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Bahn-Hammer: Currywurst ohne Pommes – Ein weiteres Kapitel im deutschen Bürokratie-Wahnsinn

Wenn man heute durch die Bordbistros der Deutschen Bahn wandert, könnte man meinen, man sei in einer anderen Welt. Für Millionen Reisende war das Angebot – allen voran die legendäre Currywurst mit knusprigen Pommes Frites – ein Stück Normalität, ein kleiner Genuss während einer oft stressigen Bahnfahrt. Doch damit ist jetzt Schluss. Die Deutsche Bahn hat das beliebte Frittierprodukt dauerhaft von der Speisekarte gestrichen. Was nach einer einfachen Menüumstellung klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein alarmierendes Beispiel für eine Kombination aus technischer Überforderung, regulatorischem Druck und einem ehrlichen Mangel an Kundenorientierung, der viele Bürger einfach nur fassungslos zurücklässt.

Der „Pommes-Schock“ kam für die Reisenden weitgehend aus dem Nichts. „Statt der klassischen Fritten gibt es nun Wedges“, so die lakonische Begründung. Dass jedes Jahr rund 600.000 Portionen der beliebten Kartoffelstäbchen verkauft wurden, scheint bei der Entscheidung eine untergeordnete Rolle gespielt zu haben. Doch hinter der Streichung steckt mehr als nur eine geschmackliche Neuausrichtung. Es ist ein Symptom für ein tieferliegendes Problem: Die Bahn schafft es offenbar nicht mehr, die grundlegende Infrastruktur – in diesem Fall funktionierende Tiefkühlsysteme – in ihren Zügen verlässlich zu betreiben.

Die Begründung der Bahn ist geradezu grotesk: Man wolle die Gastronomie an Bord „zuverlässiger und weniger komplex“ gestalten. Übersetzt bedeutet das: Weil die Kühlanlagen in den Zügen regelmäßig ausfallen und der Bahn die Reparatur oder der Austausch zu teuer oder zu aufwendig ist, schafft man die Produkte einfach ab. Es ist der Weg des geringsten Widerstands. Anstatt in moderne Technik zu investieren, die auch bei sommerlichen Temperaturen verlässlich kühlt, streicht man einfach die Ware. Ein logischer, wirtschaftlich orientierter Ansatz wäre eine Ursachenanalyse und eine gezielte Instandhaltung gewesen. Doch bei der Deutschen Bahn scheint man mittlerweile andere Prioritäten zu setzen.

An dieser Stelle kommen die obligatorischen EU-Vorgaben ins Spiel. Wie so oft in deutschen Infrastrukturprojekten, greifen auch hier komplexe Regulierungen zu Kältemitteln ein. Bestimmte Gase, wie etwa das oft in älteren Anlagen verwendete R290 oder ähnliche Substanzen, unterliegen strengen EU-Vorschriften. Ein Umbau der bestehenden Kühlanlagen wäre teuer gewesen. Die Bahn hat sich also dazu entschieden, den „einfachen“ Weg zu gehen: Die Tiefkühlgeräte werden bis Ende 2026 weitgehend durch normale Kühlgeräte ersetzt. Das bedeutet im Klartext: Kein Speiseeis mehr, keine Pommes mehr – und in naher Zukunft sollen sogar die Eiswürfel für Getränke aus dem Sortiment verschwinden.

Man muss sich das einmal bildlich vorstellen: Eine Familie mit Kindern fährt in den Urlaub. Die Kinder freuen sich auf ein Eis während der Fahrt, doch das Angebot gibt es schlicht nicht mehr, weil die Bahn nicht in der Lage ist, eine funktionierende Kühlanlage in einem Bistro zu installieren. Das ist nicht nur ärgerlich, es ist ein Armutszeugnis für den Servicegedanken in diesem Land. Wo sind die „Verbesserungen für die Bordgastronomie“, die von Bahnverantwortlichen wie Evelyn Palla noch im Februar medienwirksam angekündigt wurden? Die Realität sieht anders aus: Das Angebot schrumpft, der Service wird ausgedünnt, und die Reisenden bleiben auf der Strecke.

