18 August 1870 18 Uhr Sonne senkt sich über die Felder von St. Privat. 3000 m vor den französischen Stellungen formiert sich die preußische Garde in dichten Kolonnen. 12000 Mann der Elite Preußens marschieren in tadelloser Ordnung über offenes Gelände. Die Soldaten tragen ihre dunkelblauen Uniformen mit Stolz.

Ihre Pickelhauben glänzen im Abendlicht. Sie sind Siegesgewohnt. Sie sind die Besten. Generalmajor von Pape führt seine Männer persönlich. Er reitet vor den Reihen. Die Trommeln schlagen den Takt. Links und rechts erstrecken sich die Bataillone bis zum Horizont. Eine Wand aus Stahl und Disziplin. Niemand spricht.

 Nur das rhythmische Stampfen tausender Stiefel durchbricht die Stille. In St. Privat wartet die Division Kan Robert. 15 000 französische Soldaten liegen in Deckung. Hinter Mauern, in Gräben, zwischen Ruinen. Ihre Schasspogewehre sind geladen. Diese Waffen können auf 900 m töten. Die Preußen wissen das nicht. Der erste Schuss bricht die Stille, dann ein zweiter.

 Plötzlich öffnet sich die Hölle. 15 000 Gewehre feuern gleichzeitig. Das Geräusch ist ohrenbetäubend. Die erste Reihe der Garde fällt wie von einer unsichtbaren Sense gemäht. Hunderte Männer sterben imselben Augenblick. Die zweite Reihe stolpert über die Gefallenen und wird sofort getroffen. Blut spritzt, Knochen zerbrechen, Männer schreien.

 General von Pape brüllt Befehle. Seine Stimme geht im Geschützdonner unter. Eine Kugel durchschlägt seine Brust. Er fällt vom Pferd. Das Tier rennt führerlos davon. Die Garde versucht weiterzumchieren, aber das Feuer stoppt nicht. Die Franzosen laden nach. Feuern, laden, feuern. Wieder und wieder. Die preußischen Formationen lösen sich auf.

Männer suchen verzweifelt Deckung. Es gibt keine 19 Uhr, 20 Uhr. Das Gemetzel dauert an. Offiziere versuchen ihre Einheiten zu sammeln. Sie werden sofort erschossen. Die Mitrilieusen beginnen zu feuern. 150 Schuss pro Minute aus jeder Waffe. Die Luft ist schwarz von Pulverdampf. Der Boden ist rot von Blut.

 8230 Gardisten werden an diesem Abend fallen in nur 4 Stunden. Die Elite Preußens wird ausgelöscht. Aber wie kam es dazu? Was brachte diese Männer an diesen Ort? Warum opferte das preußische Kommando 20000 Soldaten an einem einzigen Tag? Die Antwort beginnt vier Wochen früher. Mit einem Telegramm, mit einem beleidigten Kaiser, mit dem Beginn eines Krieges, der Europa für immer verändern sollte.

Wenn Sie verstehen wollen, warum Gravelotte zur blutigsten Schlacht des deutsch-französischen Krieges wurde, bleiben Sie dabei. Die Geschichte, die Sie gleich hören werden, zeigt die brutale Realität des Krieges. Abonnieren Sie den Kanal jetzt. 13. Juli 1870. Bad Ems, König Wilhelm, der erste von Preußen, spaziert durch den Kurpark.

 Ein französischer Botschafter tritt ihm entgegen. Graf Benedetti verlangt eine Garantie. Frankreich will die Zusicherung, dass niemals ein Hohenzoller auf dem spanischen Thron sitzen wird. Der König lehnt höflich ab, ein normaler diplomatischer Austausch. Aber in Berlin sitzt Otto von Bismarck. Der eiserne Kanzler liest das Telegramm aus Ems. Er sieht seine Chance.

 Mit wenigen Federstrichen redigiert er den Text. Die höfliche Ablehnung wird zur schroffen Zurückweisung. Er veröffentlicht das verfälschte Telegramm in der Presse. Die Wirkung ist verheerend. In Paris explodiert die Empörung. Die Zeitungen schreien nach Rache. Die Menschenmassen fordern Krieg. Kaiser Napoleon II steht unter enormem Druck. Sein Regime wankt bereits.

 Die liberale Opposition gewinnt an Kraft. Er braucht einen außenpolitischen Erfolg. Er braucht einen schnellen siegreichen Krieg gegen Preußen. 19. Juli. Frankreich erklärt Preußen den Krieg. Napoleon glaubt an einen Sieg. Seine Armee gilt als die beste Europas. Sie hat in Krim, Italien und Mexiko gekämpft.

 Sie verfügt überlegene Waffen, aber Napoleon übersieht etwas entscheidendes. Bismark hat genau auf diesen Moment hingearbeitet. Der preußische Ministerpräsident hat Frankreich in die Falle gelockt. Durch die französische Kriegserklärung erscheint Paris als Aggressor. Die Süddeutschen Staaten Bayern, Würtemberg und Baden aktivieren ihre Verteidigungsbündnisse mit Preußen.

Plötzlich steht nicht nur Preußen gegen Frankreich. sondern ganz Deutschland. Bismark lächelt in Berlin. Sein Plan funktioniert perfekt. Dieser Krieg wird nicht nur Frankreich besiegen. Er wird Deutschland einen. Unter preußischer Führung unter der Krone der Hohen Zollern. 23. Juli. An der deutsch-französischen Grenze mobilisieren beide Seiten.

 Aber die Unterschiede sind gewaltig. Das preußische System funktioniert wie ein Uhrwerk. Helmut von Moltke, Chef des Generalstabs, hat jahrelang geplant. Jeder Reservist kennt seinen Sammelplatz, jede Einheit ihren Eisenbahntransport, jede Division ihre Marschroute. Innerhalb von 18 Tagen stehen 380.000 Mann an der Grenze.

 Drei Armeen perfekt organisiert, perfekt versorgt, bereit zum Angriff. Die französische Mobilisierung ist ein Chaos. Reservisten irren umher und suchen ihre Einheiten. Transporte fehlen. Ausrüstung kommt nicht an. Ganze Regimenter stehen ohne Munition da. Marshall Leb hatte dem Kaiser versichert, die Armee sei bis zum letzten Gamaschenkopf bereit.

 Eine Lüge, eine gefährliche Lüge. Aber Frankreich hat einen Trumpf. Die Waffen. Das Schasportgewehr ist eine Revolution. Es lädt am Verschluss. Nicht mehr mühsam vom Lauf. Ein Soldat kann 10 Schuss pro Minute abgeben. Die effektive Reichweite beträgt 1200 m. Das preußische Zündnadelgewehr schafft nur 600 m und es neigt zu Fehlfunktionen nach wenigen Schüssen.

 Noch gefährlicher sind die Mitrailleusen, die ersten Maschinengewehre der Geschichte. 25 Läufe, alle gleichzeitig feuerbereit, 150 Schuss pro Minute. Eine einzige Waffe kann ein ganzes Bataillon niederwalzen. Frankreich hat 154 davon. Die Preußen haben nichts vergleichbares. Die französischen Generäle sind zuversichtlich. Mit diesen Waffen werden sie die preußischen Kolonnen abschlachten.

Marshall Bassin kommandiert die Reheinarmee. 150.000 Mann. Erfahrene Soldaten, kampferprobte Offiziere. Er plant nach Deutschland vorzustoßen, die Preußen zurückzuwerfen, vielleicht bis Berlin zu marschieren, aber die Preußen haben ihren eigenen Trumpf. Die Artillerie. Alfred Krup hat in Essen neue Geschütze entwickelt.

Gezogene Stahlrohre, Hinterlader, präzise auf 3000 m. Die französischen Bronzekanonen sind hoffnungslos veraltet, aber das weiß in Paris noch niemand. König Wilhelm I. übernimmt persönlich das Oberkommando. Er ist 73 Jahre alt, ein Soldat des alten Schlages. Neben ihm steht Moltke, der schweigsame Stratege, der Mann, der Österreich in 7 Wochen besiegt hat, der Mann, der jetzt Frankreich niederwerfen will.

Augustwoche. Die preußischen Armeen überschreiten die Grenze nicht frontal, sondern in einem weiten Bogen. Sie wollen die französische Armee umfassen, sie in die Zange nehmen, sie vernichten. 6. August, zwei Schlachten an einem Tag. Bei Spin und bei Wört schlagen die Preußen zu. Die Franzosen kämpfen tapfer.

