3 Uhr morgens, 3. November 1760. In einem zugigen Offiziersquartier nahe Torgau starrt Friedrich II. auf eine Karte, die sein Todesurteil sein könnte. Seine Finger, von Gicht verkrümmt, zittern leicht, als er auf die Subtitzer Höhen deutet. 53 000 österreichische Soldaten, 400 Kanonen, eine perfekte Verteidigungsposition.
Der König ist 48 Jahre alt, sieht aber aus wie 70. 5 Jahre ununterbrochener Krieg haben sein Gesicht in eine Landkarte aus Falten verwandelt. Seine Generäle stehen stumm um den Tisch. Sie wissen, was kommt. Friedrich hebt den Kopf. Seine Augen brennen mit einer Mischung aus Wut und Verzweiflung. Diese Krieg enttäuscht mich”, sagt er mit tonloser Stimme.
“Eine Pause, dann Herter! Wir werden morgen damit fertig.” Niemand antwortet. Was soll man auch sagen? Die preußische Armee hat in den letzten Monaten Katastrophe um Katastrophe erlebt. Berlin wurde im Oktober von Russen und Österreichern besetzt und geplündert. Die Hauptstadt, seine Hauptstadt. Die Ressourcen schwinden, die Männer sind erschöpft, die Verbündeten haben sich zurückgezogen.
Aber Friedrich hat keine Wahl. Sachsen muss gehalten werden. Ohne Sachsen keine Versorgung. Ohne Sachsen kein Winterquartier. Ohne Sachsen kein Preußen. Feldmarschall Leopoldgraf wartet oben auf den Höhen. Der einzige General, der Friedrich je geschlagen hat. Der Mann, der 1757 bei Colin die Legende von Friedrichs Unbesiegbarkeit zerstört hat.
Down ist ein Meister der Defensive. Er gräbt sich ein, positioniert seine Artillerie mit chirurgischer Präzision und wartet darauf, dass der Feind sich an seinen Stellungen blutig läuft. Und genau das wird Friedrich morgen tun müssen. Was am 3. November 1760 bei Torgau geschah, war kein glorreiches Heldengedicht. Es war ein Gemetzel, ein Massaker, die blutigste Schlacht des siebenjährigen Krieges.
In weniger als einer Stunde werden österreichische Kanonen 5000 preußische Gardegrenadiere in Stücke reißen. Friedrich wird glauben, alles sei verloren. Sein eigener Körper wird von einer Kathetschkugel getroffen. Zwei Pferde werden unter ihm sterben. Aber in der totalen Finsternis der Nacht wird etwas Unerwartetes geschehen. General Hans Joachim von Ziten, der legendäre Husar, wird einen verzweifelten Angriff starten, der die gesamte Schlacht umkehrt.
Dies ist die Geschichte von Torgau. 32 000 Tote und Verwundete. Ein Pyrussieg, der bewies, dass Preußen lieber untergeht, als sich zu ergeben. Wenn Sie Geschichten über die dunkelsten Momente der Geschichte mögen, über Entscheidungen zwischen Vernichtung und Überleben, dann abonnieren Sie jetzt diesen Kanal und aktivieren Sie die Glocke.
Denn was Sie gleich erfahren werden, findet man in keinem Schulbuch. 1760, das sechste Jahr des siebenjährigen Krieges. Preußen steht am Abgrund, um zu verstehen, warum Friedrich II. bereit war, alles auf eine einzige Schlacht zu setzen, muss man zurückgehen. Zurück zu 1756, als dieser König ein Wagnis einging, das ihn entweder vernichten oder unsterblich machen würde.
Friedrich überfiel Sachsen ohne Kriegserklärung, nicht aus Böswillig, sondern aus kalter Berechnung. Österreich, Frankreich und Russland hatten sich gegen ihn verschworen. Der Krieg kam sowieso, also schlug er zuerst. Was folgte, war ein Albtraum, der nicht enden wollte. Österreich wollte Schlesien zurück, das preußische Juwel, das Friedrich im vorherigen Krieg erobert hatte.
Frankreich wollte Rache für diplomatische Demütigungen. Russland wollte Ostpreußen. Schweden mischte auch mit. Selbst das Heilige römische Reich erklärte Preußen den Krieg. Eine Koalition von fast ganz Europa gegen einen einzigen Staat. Die Zahlen waren vernichtend. Preußen hatte vielleicht 150.
000 Soldaten mobilisieren können. Die Koalition über 500.000. Preußen war ein mittelgroßes Königreich mit begrenzten Ressourcen. Seine Feinde kontrollierten die reichsten Länder Europas und trotzdem kämpfte Friedrich weiter. 1757 brachte Siege und Katastrophen. Bei Prag schlug Friedrich die Österreicher vernichtend. Dann kam Colin.

Dort traf er auf Leopoldgraf down. Und die Welt erfuhr, dass der Preußenkönig doch nicht unbesiegbar war. 18 000 preußische Verluste, ein Rückzug, der fast zur Panik wurde, aber Friedrich sammelte sich. Bei Rossbach vernichtete er eine französisch-deutsche Armee, die doppelt so groß war wie seine eigene. Bei Leuten im Dezember 1757 errang er seinen größten Triumph.
66 000 Österreicher gegen 33 000 Preußen. Friedrich gewann durch einen genialen Flankenangriff. Es war seine Meisterleistung. Die Welt nannte ihn jetzt Friedrich den Großen. Aber Ruhm füttert keine Armeen. Ruhm heilt keine Wunden. Ruhm ersetzt keine toten Soldaten. 1758 brachte neue Schrecken. Die Russen marschierten ein und besiegten einen preußischen Chor bei Zorndorf.
Friedrich kämpfte sie zu einem blutigen Unentschieden, aber die Verluste waren entsetzlich. 34 000 Tote auf beiden Seiten in einem einzigen Tag. 1759 kam der Tiefpunkt. Bei Kunasdorf traf Friedrich auf eine kombinierte russisch-österreichische Armee. Er griff mit 48 000 Mann an. Die Schlacht wurde zum Massaker.
19 000 preußische Verluste, fast die Hälfte seiner Armee. Friedrich selbst hatte drei Pferde unter sich erschossen. Er schrieb an seinen Minister, er werde die Katastrophe nicht überleben. Aber er überlebte, weil seine Feinde sich nicht auf einen gemeinsamen Plan einigen konnten. Die Russen zogen sich zurück. Die Österreicher zögerten.
Preußen bekam eine Atempause. Doch jedes Jahr frß den preußischen Staat weiter auf. Die Armee musste ständig mit frischen Rekruten aufgefüllt werden. Oft zwangsreutierte, oft Ausländer, oft Kriegsgefangene, die die Seiten wechselten. Die alten Kader, die Veteranen von Leuten und Rossbach waren größtenteils tot.
Die Offiziere wurden jünger und unerfahrener. Die Finanzen waren erschöpft. Friedrich musste die Münzen mit minderwertigem Metall strecken, um überhaupt noch zahlen zu können. Und dann kam 1760, das Jahr, in dem alles zusammenbrach. Im August gelang Friedrich zwar ein taktischer Sieg bei Lignitz gegen Laudon, einen von Downs besten Generälen.
Aber es war nur ein Aufschub, dann kam der Oktober. Feldzeugmeister Franz Moritz Graf von Lacy vereinigte seine 15 000 Österreicher mit General Todlebensrussischen Truppen. 35 000 Mann marschierten auf Berlin. Die preußische Garnison in Berlin zählte nur 13 000 Mann. Sie verschanzten sich in der Festung Spandau. Am 9. Oktober nahmen Lacy und Tod leben die Hauptstadt ein.
3000 Preußen wurden gefangen genommen. Die Stadt wurde geplündert. Nicht brutal, aber systematisch. Die Alliierten forderten eine Kontribution von 200.000 Talern. Gebäude wurden geplündert. Das königliche Schloss Charlottenburg wurde durchsucht. Friedrich war in Schlesien 200 km entfernt.
Er konnte nichts tun, als zuzusehen, wie seine Hauptstadt gedemütigt wurde. Als die Nachricht ihn erreichte, brach etwas in ihm. Die Briefe aus dieser Zeit zeigen einen Mann am Rande der Verzweiflung. Er schrieb von diesem verfluchten Krieg, von seiner Erschöpfung. davon, dass er nur noch weitermache aus Pflicht, nicht aus Hoffnung.
Aber dann geschah etwas Unerwartetes. Die Russen und Österreicher konnten sich nicht einigen, wer Berlin halten sollte. Nach zwei Wochen zogen sie sich zurück. Berlin war frei, aber gebrochen. Friedrich begriff, er musste die Initiative zurückgewinnen und dafür brauchte er Sachsen. Sachsen war das Herzstück seiner Strategie. Von dort konnte er Böhmen bedrohen, Schlesien sichern, seine Truppen versorgen.
