiative krachend zusammen. Warum sollte man in einer solch beispiellosen Eile ein neues Gesetz durchpeitschen, wenn der am meisten zitierte Anlassfall in dieser Form gar nicht existiert hat? Es entlarvt ein potenzielles System, in dem Berichterstattung und politisches Agenda-Setting Hand in Hand gehen. Die Konsequenzen für die Glaubwürdigkeit der beteiligten Medien und der Politik wären absolut verheerend. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie schnell und leichtfertig grundlegende Freiheitsrechte auf dem Altar einer konstruierten öffentlichen Empörung geopfert werden könnten.

Doch dieser Skandal beleuchtet nur die Spitze eines weitaus tiefer liegenden gesellschaftlichen Eisbergs. Rund um diesen und ähnliche Vorfälle hat sich eine zunehmend toxische Debatte entwickelt, die völlig über das eigentliche Ziel hinausschießt. Niemand bestreitet, dass körperliche und psychische Gewalt gegen Frauen ein massives Problem ist, das aufhören muss. Es ist absolut essenziell, dass Frauen, die Opfer solcher Taten werden, den Mut finden, dies anzuzeigen. Doch was wir stattdessen erleben, ist eine pauschale, oftmals blinde Verurteilung einer gesamten Geschlechtergruppe. Es scheint, als ob bestimmte Akteure in den Medien den Mann an sich unter Generalverdacht stellen. Frontfrauen der Unterhaltungslandschaft wie Carolin Kebekus oder Anja Reschke sondern öffentlich bedenkliche Aussagen ab. Wenn dann Sätze fallen wie „Es sind auch gute Männer, die sowas machen“ oder wenn offen darüber gejubelt wird, wie viele Männer gerade “zittern” würden und dass dieses Zittern gefalle, offenbart sich eine gefährliche Schieflage im gesellschaftlichen Diskurs.

Christian Ulmen im Gespräch zu "Becks letzter Sommer" | STERN.de

Ist das wirklich der Weg zu einer gerechteren Gesellschaft? Sollen Männer nun kollektiv wütend werden und sich für Dinge rechtfertigen, die sie niemals getan haben? Prominente Stimmen wie Sarah Bosetti versuchen zwar hektisch, ihre spalterischen Narrative anzupassen und klarzustellen, doch der Schaden ist oft schon angerichtet. Wir erinnern uns nur zu gut an ihre spalterische Rhetorik und Aussagen während der Covid-Zeit. Wer die Gesellschaft permanent in Täter- und Opfergruppen spaltet, kommt keinen Schritt weiter. Die Behauptung, dass bei häuslicher und psychischer Gewalt immer und ausschließlich Männer die Täter seien, ist nicht nur populistisch, sondern schlichtweg falsch. Werfen wir einen nüchternen Blick auf die Statistiken, so zeigt sich ein weitaus differenzierteres Bild. Es ist statistisch belegt, dass die Gewalt gegen Frauen in lesbischen Paarbeziehungen sogar höher ist als in heterosexuellen Beziehungen. Solche Fakten passen natürlich nicht in das simple Schwarz-Weiß-Bild, das uns täglich präsentiert wird, und widerlegen die pauschale Schuldzuweisung.

Wenn wir schon über psychische Gewalt und strukturelles Unrecht sprechen, dann müssen wir auch den Mut haben, Themen anzusprechen, die in der öffentlichen Debatte vollkommen tabuisiert werden. Es wäre ein Leichtes, das Spiel der Pauschalisierung umzudrehen und ironisch zu behaupten: „Alle Frauen sind Täter“ – nämlich bei einem Thema, das gesellschaftlich nie wirklich diskutiert wird: dem Kinderentzug. Tausende Frauen entziehen nach gescheiterten Beziehungen oder Ehen ihren Männern systematisch die Kinder. Das deutsche Rechtssystem macht es Vätern oftmals höchst schwierig und komplex, ihre eigenen Kinder überhaupt noch zu sehen. Wenn Kinder als emotionales Druckmittel oder Rachewerkzeug nach einer gescheiterten Partnerschaft missbraucht werden, sprechen wir hierbei von enormem psychischen Druck für viele Männer.

Ein aktuelles und äußerst emotionales Beispiel liefert der Unternehmer Julian Zietlow. Er befand sich in Dubai und führte einen erbitterten Kampf um das Recht, seine Töchter Lilli und Liv sehen zu dürfen. In einem bewegenden Video berichtete er von seinem Albtraum: Dokumente, die er in der Hoffnung auf einen fairen Umgang unterschrieben hatte, erwiesen sich als stark nachteilig. Seine Ex-Frau versuchte offensichtlich, ihm die Kinder vorzuenthalten. Doch Zietlow gab nicht auf. Er zog vor Gericht in Abu Dhabi und erkämpfte sich erfolgreich ein 50/50-Sorgerecht. Sein Fall zeigt, dass dort bemerkenswert schnelle und faire Lösungen gefunden werden können. Zietlows Appell an alle Eltern im Radio, die ihre Kinder nicht sehen dürfen, ist ein starkes Zeugnis väterlicher Liebe: „Gebt niemals auf. Sometimes fighting for your kids is the right choice.“. Es ist ein brisantes Thema, das komplett unter den Teppich gekehrt wird.

Satirikerin Sarah Bosetti: Mit Poesie gegen Populismus

Der entscheidende Punkt in all diesen Debatten ist jedoch, dass wir nicht in dieselbe rhetorische Falle tappen dürfen wie Figuren à la Luisa Neubauer. Wir dürfen nicht den Fehler machen, das Fehlverhalten einzelner auf eine gesamte Gruppe zu projizieren und pauschal zu sagen, alle Frauen würden das machen. Neubauer und Konsorten tun auf dem Gebiet der häuslichen Gewalt genau das, wenn sie alle Männer verurteilen und suggerieren, Männer könnten froh sein, dass Frauen nur Gleichberechtigung und keine Vergeltung fordern. Die Realität ist glücklicherweise eine andere. Es gibt unzählige Beispiele von Erwachsenen, die es schaffen, nach einer Trennung richtig im Sinne der Kinder umzugehen, damit diese nicht darunter leiden. Es gibt vorbildhafte Frauen, die den Kinderentzug eben nicht praktizieren.

Warum aber erleben wir dann eine ständige Befeuerung dieser Geschlechterkonflikte? Es ist absolut kein Zufall, dass oft linksextreme NGOs diese spalterischen Narrative vorantreiben. Ihr größtes Ziel scheint es zu sein, im Namen eines immer mächtiger werdenden Staates Familien zunehmend überall zu spalten. Das zeigt sich auch in anderen Debatten der aktuellen Politik, etwa beim Thema Ehegattensplitting, wo ebenfalls versucht wird, funktionierende Familienstrukturen unter Druck zu setzen. Der Fall Ulmen gegen den SPIEGEL ist nicht nur eine juristische Randnotiz. Er ist ein leuchtendes Warnsignal, das uns auffordert, diese destruktiven, spalterischen Narrative zu hinterfragen und für echte, unvoreingenommene Gerechtigkeit einzustehen.