 Ihre Schassepos ernten schreckliche Opfer unter den Angreifern, aber die preußische Artillerie zerschmettert die französischen Stellungen und die preußischen Zahlen sind überwältigend. Die Franzosen müssen zurückweichen. Marshall Basin erhält den Befehl nach Verdun zu marschieren, um sich mit den Reserven zu vereinigen. Aber er zögert.

Er bewegt sich langsam, zu langsam. Die Preußen sind schneller. Sie schwenken ein. Sie bedrohen seine Flanke, seine Verbindung nach Paris. 14. August. Basen ändert seine Marschrichtung. Er will nach Metz in die mächtige Festung. Dort kann er sich verschanzen, auf Verstärkung warten, aber die Preußen lassen ihn nicht entkommen. 16. August.

Mars Latour. Eine verzweifelte Schlacht. Eine preußische Kavalleriedivision wirft sich gegen die französische Marschkolonne. 6000 Reiter gegen eine ganze Armee, Selbstmord. Aber sie halten die Franzosen auf, lange genug für die Infanterie aufzuschließen. Der Kampf tobt den ganzen Tag. Beide Seiten verlieren 10 000 Mann.

 Die Schlacht endet unentschieden, aber das Ergebnis ist eine Katastrophe für Frankreich. Basin kann nicht weiter nach Westen. Der Weg ist blockiert. Er muss nach Metz zurück in die Festung mit seiner gesamten Armee. 175 000 Mann. 17. August. Die preußischen Armeen schließen den Ring. Drei Chor im Süden, vier Chor im Westen.

 Die Franzosen sitzen in der Falle. Metz ist zwar eine starke Festung, aber sie kann nicht 175 000 Mann dauerhaft versorgen. Basen muss ausbrechen oder verhungern. Moldke erkennt die Chance. Die französische Reheinarmee ist eingekesselt. Wenn er sie hier vernichtet, ist der Krieg entschieden. Paris liegt schutzlos.

 Der Weg zum Sieg ist offen, aber zuerst muss er Basen schlagen. Die französische Armee steht auf einer starken Verteidigungslinie von Roseriö im Süden bis Strivat im Norden. 10 km auf Höhen mit freiem Schussfeld mit 112 000 Mann und 520 Geschützen. Eine Festung aus Fleisch und Stahl. Moltke hat Mann und 732 Kanonen.

 Zahlen sprechen für ihn, aber das Gelände spricht für Basäne. Der Angriff wird teuer werden. Sehr teuer. 18. August, früher Morgen. Die preußischen Truppen rücken vor. Der blutigste Tag des Krieges beginnt. Die französische Verteidigungslinie erstreckt sich über 10 km hügeliges Gelände westlich von Metz. Das Terrain ist ein Albtraum für jeden Angreifer.

 Im Süden liegt Roseriöis, ein befestigtes Dorf auf einer Anhöhe. Von hier aus kontrollieren die Franzosen die Straße nach Gravlotte. Nördlich davon erhebt sich der Point Du jour, ein massiver Hügel mit steilen Hängen. Die französische Artillerie tronten. Jeder Meterboden davor liegt unter direktem Beschuss.

 Zwischen Pointujour und dem nächsten Dorf liegt die Schlucht von MS, eine tiefe Senke, 300 m breit, mit steilen Abhängen auf beiden Seiten. Wer hier hinabsteigt, wird zur leichten Zielscheibe. Wer den gegenüberliegenden Hang erklimmen will, muss unter mörderischem Feuer kämpfen. Die Franzosen haben die gesamte Schlucht im Visier.

 Weiter nördlich folgen die Dörfer Amon Villas und St. Marie O. Beide befestigt, beide mit starken Garnisonen, beide auf Höhen positioniert. Dazwischen liegen offene Felder, perfekt für die französischen Schasspots. Kein Deckung, keine Gräben, nur kahles Ackerland. Am nördlichen Ende der Linie liegt St.

 Privat, das größte Dorf. 200 Häuser aus solidem Stein, dicke Mauern, schmale Fenster, für die Verteidigung. Die Division Kanroert hat es in eine Festung verwandelt. Jedes Haus ist eine Schießscharte. Jede Mauer ein Bollwerk. 15 000 Mann warten dort. Nördlich von St. Privat endet die französische Linie. Dort liegt offenes Gelände.

 Der französische rechte Flügel hängt in der Luft. Theoretisch eine Schwachstelle, aber Basene glaubt nicht, dass die Preußen so weit nördlich angreifen werden. Ein fataler Irrtum. Das gesamte Schlachtfeld ist von kleinen Wäldern durchsetzt. Buchenbestände, Eichenheine. Sie bieten begrenzte Deckung, aber sie schränken auch die Sicht ein.

 Beide Seiten werden Mühe haben, die Bewegungen des Gegners zu erkennen. Die Straßen sind wenig mehr als Feldwege, staubig und schmal. Für große Truppenbewegungen ungeeignet. Die preußische Artillerie wird Schwierigkeiten haben, schnell in Stellung zu gehen. Basen hat seine Position gut gewählt. Die Höhen geben ihm Überblick und Feuerkraft.

 Die Tällähler zwingen die Preußen in Todeszone. Die befestigten Dörfer sind Ankerpunkte der Verteidigung. Wenn die Preußen hier angreifen, werden sie bluten. Marshall François Ashil Bazen kommandiert die französische Reinarmee. 52 Jahre alt, Veteran unzähliger Schlachten. Mexiko, Krim, Italien, Algerien.

 Er hat sich aus einfachen Verhältnissen hochgedient. Ein seltener Aufstieg im arokratischen französischen Offizierschor. Seine Armee zählt 112000 Mann. Vier Armee das zweite Chor unter General Fross hält den Süden bei Roser Jülles. 20.000 Mann. Gut verschanzt. Bereit zum Kampf. Das dritte Chor unter Marshall Liberth steht im Zentrum bei Po Duour und Moscou.

30.000 Mann, die stärkste Position, der Schlüssel zur Verteidigung. Das vierte Chor unter General Ladmirol verteidigt Aman Villers und St. Marie. 25 000 Mann, erfahrene Truppen, zuverlässig. Das sechste Chor unter Marshall Khrobert steht am nördlichen Flügel. In und um s privat. 37 000 Mann.

 Die Reserve der Armee. Noch unberührt von den vorangegangenen Kämpfen. Die französische Artillerie umfasst 520 Geschütze. Bronzekonen vom Typ 4. Veraltet aber zahlreich. Dazu die 154 mit Railleusen. Diese werden wie Artillerie eingesetzt. Ein Fehler. Ihre Wirkung wäre bei der Infanterie größer, aber die französischen Generäle verstehen die neue Waffe noch nicht.

 Auf preußischer Seite steht König Wilhelm an der Spitze, aber die wahre Führung liegt bei Moltke. Helmut Karl Bernhard von Moldke, 60 Jahre alt, Karl, schlank. Wortk ein Meister der Strategie. Er hat diesen Krieg geplant. Er wird ihn gewinnen. Die preußischen Streitkräfte teilen sich in zwei Armeen. Die erste Armee unter General Karl Friedrich von Steinmetz, 60.000 Mann, drei Armeekor.

 Das siebte, das Achte und die erste Cavalleri Division. Steinmetz ist 72 Jahre alt, eigensinnig, aggressiv, schwer zu kontrollieren. Die zweite Armee unter Prinz Friedrich Karl von Preußen. 128 000 Mann, fünf Armeekor plus die Garde und die Sachsen. Friedrich Karl ist der Neffe des Königs, 48 Jahre alt, siegreich bei Königgrätz gegen Österreich, ehrgeizig.

 Kompetent, aber manchmal zu vorsichtig. Die preußische Artillerie ist überlegen. 732 Geschütze, alles Krupkanonen, gezogene Stahlrohre, Hinterlader. Sie können dreimal schneller feuern als die französischen Bronzekanonen und sie treffen auf 3000 m Entfernung präzise. Diese Waffen werden den Unterschied machen.