Ohne Sachsen war Preußen strategisch tot. Ende Oktober erhielt Friedrich Berichte, dass Daun aus Schlesien nach Westen marschiert war. Der österreichische Feldmarschall hatte sich mit Lacore vereinigt. Zusammenstellten sie eine gewaltige Streitmacht dar und sie hatten sich auf den Sübtitzer Höhen bei Torgau eingegraben. Torgau, eine kleine sächsische Stadt an der Elbe, strategisch entscheidend, weil sie die Brücken über den Fluss kontrollierte.
Wer Torgau hielt, kontrollierte die Verbindungen zwischen Sachsen und Brandenburg. Down wusste das. Deshalb wählte er diese Position. Die Sübtizitzer Höhen waren ein natürliches Bollwerk. Im Süden geschützt durch den Rohrgraben, einen Entwässerungsgraben. Im Osten durch den großen Teich, einen riesigen See.
Im Westen durch die Wälder der Domitzcher Heide. Und Daun hatte Monate Zeit gehabt, die Stellungen zu befestigen. Verhaue aus gefällten Bäumen, Erdwerke, Reduten und überall Kanonen. Friedrich hatte etwa 48 000 Mann zur Verfügung. Down und Lacy zusammen hatten etwa 53 000. Fast gleichwertig, könnte man denken. Aber in der Defensive waren die Österreicher mindestens doppelt so stark.
Jeder Militärtoretiker hätte Friedrich geraten, nicht anzugreifen. Friedrich griff trotzdem an, weil er keine Wahl hatte, weil Rückzug das Ende Preußens bedeutet hätte, weil er wusste, dass seine Feinde auf seinen Zusammenbruch warteten. Am 2. November hielt er Kriegsrat. Seine generäle schwiegen betreten, als sie die Karten studierten.
Dann sprach Friedrich die Worte, die diese Geschichte eröffneten. Wir werden morgen damit fertig. Es war kein Versprechen. Es war eine Drohung an den Feind und vielleicht auch an sich selbst. Die Sübtitzer Höhen waren ein Meisterwerk der Verteidigung. Feldmarschall Leopold Graf Down hatte seine gesamte Karriere damit verbracht, die Kunst der Defensive zu perfektionieren.
Bei Colin hatte er Friedrich geschlagen, indem er ihn gegen vorbereitete Stellungen anrennen ließ. Bei Hochkirch hatte er die Preußen im Morgengrauen überrascht und fast vernichtet. Down war kein aggressiver Angreifer wie Friedrich. Er war etwas viel gefährlicheres, ein geduldiger, methodischer Killer, der seine Feinde ausbluten ließ.
Und jetzt hatte er die perfekte Position gefunden. Die Sübtizitzer Höhen erstreckten sich etwa 3 km von Ost nach West. Ein langgezogener Höhenrücken, der die flache sächsische Landschaft dominierte. Von diesen Höhen aus konnte man alles sehen. Jede Truppenbewegung, jeden Anmarsch, jede Kolonne. Ein Angreifer hatte nirgendwo Deckung.
Im Osten, direkt angrenzend an die Stadt Torgau, lag der große Teich. Ein massiver See, der jeden Flankenangriff von dieser Seite unmöglich machte. Wer hier angreifen wollte, musste durch einen schmalen Korridor zwischen See und Stadt marschieren unter ständigem Beschuss von den Höhen. Selbstmord. Im Süden, der offensichtlichsten Angriffsroute, verlief der Rohrgraben.
Ein Entwässerungsgraben, der sich durch sumpfiges Gelände schlängelte. Nicht breit genug, um eine echte Barriere zu sein, aber breit genug, um angreifende Truppen zu verlangsamen und ihre Formation zu stören. Genau in dem Moment, in dem sie am verwundbarsten waren, würden sie unter konzentriertem Artilleriefeuer stehen.
Down hatte entlang der Südflanke seine stärksten Befestigungen angelegt. Erdwelle, hinter denen Infanterie in drei Reihen stand. Reduten, kleine Festungen aus Erde und Holz. in denen Kanonen platziert waren. Verhaue aus gefällten Bäumen, deren angespitzte Äste wie Lanzen nach außen zeigten.

Eine Armee, die hier angriff, würde in einem Hagel aus Kanonenkugeln, Kartetschen und Musketenfeuer sterben. Im Westen lag die Domitscher Heide, ein dichter Wald. Down hatte hier ebenfalls Verhaue anlegen lassen, um jeden Überraschungsangriff zu verhindern. Außerdem hatte er leichte Truppen, kroatische Grenzer und Husaren, in den Wald geschickt, um zu patroulieren und vor jedem Flankenmanöver zu warnen.
Und dann war da die Artillerie. Down verfügte über etwa 275 Kanonen, nicht 400, wie manche späteren Berichte behaupteten, aber immer noch eine gewaltige Feuerkraft. Diese Geschütze waren strategisch auf den Höhen positioniert worden, um jede mögliche Annäherungsroute zu beherrschen. Sechs Pfünder, Zwölf Pfünder, schwere Haubitzen.
Unter dem Kommando von Generalmajor Ignat Walter von Waldenau bildeten sie eine koordinierte Tötungsmaschine. Die österreichische Armee selbst war in zwei Hauptteile gegliedert. Downs Hauptarmee, etwa 43 000 Mann, hielt die westlichen zwei Drittel der Position. Feldzeugmeister Franz Moritz Graf von Lacy mit seinem Chor von etwa 10 000 Mann deckte den östlichen Sektor nahe Torgau und dem großen Teich.
Zusammen bildeten sie eine nahezu uneinnehmbare Front. Die österreichischen Soldaten waren gut versorgt, ausgeruht und motiviert. Sie hatten Torgau als Rückzugsbasis direkt hinter sich. Die Brücken über die Elbe waren offen. Wenn das Schlimmste passierte, konnten sie sich in Ordnung zurückziehen, aber niemand erwartete das Schlimmste.
Sie hatten die bessere Position, sie hatten die größere Armee, sie hatten den besseren General. Friedrich stand vor einem unlösbaren Problem. Ein Frontalangriff von Süden war Wahnsinn. Das wäre ein zweites Kuners Dorf, wo er 19 000 Mann verloren hatte. Ein Angriff von Osten war durch den großen Teich blockiert.
Der Westen war von dichtem Wald geschützt, aber Friedrich war nicht umsonst der größte militärische Taktiker seiner Zeit. In der Nacht vom 2. auf den 3. November entwickelte er einen Plan, der so kühn war, dass er an Wahnsinn grenzte. Er würde die Grundregel der Kriegsführung brechen. Teile niemals deine Armee vor einem überlegenen Feind.
Friedrich würde seine Armee in zwei Teile spalten. Der erste Teil, etwa 18 000 Mann unter dem Kommando von General Hans Joachim von Ziten würde von Süden gegen die österreichischen Stellungen vorrücken. 21 Infanteriebataillone und 54 Kavallerieeskadronen. sollte die Straße nach Torgau nehmen, gut sichtbar für die Österreicher und demonstrativ Stellung beziehen.
Seine Aufgabe war nicht, die Höhen zu erstürmen. Das wäre Selbstmord gewesen. Seine Aufgabe war Downs Aufmerksamkeit zu fesseln. Die Österreicher sollten glauben, dass hier der Hauptangriff kommen würde. Der zweite Teil, Friedrichs Hauptarmee mit etwa 26 000 Mann würde etwas tun, dass noch nie jemand in dieser Größenordnung versucht hatte.
41 Infanteriebataillone und 48 Kavallerie Eskadrohnen würden einen weiten Bogen durch die Domitscher Heide schlagen. Eine Flankenmarsch von etwa 18 km durch dichten Wald und schwieriges Gelände. Das Ziel: Die Höhen von Norden her angreifen. Dort wo Down sie nicht erwartete, dort, wo die Befestigungen schwächer waren. Wenn es funktionierte, würden die Österreicher zwischen zwei Feuer geraten.
Zieiten von Süden, Friedrich von Norden. Down müsste seine Truppen teilen, seine Artillerie neu positionieren, in zwei Richtungen gleichzeitig kämpfen. Die perfekte Verteidigungsstellung würde zur Falle werden. Wenn es nicht funktionierte, würde die preußische Armee zerstückelt werden. Titen könnte vernichtet werden, bevor Friedrich überhaupt ankam.
Friedrich könnte sich in den Wäldern verlaufen und nie seine Angriffsposition erreichen. Die Österreicher könnten den Plan durchschauen und ihre gesamte Armee gegen eine der beiden preußischen Hälften werfen. Es war ein Plan, der perfektes Timing erforderte. Die beiden preußischen Kräfte mussten gleichzeitig oder nahezu gleichzeitig angreifen.
