Jonas hatte den Kragen seines Hemdes schon zum dritten Mal zurechtgezogen. Er saß in der Ecke eines kleinen Restaurants, die Hände um ein Glas Wasser gelegt, das längst warm geworden war. Vor ihm stand ein leerer Stuhl. Dieser Stuhl war für sie, für Anna. Sie kannten sich nicht persönlich. Nur ein paar Nachrichten über eine Dating ab. Wochenlang hatten sie geschrieben über Musik, über Bücher, über das Leben und über Schmerz. Jonas war seit drei Jahren alleinerziehender Vater. Seine Frau war nach langer Krankheit
gestorben und hatte ihn mit einer fünfjährigen Tochter zurückgelassen. Seitdem bestand sein Leben nur noch aus Arbeit, Kindergarten, Kochen und Einschlafen auf dem Sofa. Dating, das hatte er lange für unmöglich gehalten. Doch Anna war anders gewesen. Ihre Nachrichten waren warm, ehrlich. Sie hatte gesagt, sie bewundere Männer, die Verantwortung übernehmen. Und irgendwann hatte sie geschrieben, vielleicht sollten wir uns treffen. Also saß Jonas jetzt hier und wartete. 20 Minuten, 30 Minuten, eine Stunde. Die
Kellnerin kam vorsichtig näher. Möchten Sie noch etwas bestellen? Jonas lächelte gezwungen. Nein, ich denke, mein Date kommt nicht mehr. Er zahlte und ging hinaus in die kühle Nacht. Der Parkplatz vor dem Restaurant war fast leer. Nur ein paar Laternen beleuchteten den Asphalt. Gerade als Jonas zu seinem Auto gehen wollte, hörte er ein Geräusch, ein leises Schluchzen. Er blieb stehen. Das Geräusch kam von einem silbernen Auto am Rand des Parkplatzes. Zögerönnd ging er näher und dann sah er sie. Eine
Frau saß auf der Bordsteinkante neben dem Auto. Das Gesicht in den Händen vergraben, die Schultern betten vor Weinen. Jonas blieb stehen. “Alles okay?”, fragte er vorsichtig. Die Frau hob den Kopf, ihre Augen waren rot und dann erkannte er sie sofort. Die Fotos, das Lächeln. Es war Anna. Sie starrte ihn erschrocken an. Jonas. Er blinzelte. Du warst hier. Anna nickte langsam. Die ganze Zeit. Jonas verstand nichts. Warum bist du dann nicht reingekommen? Anna sah auf den Boden. Lange sagte sie

nichts. Dann flüsterte sie. Weil ich Angst bekommen habe. Jonas setzte sich langsam neben sie auf den Bordstein. Vor mir. Sie schüttelte den Kopf. Vor mir selbst. Er wartete. Die Nacht war still. Nur das Summen der Laternen war zu hören. Schließlich begann Anna zu erzählen. Mein letzter Freund hat mich betrogen und danach hat er allen erzählt, ich wäre verrückt. Ihre Stimme zitterte. Seitdem habe ich panische Angst vor ersten Treffen. Jonas sah sie an. Aber wir haben doch wochenlang geschrieben. Genau das ist
das Problem, sagte sie leise. Du bist zu nett, zu ehrlich. Und ich hatte plötzlich Angst, alles zu ruinieren. Eine Träne lief über ihr Gesicht. Also bin ich zum Restaurant gefahren, habe dich durchs Fenster gesehen und dann bist du hier draußen sitzen geblieben. Anna nickte. Ich weiß, das ist dumm. Jonas musste plötzlich lachen. Nicht spöttisch. Er überrascht. Anna sah ihn irritiert an. Warum lachst du? Jonas atmete tief durch. Weißt du, wie mein Abend aussah? Sie schüttelte den Kopf. Ich dachte, du
hättest mich versetzt. Ich habe mich gefragt, ob ich peinlich war, ob ich zu alt bin, ob eine Dating App für mich einfach lächerlich ist. Anna sah ihn erschrocken an. Oh Gott. Jonas lächelte schwach. Und die ganze Zeit sahst du draußen und hattest Angst vor mir. Für einen Moment schwiegen beide. Dann begann Anna plötzlich zu lachen, mitt durch ihre Tränen und Jonas lachte mit. Zwei Fremde auf einem Parkplatz. Beide überzeugt gewesen, der andere hätte sie abgelehnt. Nach einer Weile fragte Jonas: “Hast du schon gegessen?” Anna
schüttelte den Kopf. “Nein.” Jonas stand auf und streckte ihr die Hand hin. “Dan lass uns das Bindade einfach auf den Parkplatz verlegen.” “Wie bitte?” Er öffnete die Autotür und holte eine Tüte vom Rücksitz. Notfallsnacks, mein Geheimtrick als Vater. Anna musste lachen. Drinnen waren zwei Sandwiches, Saft und ein paar Schokoregel. Sie setzten sich wieder auf den Bordstein und aßen und redeten. Diesmal ohne Restaurant, ohne Druck, ohne Erwartungen. Nur zwei Menschen, die
ehrlich waren. Irgendwann fragte Anna Leise: “Darf ich dir etwas persönliches fragen?” “Klar, warum gibst du mir überhaupt noch eine Chance?” Jonas sah in den Himmel. Dann sagte er ruhig, weil ich eine Tochter habe. Anna runzelte die Stirn und ich möchte, dass sie später jemanden trifft, der ihr eine zweite Chance gibt, wenn sie Angst hat. Anna sah ihn lange an, dann nahm sie vorsichtig seine Hand. Jonas, er sah sie an. Ja, vielleicht war das hier kein gescheitertes Blinddate.
Er lächelte. Vielleicht war es einfach nur ein sehr ungewöhnlicher Anfang. Die Laternen spiegelten sich in den Pfützen des Parkplatzes und zum ersten Mal seit Jahren fühlte sich Jonas nicht mehr allein. Nach rechtszeigender Finger, wenn dich diese Geschichte berührt hat, abonniere den Kanal, hör die Geschichte, hör die Stimme, gib dem Video ein Like, teile es mit deinen Freunden und schreibe in die Kommentare. Glaubst du an zweite Chancen? Rotes Herz. M.
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