 Die preußische Infanterie trägt Zündnadelgewehre. Schlechter als die französischen Schassepos. Kürzere Reichweite, häufige Ladehemmungen. Aber die preußischen Soldaten sind exzellent ausgebildet, diszipliniert, gehorsam, bereit zu sterben. Beide Armeen haben in den letzten Tagen gekämpft. Beide sind erschöpft, aber beide sind entschlossen.

 Für die Franzosen geht es ums Überleben, für die Preußen um den entscheidenden Sieg. Moldkes Plan ist elegant. Die erste Armee soll die französische Front fesseln. Angriffe im Süden bei Roseriö und Po nichts entscheidendes, nur genug Druck, um Basen zu beschäftigen. Währenddessen wird die zweite Armee weit nach Norden marschieren um den französischen rechten Flügel herum.

 Dann schwenk nach Süden, Angriff auf Sanent, privat und Aman Villers von Norden her. Die französische Flanke aufrollen, die Verbindung nach Metz abschneiden, Basellen einkesseln und vernichten. Ein klassisches Umfassungsmanöver wie bei Kanay, wie bei Königgrätz. Moldkes Spezialität. Aber der Plan hat einen Schwachpunkt.

 Er erfordert Koordination. Steinmetz muss warten. Er darf nicht zu früh angreifen, sonst warnt er die Franzosen. Sonst verschiebt bei seine Truppen nach Norden. Der Überraschungseffekt wäre verloren. Moltke erklärt Steinmetz den Plan. Der alte General nickt, aber innerlich kocht er. Fesseln, warten, das ist nichts für ihn.

 Er will angreifen, durchbrechen, siegen. Er ist nicht der Mann für eine Nebenrolle. Auf französischer Seite hat Bas keinen klaren Plan. Er will verteidigen, das ist klar. Aber was dann? Einen Ausfall wagen, nach Norden ausweichen, nach Metz zurückfallen? Er weiß es nicht. Er wartet ab. Er reagiert. Er ergreift nicht die Initiative.

 Seine Generäle sind frustriert. Kan Robert drängt auf einen Angriff. Warum nicht die preußische erste Armee zerschlagen? bevor die zweite eintrifft. Warum passiv bleiben? Aber Basne lehnt ab. Zu riskant, zu gefährlich. Besser abwarten. Diese Unentschlossenheit wird Frankreich teuer zu stehen kommen. 17. August, Abend. Die Truppen bereiten sich vor.

 Soldaten reinigen ihre Waffen. Offiziere studieren Karten. Köche bereiten das letzte warme Essen vor dem Kampf. Niemand schläft gut in dieser Nacht. Morgen wird die Hölle losbrechen. 18. August, 6 Uhr morgens. Nebel liegt über dem Schlachtfeld. Die Sicht beträgt kaum 200 m. Die preußischen Kolonnen setzen sich in Bewegung.

 Leise, diszipliniert. Moldkes Plan läuft an. Die zweite Armee marschiert nach Norden. Fünf Armee Chor bewegen sich durch den Morgen. 128 000 Mann. Der große Umfassungsmarsch beginnt. Alles läuft nach Plan. Die erste Armee soll warten. Steinmetz hat klare Befehle. Erst gegen Mittag vorrücken, nur Druck aufbauen.

 Nicht ernsthaft angreifen. Aber Steinmetz sieht das anders. 9 Uhr. Der Nebel lichtet sich. Steinmetz beobachtet die französischen Stellungen durch sein Fernglas. Point du jour, die Höhe, die Geschütze. Er will diese Position. Er will sie jetzt. Seine Adjutanten erinnern ihn an Moltkes Befehle. Er ignoriert sie.

 10 Uhr. Steinmetz gibt den Angriffsbefehl. Das siebte Armeeor soll Gravelotte nehmen. Das achte Chor soll durch die Schlucht von Manze vorstoßen. Frontale Angriffe, genau das, was Moltke verboten hat. Aber Steinmetz ist überzeugt. Er kann durchbrechen. Er wird durchbrechen. General von Göben kommandiert das achte Chor. 25 000 Mann.

Er erhält den Befehl und zögert. Die Schlucht von Manze ist eine Falle. Das sieht ein Blinder. Aber Befehle sind Befehle. Er setzt seine Truppen in Marsch. 13 Uhr. Die preußischen Bataillone erreichen den Rand der Schlucht. Vor ihnen liegt das Tal. 300 m breit, steil abfallend. Auf der anderen Seite erhebt sich Point Dujour.

Oben tronen die französischen Geschütze. Dazwischen absolute Stille. Die preußischen Offiziere formieren ihre Kompanien. Dichte Kolonnen, Mann an Mann. Die alte Taktik. Bewährt in den Schleswig-Holsteinkriegen. Bewährt gegen Österreich. Aber die Österreicher hatten keine Schassepots. 14 Uhr.

 Die ersten Bataillone steigen in die Schlucht hinab. 5000 Mann in engen Formationen. Die Trommeln schlagen, die Fahnen wehen. Preußische Disziplin Imperfektion. Dann öffnet sich die Hölle. Der erste Schuss kommt von Po ein französisches Schaspohr. 800 m Entfernung. Ein preußischer Leutnandfeld. Der Schuss ist das Signal. 3000 französische Gewehre feuern gleichzeitig.

Eine Wand aus Blei fegt über die Schlucht. Die preußischen Kolonnen werden getroffen wie von einem Sturm. Die erste Reihe fällt komplett. 200 Mann tot oder verwundet imselben Augenblick. Die zweite Reihe stolpert über die Körper. Weitere Salven treffen sie. Mehr Männer fallen. Die Franzosen laden nach. 10 Sekunden, Feuer.

 Wieder 10 Sekunden, Feuer. Das Schasportgewehr ist eine Tötungsmaschine. Die Kadenz ist erbarmungslos. Die preußischen Bataillone schmelzen vor den Augen ihrer Offiziere. Hauptmann von Kleist kommandiert die zweite Kompanie des 24. Regiments. Er sieht seine Männer fallen, einer nach dem anderen. Er brüllt Befehle.

 weitergehen, Formationen halten, aber seine Stimme geht im Geräusch der Schlacht unter. Eine Kugel trifft ihn in die Schulter. Er taumelt, bleibt stehen. Eine zweite Kugel durchschlägt seinen Hals. Er fällt. Die preußischen Soldaten versuchen zurückzuern, aber ihre Zündnadelgewehre haben nur 600 m Reichweite. Die Franzosen stehen 800 m entfernt.

 Die preußischen Kugeln fallen harmlos zu Boden. Die Männer sind hilflos. Zielscheiben in Uniformen. Oberst von Schkop führt das 29. Regiment, 3000 Mann. Er befiehlt den Angriff auf Point du jour. Seine Bataillone stürmen den Hang hinauf. Die französischen Mitrailleösen erwachen. Die Mitrailleösen stehen hinter Steinmauern auf dem Hügel.

 25 Läufe pro Waffe. Alle auf die stürmenden Preußen gerichtet. Die Bedienungsmannschaften drehen die Kurbeln. Das Geräusch ist wie zerreißendes Leinen. 150 Schuss pro Minute pro Waffe. Zeh Mitrailleusen feuern gleichzeitig. Die Wirkung ist apokalyptisch. Ganze Züge werden ausgelöscht. 50 Mann verschwunden, zerfetzt. Die preußischen Linien lösen sich auf.

Männer werfen sich zu Boden, suchen Deckung hinter Steinen, hinter Leichen. Es gibt nicht genug Deckung. Die Kugeln finden sie trotzdem. Oberst von Schkop fällt mit einer Mitrailleusensalwe in der Brust. Sein Adjutant übernimmt. 2 Minuten später ist auch er tot. Das Regiment hat keinen kommandierenden Offizier mehr.

 Die Überlebenden kriechen zurück. Von 3000 Mann kehren 800 zurück. 15 Uhr. Weitere preußische Regimenter werden in die Schlucht geschickt. Das 18. Regiment, das 35. Regiment, das zweite Garderegiment. Alle erleiden dasselbe Schicksal, alle werden zerschmettert. Die Schlucht von Manze verwandelt sich in ein Schlachthaus. Der Boden ist mit Körpern bedeckt.

Verwundete schreien nach Sanitätern. Sanitäter werden erschossen, wenn sie helfen wollen. Pferde wirn Todesangst. Einige Tiere haben die Beine weggeschossen bekommen und versuchen zu kriechen. Das Gras ist rot, die Luft stinkt nach Blut und Schwarzpulver. General von Göben reitet an die Front. Er sieht das Gemetzel.