Zu früh und der erste Angreifer wurde von der gesamten österreichischen Armee erdrückt. Zu spät und die Überraschung wäre verloren. Friedrich wusste, dass Ziten der Schlüssel war. Hans Joachim von Ziten, 68 Jahre alt, eine lebende Legende, der Mann, der in zahllosen Schlachten Friedrichs Kavallerie geführt hatte, der Husar, dessen bloßer Name den Feind in Angst versetzte.
Wenn irgendjemand die nervenaufreibende Aufgabe bewältigen konnte, vor den österreichischen Kanonen zu stehen und auf das Signal zum Angriff zu warten, dann war es Ziten. Die preußische Armee verfügte über 309 Kanonen, weniger als die Österreicher, aber darunter waren 180 12 Pfunder und schwere Haubitzen. Feuerkraft genug, wenn sie richtig eingesetzt wurde.
Das Problem war diese Geschütze durch 18 km Wald zu schleppen. Am Abend des 2. November gab Friedrich seinen Generälen die Befehle. Die erste Kolonne würde er selbst führen. Die zweite Kolonne würde unter Generalleutnant Johann Dietrich von Hülsen marschieren. Die dritte Kolonne, hauptsächlich Kavallerie, würde Prinz Georg Ludwig von Holstein Gotthor befehligen.
Der Aufbruch war für 6 Uhr morgens angesetzt. Ziten sollte um die gleiche Zeit aufbrechen, aber die kürzere südliche Route nehmen. Mit etwas Glück würden beide Kräfte gegen Mittag in Position sein. Dann würde die Hölle losbrechen. Die Generäle nickten. Niemand widersprach. Was hätten sie auch sagen sollen? Friedrich hatte recht.
Es gab keine Alternative. Rückzug bedeutete Sachsen aufzugeben. Sachsen aufgeben bedeutete den Krieg zu verlieren. Den Krieg verlieren bedeutete das Ende Preußens. Also würden sie angreifen gegen eine überlegene Armee in perfekter Verteidigungsstellung. Sie würden ihr Leben riskieren auf einen Plan, der von präzisem Timing, perfekter Koordination und einer großen Portion Glück abhing.
Friedrich entließ seine Offiziere, dann saß er allein bei Kerzenlicht und starrte auf die Karte. Die Sübtitzer Höhen, ein Stück Gelände, das über das Schicksal seines Königreichs entscheiden würde. Morgen würde die Schlacht beginnen und Gott allein wusste, wie sie enden würde. 3 Uhr morgens, 3. November 1760.
Die preußische Armee erwachte in der Dunkelheit keine Trompeten, keine Trommeln, nur das leise Flüstern von Offizieren, die ihre Kompanien weckten, das Klirren von Waffen und Ausrüstung, das nervöse Schnauben von Pferden, die spürten, dass etwas bevorstand. Die Soldaten aßen ihr karges Frühstück im Stillen.
Hartes Brot, vielleicht etwas Speck für die Glücklichen. Viele aßen gar nichts. Der Magen war zu verkrampft. Um 6 Uhr morgens, als die ersten grauen Streifen des Morgenlichts den Himmel färbten, setzte sich Friedrichs Hauptkolonne in Bewegung. Der König selbst ritt an der Spitze der ersten Kolonne. Hinter ihm marschierten die besten Infanteriebataillone Preußens.
Grenadiere mit ihren hohen Bärenfellmützen, Musketiere in strammer preußischer Ordnung. Etwa 9000 Mann in der ersten Welle. Die zweite Kolonne unter Generalleutnand Johann Dietrich von Hülsen folgte mit weiteren Infanteriebataillonen. Die dritte Kolonne, die Kavallerie unter Prinz Georg Ludwig von Holstein Gotthor, sollte als letztes aufbrechen.
Der Prinz war jedoch am Morgen nicht rechtzeitig fertig geworden. Die Legende besagt, er habe sein Frühstück nicht unterbrechen wollen. Die Wahrheit war wahrscheinlich prosaischer. Logistikprobleme beim Satteln von tausenden Pferden, aber die Verzögerung würde verhängnisvolle Folgen haben. Zur gleichen Zeit brach Citen mit seinem Cors auf.
21 Bataillone, 54 Kavallerieeskadronen, 40 Kanonen. 18 000 Mann marschierten die Hauptstraße nach Torgau entlang. Sie machten keinen Versuch, sich zu verstecken. Im Gegenteil, sie sollten gesehen werden. Ziten wusste, dass österreichische Sper und kroatische Grenzer jeden seiner Schritte beobachteten. Genau wie geplant. Friedrichs Marsch war eine andere Geschichte.
Die drei Kolonnen mussten durch die Domitscher Heide, einen dichten Wald mit schmalen Pfaden und sumpfigem Untergrund. 18 km durch Gelände, das für große Truppenverbände nie gedacht war. Und sie mussten ihre Artillerie mitbringen. 300 Geschütze. Die schweren zwölf Pfinder wogen über eine Tonne. Dazu kamen die Protzen, die Munitionswagen, die Ersatzräder.
Der Boden war vom nächtlichen Frost aufgeweicht. Die Pferde rutschten. Die Räder der Geschütze sanken in den Schlamm. Soldaten mussten die Kanonen mit bloßen Händen aus dem Morast ziehen. Der Marsch, der sechs Stunden dauern sollte, wurde zur Tortur. Friedrich ritt auf und ab, trieb die Männer an.
Seine Stimme, normalerweise ruhig und kontrolliert, wurde schärfer. Die Zeit ran davon. Je später sie ankamen, desto mehr Gefahr bestand, dass Ziten allein gegen die gesamte österreichische Armee kämpfen musste. Gegen Mittag erreichte Zitens Vorhut die südlichen Ausläufer der Sübtizer Höhen. Sofort eröffneten österreichische Geschütze das Feuer.
Kanonenkugeln pflügten durch die preußischen Reihen. Zeiten befahl seinen Truppen sich zu formieren, aber nicht anzugreifen. Noch nicht. Seine Artillerie wurde in Stellung gebracht und begann zurückzuschießen. Ein Duell auf Distanz. Kugeln flogen hin und her, spritzten Erde auf, zerschmetterten gelegentlich einen Munitionswagen oder rissen einen unglücklichen Soldaten in Stücke.
Aber Ziten griff nicht an. Er konnte nicht. Das Gelände vor ihm war ein Albtraum. Der Rohrgraben, dahinter die sumpfige Ebene, dahinter die befestigten Höhen mit ihren Hunderten von Kanonen. Ein Frontalangriff hier wäre nicht mutig gewesen, sondern idiotisch. Also wartete Ziten. Seine Männer lagen im Schlamm, während Kanonenkugeln über ihre Köpfe pfiffen. Stunden vergingen.
Einige Soldaten wurden getroffen, zerrissen von Kartchen oder zerquetscht von Vollkugeln. Aber der große Angriff kam nicht. Auf den Höhen beobachtete Down die preußischen Bewegungen mit Genugtourung. Genau wie erwartet. Friedrich würde von Süden angreifen gegen seine stärksten Befestigungen. Der alte Nar hatte nichts gelernt.
Down befahl seinen Truppen standhaft zu bleiben. Die Kanonen sollten weiterfeuern. Die Preußen zermürben. Sie zwingen unter Beschuss zu bleiben, bis ihre Nerven brachen. Dann gegen Mittag kamen die ersten Berichte von den kroatischen Grenzern aus dem Wald. Preußen im Domitscher Heide. Viele Preußen Kolonnen von Infanterie, die nach Norden marschierten.
Down verstand sofort. Der verschlagene Fuchs Friedrich versuchte einen Flankenangriff, aber Down war nicht überrascht. Er hatte mit dieser Möglichkeit gerechnet. Sofort gab er Befehle. Die Armee sollte sich neu orientieren. Die Kanonen, die nach Süden gerichtet waren, mussten nach Norden gedreht werden.
Infanteriebataillone, die die Südflanke hielten, mussten nach Norden verlegt werden. Es war ein kompliziertes Manöver, aber Down war ein Meister der Defensive. Innerhalb einer Stunde hatte er 12 Bataillone nach Norden verlegt, weitere sechs nach Westen. Seine Armee bildete jetzt ein großes L. Die Hauptfront noch nach Süden gerichtet gegen Ziten, aber mit einer starken Flanke nach Norden, um Friedrich zu empfangen.
Lacy erhielt Befehl, seine Position am großen Teich zu halten. Seine Aufgabe war es, sicherzustellen, dass Ziten nicht durchbrach und den Rücken der Hauptarmee bedrohte. Gegen 14 Uhr brach Friedrich endlich aus dem Wald. Seine erste Kolonne erreichte eine Lichtung bei Neiden, nördlich der österreichischen Stellungen. Endlich. Der König holte sein Fernrohr heraus und studierte das Gelände.
Was er sah, gefiel ihm nicht. Der ursprüngliche Plan war gewesen, die österreichische rechte Flanke anzugreifen, nahe bei Torgau und der Elbe. Wenn sie dort durchbrechen konnten, würden sie da von seinen Rückzugsbrücken abschneiden. Aber jetzt konnte Friedrich starke österreichische Batterien auf der rechten Flanke sehen und zwischen seiner Position und dem Ziel lag offenes Gelände.
