Es sind schockierende, zutiefst verstörende Nachrichten, die uns in diesen Tagen einmal mehr aus der deutschen Hauptstadt erreichen. Berlin, die pulsierende Metropole, das politische Zentrum des Landes, die Stadt, die eigentlich ein leuchtendes Symbol für Freiheit, Weltoffenheit und vor allem für unerschütterliche Sicherheit und Stabilität sein sollte. Doch hinter der glitzernden Fassade der Touristenhochburgen und dem geschäftigen Treiben des Regierungsviertels zeichnet sich ein Bild ab, das immer dunkler und bedrohlicher wird. Bei unzähligen Bürgern, die diese Stadt ihr Zuhause nennen, schleicht sich ein Gefühl ein, das sich nicht mehr so einfach wegdiskutieren lässt: Es ist das Gefühl der nackten Angst, das sich langsam, aber unaufhaltsam in den Kiezen, auf den Straßen und in den U-Bahn-Schächten ausbreitet.

Für viele Berlinerinnen und Berliner sind diese Vorfälle längst nicht mehr nur abstrakte Meldungen, die in den späten Abendnachrichten kurz über den Bildschirm flimmern und am nächsten Morgen beim Bäcker schon wieder vergessen sind. Diese Nachrichten greifen tief in die Lebensrealität der Menschen ein. Besonders dann, wenn die Sonne untergeht, sich die Dämmerung über die Stadt senkt und die Lichter der Straßenlaternen angehen, stellt sich eine beklemmende Frage immer lauter und drängender: Können wir uns draußen, im öffentlichen Raum unserer eigenen Stadt, eigentlich noch wirklich sicher fühlen?

Die jüngste Eskalation der Gewalt, die dieses mulmige Gefühl auf dramatische Weise bestätigt, ereignete sich mitten im Herzen der Stadt, im viel frequentierten und dicht besiedelten Szenebezirk Berlin-Kreuzberg. An einem ganz gewöhnlichen Dienstagabend, einer Zeit, zu der die meisten Menschen ihren Feierabend genießen, sich mit Freunden auf ein Getränk treffen oder einfach nur auf dem Heimweg von der Arbeit sind, wurde diese alltägliche Ruhe plötzlich durch die ohrenbetäubenden Peitschenschläge von Schusswaffen zerrissen. Zwei Männer wurden auf offener Straße zur Zielscheibe skrupelloser Täter und erlitten schwere Schusswunden an den Beinen. Blut floss auf dem Berliner Asphalt. Ein Szenario, das die unbeteiligten Augenzeugen in blanke Panik versetzte. Die Verletzten brachen zusammen und mussten umgehend von alarmierten Rettungskräften notfallmedizinisch versorgt und eiligst ins nächstgelegene Krankenhaus transportiert werden.

Die Täter hingegen zeigten ein Höchstmaß an krimineller Energie und Kaltblütigkeit. Zeugen, die das furchtbare Geschehen mitansehen mussten, berichteten übereinstimmend, dass die Schützen unmittelbar nach der blutigen Tat in ein bereitstehendes Auto sprangen und rücksichtslos vom Tatort flüchteten. Sie verschwanden im Dunkel der Großstadt, noch lange bevor die ersten Streifenwagen der Berliner Polizei mit heulenden Sirenen überhaupt die Chance hatten, entscheidend in das Geschehen einzugreifen oder das Gebiet weiträumig abzuriegeln. Diese fast schon professionell anmutende Flucht hinterlässt ein fatales Signal in der Bevölkerung: Kriminelle können auf offener Straße zur Waffe greifen, Menschen schwer verletzen und sich danach einfach dem Zugriff des Staates entziehen.

Was diese brutale Schießerei in Kreuzberg für viele Menschen so extrem beunruhigend, ja geradezu traumatisch macht, ist die bittere Erkenntnis: Es ist absolut kein Einzelfall. Es ist kein isoliertes Ereignis, das man als tragische Ausnahme in einer Millionenmetropole abtun könnte. Die Gewaltspirale dreht sich stetig weiter. Erst vor wenigen, kurzen Wochen stockte den Berlinern der Atem, als bekannt wurde, dass ein völlig wehrloser Autofahrer in seinem Fahrzeug angeschossen und schwer verletzt wurde. Wenn man den Nachrichten aufmerksam zuhört, die Meldungen der Polizei studiert und die Berichte aus den Notaufnahmen verfolgt, dann drängt sich unweigerlich der schreckliche Verdacht auf: Solche extremen, lebensbedrohlichen Gewalttaten passieren immer wieder. Die Abstände zwischen den Vorfällen scheinen kürzer zu werden, die Hemmschwellen der Täter sinken drastisch. Ob in Kreuzberg, im benachbarten Neukölln oder in anderen Teilen der einst so als sicher geltenden Hauptstadt – die Schusswaffe scheint bei manchen Konflikten erschreckend locker zu sitzen.