 Er begreift die Aussichtslosigkeit, aber Steinmetz befiehlt weiterzukämpfen. Mehr Truppen werden vorgeschickt. Das 13. Regiment, das 40. Regiment. Das Ergebnis bleibt dasselbe. Tod. Überall tot. 16 Uhr. Die preußische erste Armee hat bereits 5000 Mann verloren, ohne einen Meter Boden zu gewinnen. Die französische Linie steht unerschüttert.

Point du jour ist uneinnehmbar. Die Schlucht von Mons ist ein Massengrab, aber Steinmetz gibt nicht auf. Wenn die Infanterie nicht durchkommt, muss die Artillerie helfen. 17 Uhr. Die preußischen Artilleristen bringen ihre Geschütze in Stellung. 80 Krupkanonen des siebten Chor, 110 Geschütze des Ach Chor.

 Die Bedienungsmannschaften arbeiten fieberhaft. Protzen lösen, Rohre ausrichten, Munition bereitlegen. Die französische Artillerie eröffnet sofort das Gegenfeuer. Ihre Bronzekanonen schießen auf die preußischen Stellungen, aber die Reichweite ist begrenzt. 2000 m. Die Krupkanonen stehen 2500 m entfernt außerhalb der französischen Reichweite.

Die preußischen Geschütze können ungestraft feuern. Der erste Schuss donnert über das Schlachtfeld. Ein Krup Neun Pfünder. Das Geschoss fliegt in hohem Bogen, schlägt in eine französische Geschützstellung ein, explodiert. Drei Artilleristen sterben sofort. Zwei weitere verlieren Gliedmaßen. Das Geschütz ist zerstört.

Dann beginnt das systematische Bombardement. 190 Gruppkanonen feuern auf Point du jour. Salve nach Salve. Die Granaten explodieren auf dem Hügel. Erdreich fliegt durch die Luft. Steinmauern zerbersten. Bäume werden zerfetzt. Die französische Infanterie sucht Deckung. Die Männer pressen sich in Gräben, hinter Mauern, in Häuser.

Aber die preußischen Granaten finden sie. Ein Volltreffer auf ein Haus in Moskau. Das Dach kollabiert. 20 Soldaten werden unter den Trümmern begraben, nur drei überleben. Die französischen Mitrailleusen sind besonders verwundbar. Sie stehen exponiert, um freies Schussfeld zu haben. Die preußischen Artilleristen zielen gezielt auf sie.

Eine Granate trifft eine Mitrailleusen Stellung direkt. Die Waffe wird zerstört, die Bedienungsmannschaft ausgelöscht, alle sieben Mann tot, aber die französische Linie hält. Marshall Leb reitet zwischen seinen Truppen umher. Er brüllt Befehle. Durchhalten, weiterkämpfen, nicht zurückweichen. Seine Soldaten gehorchen.

 Sie sind tapfer. Sie sind diszipliniert, aber sie sterben. 18 Uhr. Das Artillerieduell tobt seit einer Stunde. Die preußischen Gruppkanonen dominieren. Die französischen Batterien werden eine nach der anderen zum Schweigen gebracht. Von 50 Geschützen bei Po Du sind noch 30 funktionsfähig. Die Munition wird knapp, aber Point Du fällt nicht. Die Infanterie hält.

 Basen schickt Verstärkungen. Zwei Brigaden aus der Reserve. 6000 frische Truppen. Sie erreichen die Stellung rechtzeitig. Die Linie stabilisiert sich. Steinmetz ist wütend. Stunden vergangen. Tausende Tote. Kein Durchbruch. Seine erste Armee ist festgefahren. Genau das, was Moltke vorher gesagt hatte.

 Aber der alte General gibt die Schuld nicht sich selbst. Ergebt sie den Franzosen, ihrer modernen Waffen, ihrem Terrain. 19 Uhr. Die Sonne sinkt. Das Licht wird schwächer, das Artilleriefeuer lässt nach. Beide Seiten sind erschöpft. Die preußische Infanterie liegt in der Schlucht von Marzel. Zu erschöpft, um vorzurücken, zu stolz, um zurückzuweichen.

Sie graben sich ein für die Nacht. Die Bilanz des Nachmittags ist verheerend. Die preußische erste Armee hat 8000 Mann verloren. 15 Generale und Brigadiers sind tot oder verwundet. Ganze Regimenter existieren praktisch nicht mehr und sie haben keinen einzigen strategischen Punkt erobert. Aber während im Süden das Gemetzel weitergeht, entwickelt sich im Norden etwas noch schlimmeres.

16:30 Uhr. 10 km nördlich von Marze. Die preußische Garde marschiert durch offene Felder. 12000 Mann, die Elite des preußischen Heeres. Jeder Soldat hand verlesen, jeder Offizier aus bestem Hause. Sie haben bei Königkretz gekämpft. Sie sind ungeschlagen. Sie sind unbesiegbar. Generalleutnant Karl von Pape kommandiert die Gardeinfanterie.

61 Jahre alt, Veteran der Befreiungskriege gegen Napoleon. Ein Leben im Dienst der Krone. Heute wird sein letzter Tag sein. Prinz August von Würtemberg führt die Gardekavallerie. Er reitet neben von Pape. Die beiden Generale betrachten das Gelände. Vor ihnen liegt St. Privat. 200 Häuser aus grauem Stein.

 Schornsteine ragen in den Himmel. Rauch steigt auf. Die Franzosen kochen ihr Abendessen. Sie wirken unbesorgt. Von Pape lächelt. Die Franzosen erwarten keinen Angriff von Norden. Moltkes Plan funktioniert. Die Überraschung ist perfekt. Er gibt den Befehl. Die Garde wird Sankt Privat nehmen, dann nach Süden schwenken. Die französische Linie von hinten aufrollen.

Der entscheidende Schlag. Die Garde formiert sich. Drei Divisionen, 34 Bataillone in dichten Kolonnen, Mann neben Mann, Reihe hinter Reihe, die altpreußische Formation. Bewährt seit Friedrich dem Großen. Die Offiziere glauben daran, die Soldaten glauben daran. Niemand zweifelt. 17 Uhr. Die Garde setzt sich in Bewegung.

 3000 m bis privat. Offenes Gelände. Sanft ansteigend. Perfekt überschaubar. Keine Deckung. Aber die Garde braucht keine Deckung. Sie ist die Garde. Die Trommeln schlagen den Marsch. Die Fahnen wehen schwarz-weiß. Die preußischen Farben. Die Pickelhauben glänzen in der Abendsonne. Ein beeindruckender Anblick. Eine Kriegsmaschine in Bewegung.

Unaufhaltsam. In St. Privat beobachtet General Charles Burbaki die herannahenden Kolonnen. Er kommandiert die erste Division des sechsten Chor. 12000 Mann Kampferfahren, gut bewaffnet und seit Stunden in Stellung. Sie haben gegessen. Sie haben sich ausgeruht. Sie sind bereit. Urbaki gibt keine Befehle.

 Seine Männer wissen, was zu tun ist. Hinter jeder Mauer, in jedem Fenster, in jedem Graben, 15 000 Schasspotgewehre warten. Die Hemme sind gespannt, die Magazine voll, die Soldaten ruhig, 800 m. Die Garde marschiert weiter, unerschüttert. Die Offiziere reiten vor den Reihen. Säbel gezogen, Kommandos rufend. Ordnung halten. Formation bewahren.

Weitermarschieren. 700 m. Immer noch keine Reaktion aus Strivat. Von Pape beginnt zu hoffen. Vielleicht ist das Dorf schwach besetzt. Vielleicht können Sie es im Sturm nehmen. Vielleicht wird es einfach. 600 m. Ein einzelner Schuss bricht die Stille. Eine Kugel pfeift über die Köpfe der Gardisten.

 Ein Warnschuss oder ein nervöser Finger. Egal. Das Signal ist gegeben. Dann bricht die Hölle los. 15 000 Gewehre feuern gleichzeitig. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Eine massive Rauchwolke steigt über St. Privat auf, aber davor, vor dieser Wolke, rast eine Wand aus Blei. Die erste Reihe der Garde fällt komplett. 400 Mann gleichzeitig getroffen.