Der Vergleich zum Fall Volkswagen ist hier durchaus angebracht. Auch dort wollte man den Kunden durch die Streichung der beliebten Kantinen-Currywurst „erziehen“ und auf einen fleischfreien Kurs bringen. Der Erfolg war absehbar: Massive Kritik, fallende Zufriedenheit und schlussendlich die Rückkehr zur klassischen Currywurst. Der Kunde möchte das, was er kennt und schätzt. Wenn die Nachfrage sinkt, wie die Bahn bei ihrer „veganen Currywurst“ behauptet, dann ist das eine natürliche Marktreaktion. Aber die beliebten Klassiker zu streichen, nur weil man technisch überfordert ist, ist ein Schlag ins Gesicht der Kunden, die die Bahn als zahlende Gäste nutzen.

Die Frage, die man sich stellen muss, ist, was dieses Land noch zu leisten imstande ist. Wenn ein global agierender Konzern wie die Deutsche Bahn an der Herausforderung scheitert, ein tiefgekühltes Produkt wie eine Portion Pommes oder ein Eis servierfertig im Zug anzubieten, dann wirft das ein bezeichnendes Licht auf den Zustand unserer gesamten Infrastruktur. Es ist diese Mischung aus technischer Kapitulation vor der eigenen Hardware und der vorauseilenden Gehorsamkeit gegenüber regulatorischen Vorgaben, die bei vielen Bürgern das Gefühl hinterlässt, dass sich in diesem Land immer weniger um die Bedürfnisse der Menschen dreht.

Die „Menüreform“ der Deutschen Bahn ist dabei kein Einzelfall, sondern ein Puzzleteil in einem größeren Bild. Überall im Land erleben wir eine schleichende Verschlechterung des Angebots, begründet mit Bürokratie, fehlendem Personal oder veralteter Technik. Doch während andere Unternehmen nach Lösungen suchen, scheint die Bahn den Weg der Reduktion zu wählen. Weniger Angebot bedeutet weniger Probleme – das scheint das neue Credo zu sein. Doch die Kunden wählen die Bahn nicht, um ein reduziertes Angebot zu konsumieren, sondern um schnell, bequem und zuverlässig an ihr Ziel zu kommen – und dabei idealerweise einen gewissen Service zu genießen.

Es wird spannend zu beobachten sein, ob die Kunden diesen „Pommes-Schock“ einfach so hinnehmen oder ob es auch hier zu einem Umdenken kommt, wie es bei Volkswagen der Fall war. Die Bahn täte gut daran, die Wünsche ihrer Gäste ernst zu nehmen, anstatt sich hinter EU-Vorschriften oder technischen Ausreden zu verstecken. Ein Bordbistro ohne Tiefkühlung ist keine Modernisierung, es ist ein Rückschritt. Es ist Zeit, dass die Verantwortlichen wieder lernen, was Dienstleistung bedeutet: Den Kunden das anzubieten, was er möchte, und nicht das, was für die Bahn am wenigsten bürokratischen Aufwand bedeutet.

Letztlich geht es auch um eine Frage der Wertschätzung. Ein Reisender, der viel Geld für ein Ticket bezahlt, darf erwarten, dass die Basics funktionieren – sei es die Pünktlichkeit, die Sauberkeit oder eben eine anständige Gastronomie. Wenn all das wegbricht, wird die Bahn für viele Menschen zunehmend unattraktiv. Das Streichen der Pommes mag auf den ersten Blick eine Kleinigkeit sein, doch es steht symbolisch für die aktuelle Krise des Unternehmens. Es bleibt zu hoffen, dass die Bahn diesen Weg nicht konsequent weitergeht, denn am Ende zahlt der Kunde die Zeche – und im Zweifel entscheidet er sich beim nächsten Mal für ein anderes Verkehrsmittel. Deutschland kann es besser, wenn es will. Doch im Moment scheint der Wille zur einfachen Lösung leider größer zu sein als der Wille zur echten Qualität.

 

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