Wenn er dort angriff, wäre er zwischen Downs und Laces Armeen eingeklemmt. Ein Rezept für die Vernichtung. Die einzige Alternative war weiter westlich anzugreifen gegen Downs linke Flanke, dort wo der Höhenzug sanfter anstieg. Weniger Befestigungen, aber auch weniger strategischer Wert. Friedrich hatte keine Zeit mehr, um den Plan zu ändern.
Hülsens zweite Kolonne war noch nicht eingetroffen. Holsteins Kavallerie war irgendwo im Wald verloren gegangen, hatte die falsche Abzweigung genommen und irrte durch das Dickicht. Der sorgfältig geplante simultane Angriff war bereits gescheitert, bevor er begonnen hatte. Und dann hörte Friedrich es. Das dumpfe Dröhnen von Artillerie aus dem Süden.
Zitens Kanonen. Das Duell war lauter geworden. Friedrich glaubte, es sei der Beginn von Zitens Hauptangriff. In Wirklichkeit war es nur intensiviertes Artilleriefeuer. Aber Friedrich konnte das nicht wissen. Er traf eine Entscheidung, die er den Rest seines Lebens bereuen würde. Er befahl den sofortigen Angriff mit nur zehn Bataillonen Grenadiere.
Etwa 4000 Mann ohne Hülsens Verstärkung, ohne Holsteins Kavallerie, ohne ausreichende Artillerieunterstützung. Die Grenadiere waren die Elite der preußischen Armee, große Männer, ausgewählt für ihre Stärke und ihren Mut. Sie trugen die hohen Bärenfellmützen, die sie noch größer erscheinen ließen. Sie waren darauf trainiert, unter schwersten Bedingungen anzugreifen und niemals zurückzuweichen.
Um 14:30 Uhr begannen sie ihren Angriff in perfekter Ordnung. Drei Reihen tief, Trommelschlag, fahnen wehend. Sie marschierten den sanften Hang hinauf, direkt auf die österreichischen Stellungen zu. Down konnte es kaum glauben. Friedrich griff mit einem Bruchteil seiner Armee an. Der österreichische Feldmarschall gab einen einzigen Befehl. Feuer frei.
200 Kanonen eröffneten das Feuer auf einmal. Der Lärm war unbeschreiblich. Ein donnerndes Krischendo, das die Erde erbeben ließ. Die ersten Salven waren Vollkugeln. massive eiserne Kugeln, die durch die preußischen Reihen pflügten, wie ein Pflug durch Erde. Eine einzige Kanonenkugel konnte 10, z Mann hintereinander töten.
Köpfe wurden abgerissen, Torsos auseinander gerissen, Arme und Beine flogen durch die Luft. Die Grenadiere marschierten weiter über die Leichen ihrer Kameraden durch den Regen von Blut und Fleischfetzen. Das war ihr Training. Niemals zurückweichen, niemals die Formation verlieren. Dann wechselten die österreichischen Kanonen zu Katchen.
Blechbüchsen gefüllt mit Musketenkugeln, die sich beim Abfeuern öffneten und ihren tödlichen Inhalt wie eine riesige Schrotflinte versprühten. Jede Katätsche enthielt 50 bis 100 Kugeln, 200 Kanonen, 100.000 Kugeln pro Salve. Die preußischen Reihen zerfielen. Ganze Kompanien wurden ausgelöscht. Männer verschwanden einfach zerfetzt in Stücke, die zu klein waren, um als menschlich erkennbar zu sein.
Und die Grenadiere marschierten weiter. Diejenigen, die überlebten, erreichten etwa 300 m vor den österreichischen Stellungen. Dort eröffnete die österreichische Infanterie das Feuer. Tausende von Musketen. Salve nach Salve. Die Luft war so voller Rauch, dass niemand mehr etwas sehen konnte.
Nur das endlose Krachen der Waffen, die Schreie der Sterbenden, der Gestank von Schießpulver und Blut. Die preußischen Grenadiere versuchten zurückzuschießen, aber es waren zu wenige. Sie wurden überwältigt. Eine Stunde, 60 Minuten absoluter Hölle. Als es vorbei war, lagen 5000 preußische Grenadiere tot. oder verwundet auf dem Hang.
Die Elite der preußischen Armee vernichtet. Die Überlebenden stolperten zurück. Eine zerschmetterte, blutige Masse von Männern, die nicht mehr wie Soldaten aussahen, sondern wie Geister. Friedrich sah zu, wie seine besten Truppen zerstört wurden und er wusste, er hatte einen schrecklichen Fehler gemacht. Um 16 Uhr war Hülsens zweite Kolonne endlich eingetroffen.
Etwa 12000 Mann frische Infanterie. Friedrich, sein Gesicht, eine Maske aus Verzweiflung und Wut, befahl sofort den zweiten Angriff. Die Soldaten marschierten über ein Schlachtfeld, das einer Schlachtbank glich. Tausende von Leichen, Verwundete, die um Hilfe schrienen oder leise wimmernd im Schlamm lagen. Der Boden war rutschig von Blut, der Gestank war überwältigend.
Schießpulver, aufgerissene Gedärme, der süßliche Geruch von frischem Tod. Die zweite Welle griff an. Diesmal mit mehr Männern, besser koordiniert. Sie drängten den Hang hinauf, unter dem gleichen mörderischen Feuer. Aber diesmal erreichten einige Einheiten tatsächlich die österreichischen Stellungen. Bayonette blitzten auf. Nahkampf.
Männer stachen, schlugen, wirkten einander in dem engen Raum zwischen den Erdwellen. Für einen kurzen, hoffnungsvollen Moment schien es, als könnten die Preußen durchbrechen. Einige Kompanien erkämpften sich einen Halt auf den Höhen. Fahnen wurden in österreichische Erdwerke gerammt. Siegessschreie halten durch den Rauch.
Dann kam Down persönlich. Der 60-jährige Feldmarschall, normalerweise ein Mann, der von hinten kommandierte, ritt an die Front. Er hatte dies in seiner gesamten Karriere nur selten getan, aber dies war der entscheidende Moment. Er sammelte seine Reserven, vier frische Bataillone und führte sie persönlich in den Gegenangriff.
Die österreichischen Soldaten, ermutigt durch die Anwesenheit ihres Feldmarschalls, stürmten vor. Die erschöpften Preußen, die gerade den Hang erkämpft hatten, hatten keine Kraft mehr zu widerstehen. Sie wurden zurückgeworfen, runter vom Hang, zurück über die Leichen ihrer Kameraden aus der ersten Welle. Dann befahl Friedrich den Einsatz der Kavallerie.
Prinz Georg Ludwig von Holstein Gottorb hatte seine verirrten Reiter endlich aus dem Wald geführt. Jetzt stürmten sie vor. 3000 Kürassiere in schwerer Rüstung, die Blumen der preußischen Kavallerie. Sie galoppierten den Hang hinauf, Säbel gezogen, ein Donner aus Hufen und Metall. Für einen Herzschlag sah es aus, als könnten sie die österreichischen Linien durchbrechen.
Dann eröffneten die Kanonen wieder das Feuer. Katchen auf kurze Distanz, Pferde stürzten, überschlugen sich, begroen ihre Reiter unter sich. Die Formation zerbrach. Aus dem österreichischen Zentrum kam General Adolf Nikolaus von Bukov mit seinen eigenen Kyassieren. Ein Gegenangriff. Schwere Kavallerie gegen schwere Kavallerie.
Der Zusammenprall war brutal. Säbel gegen Säbel. Pferde, die sich aufbäumten und mit den Hufen ausschlugen. Männer, die aus den Setteln gerissen wurden. Die preußische Kavallerie brach. Sie flohen zurück in die Wälder, verfolgt von österreichischen Reitern, die mit ihren Säbeln auf die Fliehenden einheben.
Friedrich saß auf seinem dritten Pferd des Tages. Die ersten zwei waren unter ihm getötet worden. Er ritt näher an die Front heran, versuchte verzweifelt seine zerschmetterten Einheiten zu sammeln. Offiziere schrien Befehle. Trommler versuchten den Tack zu schlagen, aber es war hoffnungslos. Die Armee war eine blutige durcheinander gewürfelte Masse. Dann geschah es.
Eine österreichische Kanonenkugel, abgefeuert aus großer Entfernung, hatte bereits den Großteil ihrer Energie verloren. Eine sogenannte verbrauchte Kugel. Sie flog langsam genug, dass man sie hätte sehen können. Sie traf Friedrich direkt in die Brust. Der König stürzte vom Pferd. Seine Adjutanten sprangen ab, rannten zu ihm.