 400 Körper fallen zu Boden. Einige tot, bevor sie den Boden berühren. Andere verwundet, schreiend, blutend, sterbend. Die zweite Reihe stolpert über die Gefallenen. Sie versuchen die Formation zu halten. Unmöglich. Die Männer treten auf ihre toten Kameraden, rutschen in Blutlachen aus, stürzen. Die französischen Gewehre laden nach.

 10 Sekunden. Die zweite Salve trifft. 300 weitere Männer fallen. Major von Krosik kommandiert das zweite Garderegiment zu Fuß. Er sieht seine Kompanie zerschmettert werden in Sekunden. Er brüllt Befehle. Weitergehen, nicht stehen bleiben. Aber die Männer sind paralysiert. Schock, Furcht, Unglaube. Das ist die Garde.

 Das passiert der Garde nicht. Eine Kugel trifft von Krosig in die Brust. Er fällt vom Pferd. Sein Adjutant springt ab, um ihm zu helfen. Eine zweite Kugel durchschlägt den Adjutanten. Beide liegen im Gras. Beide sterben innerhalb von Minuten. General von Pape reitet nach vorn. Er muss die Truppen sammeln. Er muss den Angriff aufrecht erhalten.

 Eine Kugel trifft sein Pferd. Das Tier bricht zusammen. Von Pape steht auf, zieht seinen Säbel, ruft seine Männer. Eine zweite Kugel trifft ihn in die Schulter. Er taumelt, bleibt stehen. Eine dritte Kugel durchschlägt seine Brust. Er fällt. Er wird nie wieder aufstehen. Generalmajor von Budritzki übernimmt. 3 Minuten später ist er tot.

 Oberst von Kessel übernimmt. 5 Minuten später schwer verwundet. Die Befehlskette der Garde bricht zusammen. Hauptleute führen jetzt Bataillone. Leutnans führen Regimenter. Feldwebel führen Kompanien. Die Garde versucht zurückzufeuern. Die Soldaten laden ihre Zündnadelgewehre, zielen auf Strivat, feuern, aber 500 m Entfernung.

 Die Kugeln erreichen kaum die ersten Häuser und die Franzosen sind hinter Mauern, hinter Fenstern, in Deckung. Die preußischen Schüsse bewirken nichts. Die französischen Schassepo laden weiter. Feuern, laden, feuern. Die Kadenz ist mörderisch. 10 Schuss pro Minute pro Soldat, 15 000 Soldaten, 150.000 Schuss pro Minute.

 Eine mathematische Gewissheit des Todes. 17:30 Uhr. Die Garde hat 500 m vor St. Privat gestoppt. Sie kann nicht weiter. Jeder Versuch vorzurücken endet in sofortigem Tod. Die Männer werfen sich zu Boden, suchen Deckung hinter Bodenwellen, hinter toten Pferden, hinter toten Kameraden. Aber das Gelände bietet fast nichts. Oberstgraf zu Dona kommandiert das Kaiser Franz Gard Grenadier Regiment.

3000 Mann am Morgen, 800 noch kampfähig am Nachmittag. Er sieht keinen Ausweg. Vorrücken bedeutet tot. Hier bleiben bedeutet langsames Sterben. Rückzug ist undenkbar. Das ist die Garde. Die Garde weicht nicht. Er befiehlt einen neuen Angriff. Seine Männer erheben sich, stürmen nach vorn. 50 m, 100 m.

 Die französischen Gewehre mähen sie nieder. Von 3000 kehren 400 zurück. Graf zu Dona liegt tot auf dem Feld. Eine Kugel durch den Kopf. 18 Uhr. Die Schlacht vor Sacken privat tobt seit einer Stunde. Die Garde hat 3000 Mann verloren. Weitere 2000 sind verwundet, fast die Hälfte der Angriffstruppen. Und sie haben Sankt Privat nicht einmal erreicht.

 Aber die preußische Führung befiehlt weiterzukämpfen. Prinz Friedrich Karl sendet Verstärkungen. Das zwölfte Armeeor. 16 000 Sachsen unter Kronprinz Albert. Sie sollen von Osten her angreifen, die französische Flanke bedrohen, die Garde entlasten. Die Sachsen marschieren durch die Felder östlich von St. Privat. General Kan Robert sieht sie kommen.

 Er schickt zwei Brigaden, 8000 Mann. Sie nehmen Stellung am Dorfrand. Die Sachsen rücken näher. 700 m, 600 m. Die Franzosen warten. 500 m. Die französischen Gewehre eröffnen das Feuer. Die sächsischen Kolonnen werden getroffen wie von einem Hammer. Die ersten Reihen fallen. Die nachfolgenden stolpern.

 Das Chaos beginnt, aber die Sachsen sind erfahren. Sie schwärmen aus, bilden Schützenlinien, gehen zu Boden, feuern aus liegender Position. Die französische Feuerwirkung nimmt ab. Die Sachsen kriechen näher, Meter für Meter, unter konstantem Feuer. Männer fallen kontinuierlich, aber sie kommen näher. 19 Uhr. Die Sachsen sind 300 m vor Stat.

von Osten. Die Garde liegt 400 m davor. Von Süden. Die französischen Verteidiger sind zwischen zwei Feuern. General Burbaki erkennt die Gefahr, aber er hat keine Reserven mehr. Alle Mann sind im Kampf. Er sendet einen Boten zu Kan Robert. Verstärkung nötig. Dringend. Kan Robert hat keine Truppen mehr. Alle Divisionen sind engagiert.

 Er sendet einen Boten zu Basin. Der Marschall sitzt in seinem Hauptquartier, 5 km entfernt. Er hört den Kanonendonner, aber er versteht nicht die Dringlichkeit. Er sendet keine Verstärkung. 19:30 Uhr. Die preußische Artillerie erreicht endlich das Schlachtfeld. 180 Krupkanonen. Sie fahren in Stellung.

 Nördlich und östlich von St. Privat. Die Geschütze werden ausgerichtet auf das Dorf, auf die französischen Stellungen. Der Befehl kommt. Feuer. 180 Kanonen donnern gleichzeitig. Die Granaten schlagen in St. Privat ein. Häuser explodieren. Mauern stürzen ein. Feuer bricht aus. Das Dorf verwandelt sich in eine Hölle.

 Die französischen Soldaten suchen Schutz. Aber wo? Die Häuser brennen. Die Keller füllen sich mit Rauch. Die Straßen sind unter Beschuss. Überall Explosionen, überall Tod. General Burbaki wird von einem Granatsplitter getroffen, schwer verwundet. Sein Stellvertreter übernimmt. 2 Minuten später ebenfalls verwundet. 20 Uhr.

 Das Bombardement dauert an. St. Privat steht in Flammen. Der Himmel ist rot vom Feuerschein. Die französische Munition wird knapp. Die Soldaten haben 100 Patronen pro Mann gehabt. Jetzt haben viele nur noch zehn oder fünf oder keine. Die Kadenz der französischen Gewehre verlangsamt sich von zehn Schuss pro Minute auf 5.

 Dann drei. Die preußische Infanterie bemerkt es. Die Offiziere brüllen Befehle. Auf, vorwärts, jetzt oder nie. Die Garde erhebt sich. Was von ihr übrig ist, 4000 Mann. Sie stürmen nach vorn, schreien, brüllen, rennen. Die französischen Gewehre feuern, aber nicht mehr so dicht, nicht mehr so tödlich. Männer fallen, aber nicht alle, nicht genug.

300 m, 200 m. Die Garde erreicht die ersten Häuser. Bayonette blitzen. Nahkampf beginnt. Die Preußen stürmen durch brennende Straßen. Die Franzosen kämpfen von Haus zu Haus. Erbittert, verzweifelt. Aber sie werden zurückgedrängt. Von Osten kommen die Sachsen. Sie erreichen das Dorf. 2000 Mann stürmen hinein.

 Die französischen Verteidiger sind in der Zange. Sie kämpfen an zwei Fronten. Es ist zu viel. 21 Uhr. General Krobert gibt den Befehl. Rückzug. Die Soldaten verlassen s privat. Geordnet zuerst, dann schneller, dann panisch. Sie rennen nach Südwesten Richtung Metz. Die Preußen folgen aber langsam.