Ganz ehrlich, wenn man als normaler, gesetzestreuer Bürger solche Meldungen hört, ist man jedes Mal aufs Neue schockiert, fassungslos und in gewisser Weise auch desillusioniert. Wir sprechen hier nicht von einem Krisengebiet, nicht von einem rechtsfreien Raum am anderen Ende der Welt. Wir sprechen von der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland, einer der reichsten Nationen der Erde. Einer Stadt, die über einen enormen Polizeiapparat verfügt und die den unbedingten Anspruch haben muss, das Gewaltmonopol des Staates flächendeckend und ohne jede Ausnahme durchzusetzen. Und dennoch haben unzählige Menschen inzwischen ein massives, beklemmendes und allgegenwärtiges mulmiges Gefühl, wenn sie abends das Haus verlassen müssen.

Pkw rast rückwärts durch Zaun - Dorsten.live!

Dieses Gefühl ist nicht irrational, es ist die direkte Folge einer Realität, die man auf den Straßen spürt. Besonders Frauen, die abends auf schlecht beleuchtete Wege angewiesen sind, oder junge Menschen, die sich an öffentlichen Plätzen aufhalten, werfen vermehrt besorgte Blicke über die Schulter. Sie scannen intuitiv ihr Umfeld, sie meiden bestimmte U-Bahnhöfe oder Parks, sie schreiben ihren Familien Nachrichten, wenn sie sicher zu Hause angekommen sind. Wenn diese Bürger dann zusätzlich auf die nackten Zahlen der Kriminalstatistiken blicken, auf die steigende Zahl von Körperverletzungen, Raubüberfällen und Waffendelikten, dann fragen sie sich völlig zurecht: Wie sicher sind diese Berliner Straßen wirklich noch? Ist der Schutz, den der Staat uns garantiert, in der Realität nur noch eine hohle Phrase?

Die alles überlagernde, entscheidende große Frage bleibt also unbeantwortet im Raum stehen: Wie konnte es eigentlich so weit kommen? Wie konnte eine Metropole, die sich so gerne als weltoffen und lebensfroh präsentiert, stellenweise zu einem Pflaster mutieren, auf dem Konflikte mit Schusswaffen und Messern ausgetragen werden? Wie oft haben wir als Bürger in den vergangenen Jahren, besonders nach solchen schockierenden Vorfällen, die hochheiligen Versprechen der verantwortlichen Politiker gehört? Es hieß stets, man sei zutiefst betroffen, man werde den Kontrolldruck erhöhen, man dulde keine rechtsfreien Räume, und die innere Sicherheit bekomme absolute Priorität. Es wurden Kameras installiert, Sonderkommissionen gegründet und große Reden in den Parlamenten geschwungen.

Doch für die Menschen, die jeden Tag in diesen Vierteln leben, arbeiten und ihre Kinder großziehen, fühlt sich die Realität radikal anders an als die geschliffenen Formulierungen auf den Pressekonferenzen. Statt dass das Leben spürbar sicherer, geordneter und entspannter wird, haben viele den unausweichlichen Eindruck, dass sich die Situation von Jahr zu Jahr eher weiter zuspitzt. Das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates erodiert in einem beängstigenden Tempo. Wenn der Staat es nicht mehr schafft, die elementarste Voraussetzung für ein freies Leben – nämlich die körperliche Unversehrtheit seiner Bürger im öffentlichen Raum – zu garantieren, dann steht der gesellschaftliche Frieden massiv auf dem Spiel.

Genau aus diesem Grund wächst bei immer mehr Menschen die tief greifende Sorge um die Sicherheit in ihrer eigenen geliebten Stadt. Sie wollen sich nicht damit abfinden, dass Schießereien auf offener Straße als eine Art “Großstadtrisiko” hingenommen werden. Sie fordern eine konsequente, harte und effektive Strafverfolgung, eine sichtbare Polizeipräsenz, die Respekt einflößt, und eine Politik, die die Augen nicht vor den harten Realitäten verschließt. Ein Land und eine Stadt können nur dann florieren, wenn sich die Menschen, die dort leben, frei von Angst bewegen können. Berlin steht an einem kritischen Scheideweg, und die Schüsse von Kreuzberg sind ein weiteres, ohrenbetäubendes Alarmsignal, das niemand mehr überhören darf. Es ist an der Zeit, dass auf große politische Worte endlich spürbare Taten folgen – bevor die nächste Nacht in der Hauptstadt wieder von Sirenen und Blaulicht zerrissen wird.