Friedrich lag bewusstlos im Schlamm. Sein Brustkorb war gequetscht. Die Kugel hatte nicht durchgeschlagen, aber die Wucht des Aufpralls hatte ihm die Luft aus den Lungen gepresst und möglicherweise Rippen gebrochen. Der dicke Pelzmantel, den er an diesem kalten Novembertag trug, hatte ihm das Leben gerettet. Ohne diesen Mantel wäre die Kugel in seinen Körper eingedrungen und hätte ihn getötet.
Die Adjutanten trugen den bewusstlosen König vom Schlachtfeld. Die preußischen Soldaten, die ihren Kommandanten fallen sahen, gerieten in Panik. Einige Einheiten begannen sich zurückzuziehen, ohne Befehl. Andere standen einfach da, desorientiert, nicht wissend, was sie tun sollten. Der dritte Angriff war gescheitert. Um 18 Uhr, als die Dämmerung hereinbrach, war die Schlacht entschieden.
Die preußische Hauptarmee war zerschmettert. Etwa 12000 Mann tot, verwundet oder vermisst. Die Artillerie größtenteils verloren oder nicht mehr einsatzfähig. Die Kavallerie zerstreut in den Wäldern und der König selbst lag bewusstlos in einem Bauernhaus. Friedrich kam gegen Uhr wieder zu sich. Sein Brustkorb schmerzte bei jedem Atemzug.
Er konnte kaum sprechen, aber er befahl, in die Kirche des Dorfes Elznig gebracht zu werden. Eine winzige Dorfkirche, kaum größer als eine Kapelle. Dort saß er auf der untersten Stufe des Altars, noch immer in seinem blutbefleckten, schlammverschmierten Mantel. Sein Gesicht grau vor Schmerz. Eine einzelne Kerze brannte vor ihm.
Adjutanten kamen und gingen, brachten Berichte. Jeder Bericht war schlechter als der vorherige. Keine Nachrichten von Ziten. Die Verbindung war unterbrochen. Friedrich wusste nicht, ob Ziten überhaupt noch lebte oder ob sein Chor ebenfalls vernichtet worden war. Die Hauptarmee war nicht mehr kampffähig. Die Überlebenden hatten sich in die Wälder zurückgezogen.
Niemand wusste, wie viele Deserteure es gab. Soldaten, die einfach weitergingen, weg von diesem Schlachthaus. Friedrich saß da in der Stille der Kirche und akzeptierte das Unvermeidliche. Er hatte verloren. Preußen hatte verloren. Es war vorbei. Auf den Sübtizitzer Höhen herrschte unterdessen Siegesstimmung. Die österreichischen Soldaten feierten.
Sie hatten den großen Friedrich geschlagen, den Mann, der bei Rossbach und Leuten unbesiegbar geschienen hatte. Sie hatten seine Armee zerschmettert und ihn selbst vom Pferd geschossen. Down war jedoch vorsichtiger. Er war verwundet worden. Ein Musketenschuss hatte ihn am Fuß getroffen. Die Wunde war nicht schwer, aber schmerzhaft.
Er ließ sich nach Torgau bringen, wo Fälscher sie versorgten. Bevor er ging, übertrug er das Kommando an General Buckhof, aber Down war zufrieden. Er hatte gewonnen, endgültig und eindeutig. Friedrichs Armee war vernichtet. Der preußische König selbst war verwundet. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Reste der preußischen Armee kapitulierten oder desertierten.
Da befahl seinem Adjutanten, Generaladjutant Freiherrotschütz, eine Siegesdepäche nach Wien zu bringen. Die Depäche war kurz und prägnant. Eure Majestät, wir haben bei Torgau einen vollständigen Sieg errungen. Die preußische Armee ist vernichtet. Der König selbst ist verwundet. Der Krieg ist gewonnen. Rotschütz ritt los.
18 Postillons wurden vorausgeschickt, um den Weg nach Wien vorzubereiten. Es war eine Reise von über 500 km, aber mit Relaisstationen konnte sie in drei Tagen geschafft werden. Am Abend des 6. November ritt Rotschütz in Wien ein. Die 18 Postillons blißen ihre Trompeten. Die ganze Stadt wusste, ein großer Sieg.
Die Menschen strömten auf die Straßen, die Glocken läuteten. Im Hofburg, dem kaiserlichen Palast, empfing Kaiserin Maria Theresia die Nachricht mit Tränen der Freude. Endlich, nach vier Jahren endloser Rückschläge, nach Rossbach, nach Leuten, nach all den Demütigungen. Endlich hatte Down, ihr treuer Feldmarschall, den preußischen Teufel geschlagen.
Sie befahl festgottesdienste in allen Kirchen Wiens. Tedeum wurde gesungen. Die Straßen waren erleuchtet. Wein floss frei. Das gemeine Volk feierte. Die Aristokratie feierte. Die ganze Stadt feierte den Untergang Preußens. Aber in Torgau war die Schlacht noch nicht vorbei. In der Dunkelheit südlich der Süptizer Höhen standen mit seinen 18 000 Mann.
Den ganzen Tag hatte er unter Artilleriebeschuss gelegen. Seine Männer waren erschöpft, durch Nest, zermürbt, aber sie lebten noch. Und Ziten hatte den ganzen Tag auf ein Signal von Friedrich gewartet. Ein Signal, das nie kam. Gegen 18 Uhr verstummten plötzlich die Kanonen im Norden. Die große Schlacht, die den ganzen Nachmittag getobt hatte, war zu Ende.
Aber Ziten wusste nicht, wer gewonnen hatte. Hatte Friedrich triumphiert oder war er geschlagen worden? In der wachsenden Dunkelheit trafiten eine Entscheidung. Er konnte hier nicht bleiben. Wenn Friedrich geschlagen war und sich zurückzog, würde Zeitens Cor isoliert und vernichtet werden. Er musste sich bewegen. Aber wohin? Rückzug.
Das würde die Schlacht endgültig verlieren. Vorrücken gegen die stark befestigten österreichischen Stellungen. Ziten, der alte Husar entschied sich für das einzige, was er sein ganzes Leben getan hatte. Er griff an, aber nicht frontal. Das wäre Wahnsinn gewesen. Stattdessen befahl er seinen Truppen nach links zu schwenken. In der Dunkelheit.
Ein Nachtmarsch, um mit Friedrichstruppen Verbindung aufzunehmen und zu verhindern, dass die preußische Armee in zwei Teile gespalten blieb. Als Zitens Truppen sich nach links bewegten, entdeckten sie etwas. Die westliche Flanke der österreichischen Stellung, dort wo der Höhenzug endete, war nur schwach verteidigt.
Die Cway, ein Damm westlich von Syptitz, war praktisch unbewacht. Die Österreicher hatten ihre gesamte Aufmerksamkeit auf die Nord- und Südflanken gerichtet. Niemand erwartete Angriff aus dieser Richtung, nicht in der Dunkelheit. Ziten sah seine Chance. Es war 19 Uhr, stockdunkel, aber er gab den Befehl zum Angriff.
Die Schlacht von Torgau war noch nicht vorbei. 19 Uhr. Die Nacht hatte sich über die Sübtitzer Höhen gelegt, wie ein schwarzes Leichentuch. Kein Mond, nur die Dunkelheit und der beißende Wind, der den Geruch von Tod und Schießpulver über das Schlachtfeld wehte. Ziten stand vor seiner größten Entscheidung. 68 Jahre alt, ein ganzes Leben im Krieg verbracht.
Er hatte unter Friedrich dem I. gedient, unter Friedrich Wilhelm dem I. und nun unter Friedrich dem. Er hatte mehr Schlachten gesehen, als die meisten Männer Geburtstage erlebten. Und er wusste, was er jetzt vorhatte, war Wahnsinn. Ein Nachtangriff mit 18 000 Mann gegen eine befestigte Position. ohne zu wissen, wo genau der Feind stand, ohne Koordination, ohne Plan.
Nur der Instinkt eines alten Soldaten, der spürte, dass dies der Moment war. Ziten gab seine Befehle in ruhigem Ton. Die Infanterie sollte vorrücken, schweigend. Keine Trommeln, keine Trompeten. Bayonette aufgepflanzt, Musketen geladen, aber nicht gespannt. Ein einziger Schuss im falschen Moment könnte alles verraten. Die preußischen Soldaten bewegten sich wie Geister durch die Dunkelheit.
18 000 Mann, die versuchten, lautlos zu marschieren. Das Klirren von Ausrüstung war unvermeidlich. das Rascheln von Stoff, das gelegentliche Stolpern über unsichtbare Hindernisse. Aber in der Gesamtheit der Nacht waren diese Geräusche gedämpft, verloren. Sie erreichten das Dorf Süptitz um 19:30 Uhr, ein kleines sächsisches Bauerndorf, bestehend aus vielleicht 20 Häusern und einer winzigen Kirche, normalerweise unbedeutend.