 Sie sind zu erschöpft für eine Verfolgung, sagt Privatfeld. Nach vier Stunden erbitterten Kampfes der Boden ist mit Leichen bedeckt. Preußische und französische vermischt, ununterscheidbar im Halbdunkel und Rauch. 22 Uhr. Die Schlacht vor Sankt Privat ist vorbei. Die Bilanz ist erschütternd. Die preußische Garde zählt ihre Verluste. 8230 Mann tot oder verwundet.

von 12000 mehr als zwei Drittel. Das erste Garderegiment zu Fuß. 2400 Mann am Morgen, 450 am Abend. Das zweite Garderegiment, 2300 Mann, 380 übrig. Das Kaiser Franzregiment komplett aufgerieben. Nur 200 Mann erreichen die preußischen Linien. Die Offiziersverluste sind katastrophal. 313 Offiziere tot oder verwundet.

 Fast alle Bataillonskommandeure. Fast alle Regimentskommandeure. Die Führungsstruktur der Garde existiert nicht mehr. General von Pape, tot. General von Budritzki tot. General von Kessel, schwer verwundet, stirbt 3 Tage später. 12 Obersten, tot. 18 Majore, tot. Die Liste geht weiter und weiter. Das Schlachtfeld ist unbeschreiblich.

Leichen liegen überall. In Reihen, wo die Salven sie niedergemäht haben, in Haufen, wo die Männer übereinander gestürzt sind. Einzeln, wo sie auf der Flucht getroffen wurden. Die Verwundeten schreien, rufen nach Wasser, nach Hilfe, nach ihrer Mutter. Die Sanitäter sind überwältigt.

 Es sind zu viele, viel zu viele. Die Pferde, hunderte tote Pferde, manche noch in ihren Geschirren, andere frei. Einige leben noch mit weggeschossenen Beinen, mit aufgerissenen Bäuchen. Sie müssen erschossen werden. Die Pistolenschüsse hallen über das Feld. Sagt privat, brennt die ganze Nacht. Die Flammen beleuchten das Grauen.

 Soldaten irren umher. Suchen ihre Einheiten, suchen ihre Freunde, finden nur Tote. Ein Leutnant findet seinen Bruder, einen Hauptmann. Tot, eine Kugel durch die Stirn. Er setzt sich neben die Leiche, weint stundenlang, aber trotz allem, trotz des entsetzlichen Preises. Sein Privat ist gefallen. Die französische Linie ist durchbrochen.

Der Weg nach Metz ist bedroht. Basens Armee ist in tödlicher Gefahr. 22 Uhr. Dunkelheit liegt über dem Schlachtfeld. Nur die brennenden Häuser von St. Privat geben Licht. General von Moltke steht bei seinem Stab, 5 km hinter der Front. Die Meldungen treffen ein. St Privat gefallen. Aman Willers bedroht. Die französische Linie wankt, aber Moltke lächelt nicht. Er kennt die Verluste.

20.000 Mann an einem Tag. Der höchste Preis, den Preußen je in einer Schlacht gezahlt hat. Höher als König Gretz, höher als jede Schlacht gegen Napoleon. Ein pyrischer Sieg. König Wilhelm tritt zu ihm. Der alte Monarch ist blass. Er hat die Verlustlisten gesehen. Die Garde, seine Garde, fast vernichtet. Er fragt leise, ob es das wert war.

 Moltke antwortet nicht sofort, dann nickt er. Ja, es war notwendig. Baseine ist geschlagen, der Krieg ist entschieden. In der französischen Linie herrscht Chaos. General Kan Robert versucht eine neue Verteidigungslinie aufzubauen. Südlich von St. Privat zwischen dem gefallenen Dorf und Metz. Aber seine Truppen sind erschöpft.

 4 Stunden Dauergefecht, Munition fast aufgebraucht. Die Männer am Rande der Erschöpfung. Marshall Basein erhält um 23 Uhr die vollständigen Berichte. St Privat verloren, rechterflügel zusammengebrochen. Preußen drohen die Straße nach Metz abzuschneiden. Seine Armee steht vor der Vernichtung.

 Er ruft seine Chorkommande zusammen. Mitternacht im Hauptquartier in Plappewill. Fünf Marschelle und Generäle um einen Tisch. Alle erschöpft, alle besorgt. Basen stellt die Frage: Können Sie halten? Können Sie morgen weiterkämpfen? Marshall Leb schüttelt den Kopf. Das dritte Chor hat 6000 Mann verloren. Die Munition reicht für höchstens 2 Stunden Gefecht.

 Die Artillerie hat ein Drittel ihrer Geschütze verloren. Ein weiterer Tag wie dieser würde das Chor vernichten. General Ladmirol berichtet ähnliches. Das vierte K ist intakt. Aber isoliert. Wenn Kan Robert weiter zurückweicht, ist Ladmiroot von der Hauptarmee abgeschnitten. Er muss ebenfalls zurückgehen. Kan Robert ist Direkter.

 Sein sechstes Chor ist am Ende. 12000 Verluste, fast ein Drittel der Stärke. Die überlebenden Truppen sind demoralisiert. Sie haben gesehen, wie Sankt Privat fiel, trotz ihrer tapferen Verteidigung. Sie glauben nicht mehr an einen Sieg. Baseneine trifft die Entscheidung. Rückzug in der Nacht. Zurück nach Metz in die Festung. Dort neu organisieren.

Auf Entsatz warten. Die Marschelle nicken. Niemand widerspricht. Es gibt keine Alternative. 1 Uhr morgens 19. August. Die französische Armee beginnt den Rückzug. 112 000 Mann setzen sich in Bewegung. Leise, diszipliniert. Die Verwundeten werden auf Wagen geladen. Die Artillerie zieht ab. Die Infanterie folgt.

 Die preußischen Vorposten hören die Bewegung. Melden nach hinten. Aber niemand befiehlt eine Verfolgung. Die preußischen Truppen sind zu erschöpft. Sie lassen die Franzosen ziehen. 6 Uhr morgens. Die Sonne steigt über Gravelotte. Die preußischen Soldaten erheben sich aus ihren provisorischen Lagern. Vor ihnen liegt das Schlachtfeld leer.

 Die Franzosen sind weg. Die Höhen sind verlassen. Po DJ Mosku. Amon Villers zeigt privat. Alles preußisch. Aber der Preis, der entsetzliche Preis überall Leichen, soweit das Auge reicht. 20.000 Körper bedecken 10 Quadrkm Ackerland. Die größte Konzentration von Toten, die Europa seit Waterlow gesehen hat.

 Die preußischen Sanitäter beginnen ihre grausame Arbeit. Verwundete bergen, Tote identifizieren, Listen erstellen. Die Zahlen sind erschreckend. Erste Armee unter Steinmetz. 8300 Verluste, das siebte Chor, 4500 Mann, das Chor, 3800 Mann. Fast jedes Regiment hat die Hälfte seiner Stärke verloren, manche mehr. Zweite Armee unter Friedrich Karl, 11860 Verluste.

 Die Garde trägt den Hauptanteil 8230 Mann. 67% ihrer Angriffsstärke, die höchste prozentuale Verlustrate einer preußischen Großeinheit in diesem Krieg. Das zwölfte Chor, die Sachsen, 2400 Verluste, 15% relativ leicht. Sie kamen spät in die Schlacht. Sie kämpften klug. Sie schwärmten aus, statt in dichten Kolonnen zu marschieren.

 Gesamtverluste 2063g Mann, davon 4800 Tod auf dem Feld 8000 schwer verwundet. Viele werden in den kommenden Tagen sterben an ihren Wunden, an Infektionen, an Wundbrand. Die französischen Verluste sind niedriger. 12273 Mann, davon 2900 tot, 9300 verwundet. Der Rest vermisst oder gefangen. Eine ungewöhnliche Statistik. Der Angreifer hat mehr verloren als der Verteidiger, fast doppelt so viel.

 Das ist selten in der Kriegsgeschichte. Es zeigt die Überlegenheit der französischen Waffen, das Schaspohr, die Mitraiösen, die starken Stellungen, aber es zeigt auch die preußischen Fehler. Steinmetz, ungehorsamer Frontalangriff, die dichten Kolonnen der Garde, die mangelnde Koordination, die Unterschätzung des Gegners, 15 preußische Generale und Generalmajore, tot oder verwundet, eine katastrophale Führungsrate von Pape, von Budritzki, von Kessel, von Schkop, von Krosig.

 Die Liste ist lang, zu lang. 148 Bataillons und Regimentskommande, Obersten und Oberstleutnanz, tot oder verwundet. Fast jedes Regiment muss neu organisiert werden. Neue Kommandeure ernen, neue Stäbe bilden. Die materielle Bilanz. 23 Geschütze verloren. Preußische und französische zusammen.

 480 Munitionswagen zerstört, 2000 Pferde tot. Die Gruppkanonen haben 10.000 Granaten verschossen. Die französische Artillerie 8000, die Infanterie über 2 Millionen Patronen verfeuert, die preußischen Zündnadelgewehre, die französischen Schasspots, die Mitraliösen allein haben über 100.000 Schuss abgegeben in 4 Stunden. 19. August, Mittag.

 Die französische Armee ist vollständig in Metz. Die Festung ist stark. Dicke Mauern, moderne Bastionen, ausreichend Artillerie, aber sie ist nicht für 175 000 Mann ausgelegt. Die Versorgungslage ist kritisch. Die Magazinen enthalten Nahrung für 40 Tage, vielleicht 50, wenn rationiert wird. Danach Hunger, Kapitulation, Vernichtung.

 Basen sendet Kuriere nach Paris durch die preußischen Linien. Nachts heimlich. Die Botschaft ist klar. Entsatz nötig. Dringend. Ohne Hilfe ist die Armee verloren. In Paris herrscht Panik. Kaiser Napoleon ist bereits bei der Armee bei Marshall McMyan in Chalon. Die Kaiserin Eugenie führt die Regierung. Sie erhält Basens Hilferuf.

 Sie drängt McMahan zu handeln. Aber McMyan hat nur 140.000 Mann. Viele davon Rekruten ohne Kampferfahrung. Die preußische Dritte Armee unter Kronprinz Friedrich Wilhelm marschiert bereits auf Paris zu. 200.000 Mann. Wenn McMahan nach Metz marschiert, liegt Paris offen. Die strategische Lage Frankreichs ist hoffnungslos.

 Die beste Armee eingekesselt in Metz. Die Hauptstadt bedroht. Keine Reserven, keine Zeit neue Armeen aufzustellen. Die preußischen Chor schließen den Ring um Metz. 14 Divisionen, 150.000 Mann. Sie bauen Befestigungen, graben Schützengräben, positionieren Artillerie. Der Belagerungsring ist komplett.

 Basen versucht zweimal auszubrechen. 31. August, Schlacht bei Noille. Ein verzweifelter Angriff nach Osten. Anfängliche Erfolge. Dann preußische Gegenstöße. Nach 12 Stunden Kampf zieht Basen zurück. 3000 weitere Verluste umsonst. 7. Oktober. Zweiter Versuch. Schlacht bei Belvu. Wieder ein Ausbruchsversuch. Wieder anfänglicher Erfolg.

 Wieder preußische Verstärkungen. Wieder Rückzug. 2000 weitere Tote. Die Moral der eingeschlossenen Armee bricht zusammen. Die Rationen werden gekürzt, erst auf halbe Portion, dann auf ein Drittel. Die Pferde werden geschlachtet für Fleisch, dann die Maultiere, dann die Hunde. 27. Oktober. Nach 70 Tagen Belagerung kapituliert Badsähne.

 Er hat keine Wahl. Die Nahrung ist aufgebraucht. Die Soldaten verhungern. Krankheiten grassieren. Tyfus, Ruhe, Cholera. Die Kapitulationsbedingungen sind hart. Die gesamte Armee wird Kriegsgefangen. 173 000 Mann legen die Waffen nieder. 6000 Offiziere, 1500 Geschütze, 300.000 Gewehre.

 Die größte Kapitulation in der europäischen Geschichte bis zu diesem Zeitpunkt. Die preußischen Soldaten können es kaum glauben. Eine ganze französische Armee, vernichtet ohne finale Schlacht, ausgehungert, zur Aufgabe gezwungen. Der Sieg von Gravelotte trägt späte, aber entscheidende Früchte. Für Frankreich ist es eine Katastrophe. Die Reheinarmee existiert nicht mehr.

Paris steht allein gegen die deutschen Armeen. Der Krieg ist faktisch verloren. Die Frage ist nicht mehr, ob, sondern wann Frankreich kapitulieren wird. 18. August 1870. An diesem Tag wurde das Schicksal Frankreichs besiegelt. nicht durch die Schlacht selbst, sondern durch ihre Konsequenzen. Basen eingeschlossen in Metz, die beste französische Armee neutralisiert.

Der Weg nach Paris geöffnet. 2. September. Keine drei Wochen nach Gravelotte. Die Schlacht bei Sedan. Marshall McMahon versucht Basin zu entsetzen. Er marschiert nach Osten. Die preußische dritte Armee folgt ihm. Weiß dann stellt sie ihn 140 000 Franzosen gegen 240 000 Deutsche. Das Ergebnis ist vernichtend. McMayen schwer verwundet.

Seine Armee eingekesselt. Kaiser Napoleon II. persönlich anwesend. Am Ende des Tages kapituliert er: Der französische Kaiser ergibt sich dem preußischen König. 104000 weitere Kriegsgefangene. Frankreich hat jetzt zwei Armeen verloren. Metz und Sedan. Zusammen über 300.000 Mann. Die regulären Streitkräfte existieren praktisch nicht mehr.

 Paris steht schutzlos. 4. September. In Paris stürzt das zweite Kaiserreich. Die Republik wird ausgerufen, eine Regierung der nationalen Verteidigung übernimmt. Leon Gambetta, Jul Favre, neue Männer, neue Hoffnungen, aber keine Armee. 19. September. Die preußischen Truppen erreichen Paris. Der Belagerungsring schließt sich.

 2 Millionen Menschen eingeschlossen. Die Stadt wird ausgehungert. wie Metz, wie Basen. Die Methode funktioniert. Die Franzosen kämpfen weiter. Sie stellen neue Armeen auf. Aus Nationalgardisten, aus Freiwilligen, aus jedem werrfähigen Mann. Die Loirarmee, die Nordarmee, die Ostarmee. Insgesamt 600.

000 Mann, aber schlecht ausgebildet, schlecht geführt, schlecht bewaffnet. Die preußischen Veteranen schlagen sie alle. Eine nach der anderen. Oréan, Lemon, Belf. Überall Siege, überall französische Niederlagen. Der Krieg wird zur Qual. Zum langsamen Ausbluten Frankreichs. 28. Januar 1871. Paris kapituliert: Nach 133 Tagen Belagerung.

 Die Bevölkerung hat Ratten gegessen, Katzen, die Tiere aus dem Zoo. Hunger und Kälte haben00 Zivilisten getötet. Mehr als alle Schlachten zusammen. Der Waffenstillstand wird unterzeichnet. Frankreich hat verloren, vollständig, bedingungslos. Die Friedensverhandlungen beginnen in Versaill, im Spiegelsaal des Schlosses, dort, wo französische Könige ihre Größe zelebrierten.

  1. Januar, 10 Tage vor der Kapitulation, imselben Spiegelsaal. König Wilhelm. wird zum deutschen Kaiser proklamiert: “Das deutsche Reich ist geboren, bismarks Traum erfüllt, die deutschen Staaten vereint, unter preußischer Führung, unter der hohen Zollnkrone. Der Frieden ist hart. Frankreich muss Elzas und Lotringen abtreten.

 Zwei reiche Provinzen mit Eisenerz, mit Industrie, mit anderthalb Millionen Menschen. Frankreich muss 5 Milliarden Franz Kriegschädigung zahlen, eine astronomische Summe. Deutsche Truppen werden französisches Gebiet besetzt halten bis zur vollständigen Zahlung. Die Demütigung brennt sich in die französische Seele, die Niederlage, der Gebietsverlust, die Besatzung.

 Revanche wird zum Schlachtruf. Rache für Sedan, Rache für Metz, Rache für Gravelotte. Die Saat für zukünftige Konflikte ist gelegt. Gravelotte veränderte die Kriegsführung, aber die Lektionen wurden nur teilweise gelernt. Die Überlegenheit der Verteidigung war bewiesen. Ein entschlossener Verteidiger mit modernen Gewehren konnte Angreifer in dichten Formationen abschlachten.