Heute der Schlüssel zur Schlacht. Süptitz wurde von einem einzigen österreichischen Bataillon verteidigt. Etwa 600 Mann, die in den Häusern Stellung bezogen hatten. Sie erwarteten keinen Angriff. Die Schlacht war vorbei. Sie hatten gewonnen. Einige Soldaten schliefen bereits. Andere saßen in den Häusern, rauchten Pfeife, tranken den Schnaps, den sie in den sächsischen Kellern gefunden hatten.
Dann hörten sie es. Das Trampeln von tausenden von Füßen aus der Dunkelheit näher kommend. Ein Offizier schrie Alarm. Soldaten stürzten aus den Häusern, versuchten ihre Waffen zu finden, sich zu formieren. Aber es war zu spät. Die preußische Infanterie war bereits da. Der Kampf in Syptitz war brutal und kurz. Bayonette im Dunkeln.
Männer, die im Schatten kämpften, oft nicht wissend, ob der Mann neben ihnen Freund oder Feind war. Schüsse blitzten auf, erhälten für Sekundenbruchteile die Szene, verzerrte Gesichter, blutbefleckte Uniformen, Verzweiflung. Das österreichische Bataillon versuchte standhalten, aber es war hoffnungslos überzählt.
Gegen 20 Uhr gaben die Überlebenden auf und zogen sich zurück, die Höhen hinauf. Zitenbefahl, das Dorf in Brand zu setzen. Eine kalte strategische Entscheidung. Die brennenden Häuser würden Licht geben. Licht, das seine Truppen brauchten, um weiterzukämpfen. Licht, das den Weg die Höhen hinauf erleuchtete. Die Flammen schlugen hoch.
Dächer aus Stroh brannten wie Zunder. Innerhalb von Minuten stand das ganze Dorf in einem lodernden Inferno. Der Himmel über Sübtitz wurde orangerrot erleuchtet. Funken stoben in die Nachtluft und im Schein dieses gewaltigen Feuers marschierten Zitens Truppen weiter die Höhen hinauf. Auf den Sübtitzerhöhen herrschte Chaos.
Die österreichischen Soldaten, die den ganzen Tag gekämpft hatten, waren erschöpft. Viele schliefen. Andere saßen bei Lagerfeuern und ruhten sich aus. Die Schlacht war vorbei. Sie hatten gewonnen. Niemand erwartete, dass die Preußen um 20 Uhr nachts angreifen würden. General Buco, der jetzt das Kommando hatte, versuchte verzweifelt, seine Truppen zu organisieren, aber in der Dunkelheit und Verwirrung war es fast unmöglich.
Einheiten wussten nicht, wo sie hingehörten. Offiziere fanden ihre Kompanien nicht. Die Meldereiter verirrten sich in der Dunkelheit. Zitens Infanterie kletterte den Hang hinauf. Langsam, methodisch. Der Schein der brennenden Häuser von Syptitz erleuchtete ihren Weg. Es war so real.
Soldaten, die in einem höllischen Licht marschierten, ihre Schatten riesenhaft an die Bäume und Hügel geworfen. Die österreichische Artillerie versuchte zu feuern, aber in der Dunkelheit konnten die Kanoniere ihre Ziele nicht sehen. Sie schossen blind in die Nacht. Einige Kugeln trafen preußische Soldaten, aber die meisten verschwanden in der Dunkelheit, trafen nichts als Erde und Bäume.
Um 20:15 Uhr erreichte Zitens Vorhut die Hauptverteidigungslinie. Dort stand die große österreichische Batterie. 100 Kanonen, die den ganzen Tag Friedrichs Armee zerfleischt hatten. Die mächtigsten Geschütze der österreichischen Armee. Aber jetzt in der Dunkelheit waren sie fast nutzlos. Die preußische Infanterie stürmte vor, ein wilder Bayonettangriff.
Die österreichischen Kanoniere, die keine Zeit hatten, ihre schweren Geschütze zu verlassen, wurden niedergemacht. Manche versuchten ihre Kanonen mit Handspeiken zu verteidigen, diese langen Eisenstangen, die zum Bewegen der Geschütze dienten. Aber gegen Bayonette waren sie chancenlos. Um 18 Uhr hatte Ziten die große Batterie erobert. 100 österreichische Kanonen.
Die Preußen schrien vor Triumph. Aber Ziten, der alte Fuchs, wusste, dass dies nur der Anfang war. Er musste diese Position halten. Sofort befahl er seinen Artilleristen, die eroberten Kanonen zu wenden, nach Süden zu richten, gegen ihre ehemaligen Besitzer. Es war eine gewaltige Aufgabe.
Jede dieser Kanonen wog über eine Tonne. Sie mussten physisch gedreht werden, 180° und das in der Dunkelheit, unter Beschuss auf einem schlammigen Hang. Aber die preußischen Artilleristen waren die besten Europas. Sie arbeiteten wie Besessene. Innerhalb von 20 Minuten waren die ersten Geschütze einsatzbereit. Um 20:45 Uhr eröffneten sie das Feuer auf die Österreicher.
49 eroberte Kanonen, jetzt auf die österreichische Armee gerichtet. Und die österreichischen Soldaten, die den ganzen Tag siegessicher gewesen waren, mussten jetzt erleben, wie ihre eigenen Geschütze sie zerfleischten. Der psychologische Effekt war verheerend. Soldaten, die tapfer gegen feindliches Feuer gestanden hatten, brachen zusammen, als sie von ihren eigenen Waffen beschossen wurden.
Einheiten begannen zu wanken. Offiziere versuchten verzweifelt, die Ordnung wiederherzustellen. Bukov befahl einen Gegenangriff. Zwei Bataillone sollten die Batterie zurückerobern. Sie stürmten vor in der Dunkelheit. Es war ein verzweifelter, chaotischer Angriff. Männer stolperten über Leichen, über Geschützräder, über die Trümmer der Schlacht.
Die eroberten Kanonen feuerten Kartetschen auf kurze Distanz. Der österreichische Angriff zerbrach. Bukov versuchte es erneut. Ein zweiter Gegenangriff mit frischen Truppen. Wieder stürmten österreichische Bataillone den Hang hinauf. Wieder wurden sie zurückgeworfen. Die preußische Infanterie hielt die Position mit grimmiger Entschlossenheit.
Sie hatten den ganzen Tag unter Artilleriebeschuss gelegen. Jetzt waren sie am Angriff und nichts würde sie von dieser Batterie vertreiben. Zur gleichen Zeit weiter nördlich hörte Generalleutnant Hülsen das Kanonenfeuer. Er kommandierte die Überlebenden von Friedrichs Hauptarmee. Vielleicht 8000 Mann, die noch kampfähig waren.
Sie hatten sich in die Wälder zurückgezogen, erschöpft, zerschlagen, demoralisiert. Aber jetzt hörten sie Kanonendonner von Süden und sie erkannten, das waren preußische Kanonen. Ziten hatte die Batterie erobert. Die Schlacht war noch nicht vorbei. Hülsen war ein erfahrener Offizier.
Er verstand sofort, was zu tun war. Er sammelte seine Truppen und befahl den letzten Angriff. 8000 Mann, viele von ihnen verwundet, alle erschöpft, kletterten noch einmal den Hang hinauf. Die österreichische Armee wurde jetzt von zwei Seiten angegriffen. Ziten von Süden, Hülsen von Norden. In der Dunkelheit war es unmöglich zu sagen, wer wo war.
Einheiten feuerten auf Schatten. Bayonettladungen endeten im Chaos, als Freund auf Freund traf. Die österreichischen Linien begannen zu bröckeln. Nicht alle auf einmal, aber hier und dort gaben Einheiten nach. Ein Bataillon zog sich zurück, dann ein weiteres. Die Lücken in der Linie wurden größer.
Bukov versuchte verzweifelt, die Front zu stabilisieren, aber ohne Down, ohne den alten Feldmarschall fehlte der österreichischen Armee ihre Seele. Bukov ein fähiger General, aber kein Down. Er konnte nicht das Unmögliche möglich machen. Um 21 Uhr war es vorbei. Die österreichische Linie brach zusammen. Was als geordneter Rückzug beginnen sollte, wurde zu einer Flucht.
Einheiten lösten sich auf. Soldaten warfen ihre Waffen weg und rannten zu den Brücken über die Elbe. Die Preußen, genauso erschöpft wie ihre Feinde, verfolgten nicht. Sie konnten nicht. Sie standen auf den Sübtitzer Höhen, umgeben von tausenden von Toten und konnten kaum glauben, was geschehen war. Sie hatten gewonnen gegen alle Erwartungen, gegen jede Vernunft.
In der totalen Dunkelheit hatten sie die Schlacht umgedreht, aber der Preis war entsetzlich. Überall Leichen. Preußen und Österreicher ununterscheidbar im Dunkeln lagen übereinander gestapelt. Die Höhen waren ein Schlachthaus und in der Stille nach der Schlacht konnte man die Schreie der Verwundeten hören, die nach Wasser riefen, nach ihren Müttern, nach Gott.