 Das Schapgewehr hatte seine tödliche Wirksamkeit demonstriert. 1200 m Reichweite, 10 Schuss pro Minute, eine Revolution der Infanteriebewaffnung. Die preußischen Generäle erkannten das Problem. Nach dem Krieg reformierten sie ihre Taktik. Dichte Kolonnen wurden abgeschafft. Schützenlinien eingeführt. Soldaten sollten ausgeschwärmt angreifen.

 Mit Abstand zwischen den Männern. In Deckung vorrückend. Feuer und Bewegung kombinierend. Aber die wichtigste Lektion wurde ignoriert, die Überlegenheit der Verteidigung über den Angriff. Die preußischen Theoretiker glaubten weiter an die Offensive, an den entscheidenden Angriff, an den Durchbruch durch Willenskraft und Disziplin. Diese Illusion würde 44 Jahre später Millionen das Leben kosten.

 Die Artillerie hatte in Gravelotte triumphiert. Die Kruppkanonen hatten die französischen Stellungen zerschmettert. Ihre Reichweite, ihre Präzision, ihre Feuergeschwindigkeit. Alle Armeeneuropas zogen die Konsequenz. Gezogene Stahlgeschütze wurden Standard. Hinterlader ersetzten Vorderlader. Die Artillerie wurde zur Königin des Schlachtfeldes.

 Die Mitrailieusen hatten enttäuscht. Nicht, weil sie ineffektiv waren, sondern weil sie falsch eingesetzt wurden. Die Franzosen behandelten sie wie Artillerie, positionierten sie auf Hügeln, weit hinter der Infanterie. Ihre wahre Stärke lag woanders. bei der Infanterie, zur direkten Unterstützung, zur Verteidigung von Schlüsselpunkten.

Die Deutschen lernten diese Lektion. Nach dem Krieg entwickelten sie das Maschinengewehr weiter, leichter, mobiler. Jedes Regiment erhielt eine Maschinengewehrkompanie, bei der Infanterie integriert, nicht separat eingesetzt. Diese Organisation bewährte sich im nächsten Krieg. Die Bedeutung der Logistik war offensichtlich geworden.

Die preußische Mobilisierung hatte perfekt funktioniert, dank Eisenbahnen, dank Planung, dank Moltkes Generalstab. Die Franzosen hatten im Chaos versagt. Ihre Armee war nie vollständig mobilisiert worden, nie richtig versorgt. Das hatte den Krieg entschieden. Noch vor der ersten Schlacht.

 Alle europäischen Generalstäbe studierten das preußische System. Eisenbahnpläne wurden erstellt, Mobilisierungsfahrpläne ausgearbeitet, Generalstäbe professionalisiert. Der nächste große Krieg würde ein Wettrennen der Mobilisierung werden. Wer zuerst seine Armee an die Grenze brachte, hätte einen entscheidenden Vorteil.

 Aber die dunkelste Lektion blieb unbeachtet. Die Kosten moderner Schlachten. 20.000 Tote und Verwundete an einem Tag bei Gravelotte, 46 000 bei Sedan, 100.000 während der ganzen Kampagne und das war nur der Anfang. 44 Jahre später, der erste Weltkrieg. Die Lektionen von Gravelotte vergessen. Dichte Infanterieangriffe gegen Maschinengewehre, Frontalangriffe auf befestigte Stellungen, Millionen Sen, wie die Garde bei Sankt Privat, aber im industriellen Maßstab. Tag für Tag, Jahr für Jahr.

Heute liegt Gravelotte in Frankreich in der Region Grand Est. Ein kleines Dorf, 2000 Einwohner, friedlich, ruhig, aber die Vergangenheit ist überall präsent. Das Schlachtfeld ist erhalten als historisches Monument. Wanderwege führen über die alten Kampflinien, von Point du Jour nach Saint Privat. Durch die Schlucht von Mans über die Felder, wo die Garde fiel.

Informationstafeln erklären die Schlacht, zeigen Positionen, beschreiben Ereignisse. Die Denkmähler sind zahlreich. Bei Gravelotte steht ein massiver deutscher Gedenkstein, errichtet 1873 mit den Namen der gefallenen Regimenter. Bei Stat ein französisches Monument für die Verteidiger.

 Die Tapfer kämpften und verloren. Der größte Friedhof liegt bei Stat. Über 4000 Gräber, Deutsche und Franzosen getrennt nach Nationalität, wie im Leben, so im Tod. Jedes Jahr am 18. August finden Gedenkveranstaltungen statt, deutsche und französische Veteranenverbände, lokale Behörden, Historiker. Das Museum in Gravelotte wurde 1965 eröffnet, 100 Jahre nach der Schlacht.

Es zeigt Waffen, Uniformen, Dokumente, Gemälde der Schlacht, Briefe von Soldaten, die menschliche Seite des Krieges, das Leiden, die Angst, den Mut. In Deutschland wurde Gravelotte zum Mythos, die Opferbereitschaft der Garde, der heroische Kampf gegenübermacht, der finale Sieg. Straßen wurden nach der Schlacht benannt, Denkmähler in jeder größeren Stadt errichtet.

 Die Veteranen wurden gefeiert als Helden, als Gründer des Reiches. In Frankreich wurde Gravelotte zur Wunde, Symbol der Niederlage, der Demütigung, des verlorenen Krieges, aber auch Symbol des Widerstands. Kann Roberts tapfere Verteidigung, die Schasse Po schützen, die die Garde niederstreckten, der hohe Preis, den die Deutschen zahlen mussten.

 Nach dem ersten Weltkrieg änderte sich die Perspektive. Deutsche und Franzosen hatten gemeinsam gelitten in den Schützengräben bei Werdun an der Somme. Die alten Feindschaften verblassten langsam. Die Denkmähler wurden zu Mahnmalen gegen den Krieg für den Frieden. Heute besuchen Schulklassen das Schlachtfeld, deutsche und französische gemeinsam.

 Sie lernen die Geschichte, aber auch die Versöhnung, wie ehemalige Feinde zu Partnern wurden, wie aus Hass Freundschaft wuchs. Gravelotte war ein Wendepunkt, nicht nur militärisch, sondern politisch. Der Sieg ebnete den Weg zum Deutschen Reich, zur deutschen Einheit, zur Machtverschiebung in Europa. Deutschland wurde zur dominierenden Kontinentalmacht.

Frankreich verlor diese Rolle. für immer. Aber der Sieg hatte seinen Preis. 20.000 Mann an einem Tag. Die Garde fast vernichtet, ganze Regimenter ausgelöscht. Dieser Blutzoll prägte eine Generation. Die Männer, die Gravelotte überlebten, trugen die Erinnerung ihr Leben lang. Die Schreie, das Blut, die Toten.

 Die Schlacht zeigte die Zukunft des Krieges industrial. Mechanisch, tödlich. Die alten romantischen Vorstellungen starben bei St. Privat zusammen mit der Garde. Der moderne Krieg war geboren. Massenheere, Massenvernichtungswaffen, Massengräber. Die Entscheidungen an jenem Tag bleiben umstritten.

 Steinmetz, ungehorsamer Angriff. War er notwendig oder verschwendete er nur Leben? Die Garde bei St. Privat. Musste sie in dichten Kolonnen angreifen oder hätten Schützenlinien funktioniert? Bas Passivität. Hätte ein Gegenangriff die Preußen geschlagen? Diese Fragen werden nie abschließend beantwortet. Die Geschichte kennt keine Alternativen, nur Fakten. Gravelotte wurde geschlagen.

20.000 Preußen starben oder wurden verwundet. Frankreich verlor den Krieg. Deutschland wurde geeint, Europa wurde verändert. Der 18. August 1870 bleibt ein Tag der Gegensätze. Triumph und Tragödie, Sieg und Opfer, Ruhm und Horror. Ein Tag, an dem das preußische Kommando 20.000 eigene Soldaten opferte, um den Weg zum endgültigen Sieg über Frankreich zu ebnen.

 Die Schlacht bei Gravelotte steht als Zeugnis für den Preis des Krieges, für den Mut der Soldaten, für die Fehler der Generäle, für die Vergänglichkeit der Macht und für die Hoffnung, dass aus den Schlachtfeldern der Vergangenheit die Friedenspartnerschaften der Zukunft wachsen können. M.