Ziten saß erschöpft auf einem umgestürzten Geschütz. Der alte Husar, 68 Jahre alt, hatte soeben die Schlacht gewonnen. Aber er fühlte keinen Triumph, nur eine tiefe, bodenlose Erschöpfung. Jemand mußte Friedrich die Nachricht bringen. Der König glaubte noch immer, alles sei verloren. 21:30. In der winzigen Kirche von Elsnik saß Friedrich noch immer auf der Altarstufe.
Die Kerze vor ihm war fast heruntergebrannt. Sein Gesicht war grau. Jeder Atemzug schmerzte. Er hatte aufgehört zu hoffen. Dann hörte er Hufschlag. Schnell näher kommend. Die Kirchentür wurde aufgerissen. Ein junger Offizier, sein Gesicht schwarz von Pulverdampf stolperte herein. Er rang nach Atem.
“Majestät!”, keuchte er. “Wir haben gewonnen. Ziten hat die Höhen genommen.” Friedrich starrte ihn an. Für einen langen Moment sagte er nichts. Er konnte es nicht glauben. Es war unmöglich. Seine Armee war zerschmettert worden. Er selbst war vom Pferd geschossen worden. Die Schlacht war verloren. “Sind Sie sicher?”, fragte Friedrich mit tonloser Stimme. “Jawohl, Majestät.
Die österreichische Armee zieht sich über die Elbe zurück. Die Syptzer Höhen sind in unserer Hand. General Ziten erwartet eure Befehle.” Friedrich stand langsam auf. Der Schmerz in seiner Brust ließ ihn zusammenzucken, aber er ignorierte ihn. Er verlangte nach seinem Pferd. Die Adjutanten protestierten. Der König war verwundet.
Er sollte ruhen. Aber Friedrich hörte nicht zu. Er ritt durch die Dunkelheit zu den Höhen. Die Szene, die ihn dort erwartete, würde ihm den Rest seines Lebens in Erinnerung bleiben. Das Schlachtfeld bei Kerzenlicht. Soldaten, die wie Zombies umherwankten, zu erschöpft, um zu sprechen. Leichen, überall Leichen, so dicht, dass man kaum gehen konnte, ohne auf sie zu treten.
Verwundete, die in der Kälte zitterten und um Hilfe flehten. Der Gestank von Tod und Schießpulver hing schwer in der Luft und dort, bei der eroberten Batterie stand Ziten. Der alte General stand neben einer erbeuteten Kanone, sein Säbel noch in der Hand, obwohl die Schlacht längst vorbei war. Sein Gesicht war erschöpft, aber in seinen Augen lag ein stilles Leuchten.
Friedrich ritt auf ihn zu. Die beiden Männer sahen sich an. Keine Worte waren nötig. Friedrich stieg vom Pferd langsam, vorsichtig wegen seiner Verletzung. Dann umarmte er Ziten. Der König und der alte Husa, beide zu erschöpft für große Gesten, standen einfach da im Schein der sterbenden Feuer.
“Sie haben Preußen gerettet”, sagte Friedrich schließlich. Ziten schüttelte den Kopf. “Nein, Majestät, das haben diese Männer.” Er deutete auf die erschöpften Soldaten um sie herum. Sie haben nie aufgehört zu kämpfen, selbst als alles verloren schien. Friedrich sah sich um, überall preußische Soldaten. Manche saßen einfach auf dem Boden, zu erschöpft, um sich zu bewegen.
Andere versuchten ihre Verwundeten zu versorgen. Wieder andere durchsuchten die Leichen nach Überlebenden. Diese Männer hatten heute Hölle durchgemacht und sie hatten gesiegt. Der König befahl, dass die Verwundeten versorgt werden sollten. Preußische und österreichische gleichermaßen. Fälscher arbeiteten die ganze Nacht bei Fackellicht.
Sie amputierten zerschmetterte Gliedmaßen, verbanden Wunden, gaben Laudernum gegen die Schmerzen. Aber es gab zu viele Verwundete und zu wenige Ärzte. Viele Männer würden die Nacht nicht überleben. Als die Morgendämmerung über die Syptzer Höhen kam, konnte man das volle Ausmaß der Katastrophe sehen. Der Boden war bedeckt mit Leichen.
Nicht hunderte, tausende. Sie lagen in allen erdenklichen Positionen. Ausgestreckt, zusammengekrümmt, übereinander gestapelt. Die Uniformen waren so blutgetränkt, dass man nicht mehr unterscheiden konnte, wer Preuße und wer Österreicher war. Viele der Toten waren verstümmelt, Arme fehlten, Beine, Köpfe waren von Kanonenkugeln abgerissen worden, Torsos waren aufgerissen, Eingeweide lagen daneben.
Die lebenden Soldaten gingen durch dieses Schlachtfeld wie Geister. Sie sammelten Waffen ein, zählten Gefangene, Bargen Verwundete, aber niemand sprach. Was gab es zu sagen? Die preußischen Verluste waren entsetzlich. 16670 Mann, davon etwa 3in000 tot. Der Rest verwundet oder vermisst, fast 35% der preußischen Armee.
Die Grenadiere, die Elite, waren praktisch vernichtet. Von dentaus Mann, die am Nachmittag angegriffen hatten, lebten noch etwa 3000 und viele von denen waren verwundet. Die österreichischen Verluste waren kaum geringer. 15200 Mann nach offiziellen Berichten. Manche Quellen sprechen von über 15800, davon etwa 1500 Tote.
Der Rest verwundet oder gefangen genommen. 7000 österreichische Soldaten waren in preußische Gefangenschaft geraten, überrollt in der Dunkelheit oder einfach zu erschöpft, um weiterzukämpfen. 49 Kanonen waren erbeutet worden, fast 20% der österreichischen Artillerie. Dazu Munitionswagen, Feldlazarette, Proviant.
Der materielle Verlust war gewaltig, aber der menschliche Verlust war unermesslich. 32 000 Männer tot, verwundet oder vermisst, in einem einzigen Tag auf einem Stück Land, das keine 5 Quadrkm groß war. Es war eine der blutigsten Schlachten des 18. Jahrhunderts. Die Sübtizer Höhen waren zu einem Synonym für Schrecken geworden.
Jahrzehnte später würden Bauern noch immer Knochen beim Flügen finden. Schädel, Rippen, ganze Skelette, die so dicht unter der Erde lagen, dass man kaum einen Sparten einstechen konnte, ohne auf menschliche Überreste zu stoßen. Friedrich blieb drei Tage auf dem Schlachtfeld, nicht aus strategischen Gründen.
Die österreichische Armee hatte sich nach Dresden zurückgezogen und würde nicht zurückkommen. Er blieb, weil er es seinen Männern schuldete. Er ging durch die Reihen der Verwundeten. Er sprach mit Soldaten. Er ließ Massengräber ausheben und befahl, dass alle Toten mit militärischen Ehren begraben werden sollten. und Österreicher gemeinsam.
Die Überlebenden waren gebrochen, körperlich und geistig. Männer, die vor der Schlacht noch Witze gemacht hatten, saßen jetzt stumm da und starrten ins Leere. Andere zitterten unkontrollierbar. Wieder andere weinten, ohne es zu bemerken. Was sie gesehen hatten, was sie durchgemacht hatten, hatte etwas in ihnen zerbrochen, das nie wieder heilen würde.
Eine Verfolgung der österreichischen Armee war unmöglich. Die preußische Armee war nicht mehr kampfähig. Sie brauchte Wochen, um sich zu erholen. Neue Rekruten mussten ausgebildet werden, Waffen und Ausrüstung ersetzt werden, die Verwundeten versorgt werden. In Torgau erfuhr Feldmarschall am späten Abend des 3. November von der Katastrophe.
Seine Wunde war verbunden worden. Er lag in einem beschlagnahmten Bürgerhaus und ruhte sich aus. Dann kam Bukov mit der Nachricht. Die Schlacht war verloren. Die Armee zog sich zurück. Die Höhen waren aufgegeben worden. Down, der eiserne Mann, der bei Colin Friedrich geschlagen hatte, brach zusammen. Er hatte gewonnen.
Er hatte den preußischen König persönlich besiegt. Er hatte dessen Armee zerschmettert und dann hatte ihn ein Nachtangriff in der Dunkelheit alles gekostet. Es war der bitterste Moment seiner Karriere. Bitter als jede Niederlage, denn dies war keine Niederlage. Dies war ein Sieg, der in eine Niederlage verwandelt worden war durch Zufall, durch Pech, durch die verzweifelte Kühnheit eines 68-jährigen Husaren, der nicht wusste, wann er aufgeben sollte.
Die Siegesdepäche, die Rotschütz nach Wien gebracht hatte, war jetzt eine Lüge. Aber es war zu spät, sie zurückzurufen. Wien feierte einen Sieg, der keiner war. Und als die Wahrheit drei Tage später eintraf, als ein zweiter Bote die Nachricht von der Niederlage brachte, war die Demütigung komplett. Maria Theresia erfuhr davon in ihrem Arbeitszimmer.
Sie las die Depäesche zweimal, dann legte sie sie ruhig auf den Tisch. Keine Tränen, keine Wutausbrüche, nur eine tiefe resignierte Traurigkeit. Sie hatte gehofft, dieser Krieg würde enden. Sie hatte gehofft, Schlesien zurückzugewinnen, das reiche Gebiet, das Friedrich ihrem Vater gestohlen hatte. Aber jetzt verstand sie, dieser Krieg würde nie enden, nicht durch militärischen Sieg.
Preußen würde weiterkämpfen, bis beide Seiten zu erschöpft waren, um fortzufahren. Die Schlacht von Torgau war tatsächlich die letzte große Schlacht des siebenjährigen Krieges. Danach gab es noch Scharmützel, kleinere Gefechte, Belagerungen, aber keine großen Feldschlachten mehr. Die Armeen waren zu geschwächt. die Ressourcen zu erschöpft, die Menschen zu Kriegsmüde.
Der Krieg zog sich noch bis 1763 hin. Dann endete er nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit Verhandlungen. Der Frieden von Hubertusburg bestätigte den Status Quo Antebellum. Alles blieb, wie es vor dem Krieg gewesen war. Schlesien blieb preußisch. Hunderttausende waren umsonst gestorben, aber Torgau hatte etwas bewiesen.
Es hatte gezeigt, dass Preußen niemals aufgeben würde. Selbst am Rande der Vernichtung, selbst mit einer zerschmetterten Armee und einem verwundeten König würde dieser Staat weiterkämpfen. Es war eine Botschaft an ganz Europa. Preußen war nicht zu besiegen. Man konnte es schlagen, verwunden, an den Rand des Abgrunds treiben, aber es würde sich immer wieder erheben.
Das war das wahre Erbe von Torgau. Nicht ein militärischer Sieg, sondern der Beweis eines unbeugsamen Willens. Der strategische Wert von Torgau war begrenzt. Da zog sich nach Dresden zurück und hielt dort Stellung. Südliches Sachsen blieb in österreichischer Hand. Laudon, der gefährliche österreichische General, blieb frei, um in Schlesien zu überwintern und dort preußische Garnisonen zu bedrohen.
Die preußische Armee war so geschwächt, dass an eine Verfolgung nicht zu denken war, aber der psychologische Effekt war gewaltig. In Wien brach die Kriegspartei zusammen. Reichskanzler Wenzel Anton Graf Kaunitz, der Architekt der Antipreußischen Koalition, verlor seinen Optimismus. Er hatte Jahre damit verbracht, Österreich, Frankreich, Russland und Schweden gegen Preußen zu vereinen.
Er hatte geglaubt, Friedrich müsse zusammenbrechen. Aber nach Torgau verstand er, Preußen war nicht zu besiegen, nicht durch Schlachten, nicht durch Erschöpfung. Dieser Staat würde bis zum letzten Mann kämpfen. Kaunit begann, Maria Theresia zu einem Verhandlungsfrieden zu raten. Nicht sofort, aber der Gedanke war gesäht. Der Krieg konnte nicht mehr gewonnen werden.
Schlesien war verloren. Die Frage war nur noch, wie man den Krieg beendete, ohne das Gesicht zu verlieren. In Frankreich, das Truppen und Geld in diesen Krieg gesteckt hatte, wuchs ebenfalls die Kriegsmüdigkeit. Die französischen Armeen im Westen hatten kaum Erfolge erzielt. Jedes Jahr kostete Millionen.
Und wofür? Um Österreich zu helfen, ein Gebiet zurückzugewinnen, das Frankreich nichts bedeutete. In Russland starb Zarin Elisabeth im Januar 1762. Ihr Nachfolger Peter I war ein Bewunderer Friedrichs. Er schloss sofort Frieden mit Preußen. Dieses Mirakel des Hauses Brandenburg, wie Friedrich es nannte, rettete Preußen endgültig.
Der Krieg endete 1763. nicht durch einen entscheidenden Sieg, sondern durch Erschöpfung. Der Frieden von Hubertusburg stellte die Vorkriegsgrenzen wiederher. Schlesien blieb preußisch. Nach 7 Jahren Krieg, hunderttausenden Toten, verbrannten Städten und zerstörten Landschaften hatte sich nichts geändert. Nichts.
Außer einem Preußen hatte überlebt gegen eine Koalition der mächtigsten Staaten Europas. Das kleine Königreich hatte bewiesen, dass es eine Großmacht war, nicht durch Größe, sondern durch schiere Willenskraft. Torgau wurde zum Symbol dieses Willens. Ein Pyrussieg, gewiss, eine Schlacht, die fast so viele eigene Männer kostete wie feindliche, aber ein Sieg trotzdem.
errungen in totaler Dunkelheit, als alles verloren schien durch die verzweifelte Kühnheit eines alten Generals, der nicht wusste, wann er aufgeben sollte. Friedrich selbst schrieb später über Torgau mit gemischten Gefühlen. Er nannte es einen teuren Sieg. Die Verluste hatten ihn erschüttert. Die Grenadiere, die Elite seiner Armee, waren praktisch vernichtet worden.
Es dauerte Jahre, bis diese Einheiten wieder aufgebaut waren, aber er erkannte auch die größere Bedeutung. Torgau hatte seinen Feinden gezeigt, dass Preußen niemals kapitulieren würde. Diese Botschaft war mehr wert als 1000 taktische Siege. Ziten wurde zur Legende. Der alte Husar, der in der Dunkelheit die Schlacht gewonnen hatte. Lieder wurden über ihn geschrieben.
Gedichte. Er wurde zum Innbegriff des preußischen Soldaten. Pflichtbewusst, kühn, unnachgiebig. Down blieb Feldmarschall, aber sein Ruf war beschädigt. Er hatte Friedrich geschlagen und trotzdem verloren. In den österreichischen Militärschulen wurde Torgau als Lehrstück studiert, wie man eine gewonnene Schlacht verlieren kann.
Die Schlacht hinterließ auch menschliche Geschichten. Eine davon betraf August Wilhelm Neidhard von Gneisenau, der später selbst ein berühmter preußischer Feldmarschall werden würde. Seine Mutter war mit dem Tross der Reichsarmee geflüchtet, kurz nachdem sie ihn geboren hatte.
In der Panik der Flucht fiel das Baby aus dem Wagen. Ein preußischer Grenadier fand es und rettete es. Gneisenau schrieb später: “Die Schlacht von Torgau sei seine PTE gewesen.” Theodor Fontane, der große preußische Dichter, schrieb 100 Jahre später sein Gedicht bei Torgau. Es erzählt von erschöpften Grenadieren, die nicht mehr kämpfen wollen.
Friedrich reitet zu ihnen und ruft: “Raker, wollt ihr denn ewig leben?” Ein Soldat antwortet: “Fritze, nichts von Betrug. Für 15 Pennig ist heute genug. Diese Zeilen fangen den Geist von Torgau ein. Erschöpfung, Galgenhumor, aber auch die grimmige Entschlossenheit weiterzumachen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Denkmal für Friedrich auf dem Torgauerplatz kontrovers diskutiert.
Sollte man einen preußischen Militaristen ehren? Bevor diese Frage beantwortet wurde, zerstörten Wandalen das Denkmal im Jahr 1946. oder 1947. Die Überreste verschwanden. Bis heute ist ungeklärt, wohin. Aber die Erinnerung an Torgau blieb an die 32 000 Männer, die dort starben oder verwundet wurden, an den Wahnsinn des Krieges, an den Mut verzweifelter Menschen, an die Tatsache, dass manchmal Siege teurer sind als Niederlagen.
Was lehrt uns Torgau heute? Das Führung bedeutet unmögliche Entscheidungen zu treffen. Friedrich opferte tausende Leben für die Existenz seines Staates. War das richtig? Die Geschichte hat ihn den Großen genannt. Aber die 5000 Grenadiere, die in der ersten Stunde starben, hatten dazu keine Meinung mehr. Torgau zeigt auch, dass nichts entschieden ist, bis es vorbei ist.
Down hatte gewonnen. Friedrich war geschlagen und doch drehte sich alles in wenigen Stunden um, weil ein alter General in der Dunkelheit angriff, obwohl es keinen rationalen Grund dafür gab. Die Schlacht beweist die Macht des Willens. Nicht Zahlen, nicht Positionen, nicht Pläne entschieden Torgau, sondern der unbeugsame Wille nicht aufzugeben.
Selbst als alles verloren schien, kämpfte Preußen weiter und gewann dadurch. Aber zu welchem Preis? Das ist die Frage, die Torgau für immer stellen wird. M.
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