Es sind Worte, die in der aktuellen politischen Debatte einschlagen wie ein Blitz. Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, ein Mann, der in seiner Amtszeit maßgeblich die Weichen für die deutsche Wirtschaftskraft stellte, meldet sich mit einer Wucht zurück, die das politische Establishment in Brüssel und Berlin gleichermaßen erschüttern dürfte. In einer Zeit, in der die Unsicherheit unter den Bürgern wächst, legt Schröder die Karten schonungslos auf den Tisch. Sein Hauptziel: Die Europäische Union, insbesondere Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, und eine aus seiner Sicht vollkommen fehlgeleitete deutsche Regierungspolitik. Was Schröder formuliert, ist mehr als nur Kritik – es ist eine scharfe Abrechnung mit dem Status quo und ein eindringlicher Weckruf für die Souveränität Deutschlands.

Der Verlust der nationalen Entscheidungskraft

Für das Brüsseler Parkett ist Gerhard Schröder längst zur Persona non grata geworden. Seine beharrliche Nähe zu Russland und seine Weigerung, sich dem Mainstream der europäischen Eliten klaglos unterzuordnen, haben ihn dort zur Zielscheibe gemacht. Doch genau daraus schöpft Schröder offenbar seine Freiheit, unangenehme Wahrheiten auszusprechen. Im Zentrum seiner Kritik steht die enorme Machtverschiebung zugunsten der Europäischen Union. Schröder bemängelt, dass Deutschland fundamentale wirtschaftliche Herausforderungen heute gar nicht mehr eigenständig lösen könne.

Die Realität, so der Altkanzler, sehe dramatisch aus: Regularien, die den Kern der deutschen Wirtschaft angreifen, werden längst nicht mehr in Berlin, sondern in Brüssel gemacht. Als paradehafte Beispiele nennt er das europäische Lieferkettengesetz und das umstrittene Verbrennerverbot. Letzteres bezeichnet er als “existenziell für unsere Automobilindustrie”. Die bittere Wahrheit sei, dass die Entscheidungsmacht den nationalen Parlamenten komplett entglitten ist. Selbst wenn der Deutsche Bundestag oder eine 80-prozentige Mehrheit im Europäischen Parlament das Verbrennerverbot kippen wollten, läge die rechtliche Macht zur Rücknahme einzig bei der Europäischen Kommission.

Schröder nennt dies ein massives “demokratietheoretisches Problem”. Es manifestiere eine Ohnmacht der nationalen Politik, die unweigerlich zu Frustration in der Bevölkerung führe. Wenn Wähler erkennen, dass sie über existenzielle wirtschaftliche Grundlagen ihres Landes nicht mehr mitbestimmen können, stelle sich unweigerlich die Frage nach dem Sinn politischer Teilhabe. Damit greift Schröder exakt jenen Nerv der Zeit auf, der die tiefe Spaltung im Land und den Aufstieg oppositioneller Kräfte wie der AfD erklärt: Das Gefühl, dass Brüssel gnadenlos diktiert, während Berlin lediglich kuscht.

Scharfe Attacke auf Ursula von der Leyen und die EU-Außenpolitik

Besonders brisant wird es, wenn Gerhard Schröder die Person Ursula von der Leyen ins Visier nimmt. Seine Worte sind von einer Direktheit geprägt, die in der weichgespülten Rhetorik des modernen Politikbetriebs selten geworden ist. Zu seiner eigenen Zeit als Kanzler, so Schröder, habe Brüssel niemals einen derart dominanten Einfluss auf die Geschicke Deutschlands gehabt. Heute jedoch wirke es, als regiere von der Leyen das Land anstelle des eigenen Bundeskanzlers. Schröder fordert unmissverständlich, dass Deutschland wieder eigene, souveräne Entscheidungen treffen müsse – und dabei die Brüsseler Kommission schlichtweg außen vor lassen sollte.

Vor allem die Außen- und Sicherheitspolitik der EU-Kommissionspräsidentin ist dem Altkanzler ein Dorn im Auge. Er wirft ihr vor, mit einer “plumpen Anti-Russland-Rhetorik” Europa und insbesondere Deutschland massiv zu schaden. Anstatt den Konflikt in der Ukraine durch immer mehr Waffenlieferungen und neue Sanktionspakete weiter anzuheizen, fordert Schröder eine Rückkehr zur Diplomatie. Das primäre Ziel müsse es sein, das Blutvergießen zu stoppen und eine gemeinsame Lösung zu finden – frei von Illusionen, aber geprägt von pragmatischer Realpolitik.

Diese Haltung ist keine isolierte Meinung eines politischen Pensionärs. Bei einer hochkarätigen und vielbeachteten Diskussionsrunde in Wien traf sich Schröder kürzlich mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Beide Politiker zeichneten ein düsteres Bild der europäischen Handlungsfähigkeit. Europa, so der Konsens, sei derzeit in der Lage, Kriege zu finanzieren und zu schaffen, aber völlig unfähig, Frieden zu stiften. Schröder kritisierte die amtierende deutsche Regierung unter Kanzler Friedrich Merz als schwach; sie reagiere lediglich auf den Druck aus Washington und Brüssel, anstatt selbstbewusst eigene Friedensinitiativen zu starten.

Orbán pflichtete Schröder bei und erinnerte daran, dass bereits 2022 ein diplomatischer Durchbruch greifbar nah war. Dieser sei jedoch durch westliche Interventionen, maßgeblich aus London, sabotiert worden. Beide Männer teilen die nüchterne Analyse: Russland ist militärisch nicht zu schlagen. Je länger der Krieg in der Ukraine wütet, desto verheerender werden die Konsequenzen für das zerstörte Land sein. Die Politik der EU-Führung, angeführt von Ursula von der Leyen, bezeichnete Orbán in Anwesenheit Schröders als “obsessive Konfrontationspolitik”, die Europa diplomatisch “barbarisiert” habe.

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Masochistischer Transatlantismus und die Rolle der USA

Doch nicht nur im Umgang mit Russland sieht Schröder Europa auf einem Irrweg. Auch die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten betrachtet er mit größter Sorge. Er wirft Ursula von der Leyen vor, sich von Donald Trump erpressen zu lassen. Milliardenbeträge fließen in Rüstung und NATO-Beiträge, ohne dass Europa dafür einen greifbaren Gegenwert oder Respekt erhält. Schröder prägt dafür den scharfen Begriff des “masochistischen Transatlantismus”.

Während Trump mit Zöllen droht oder absurde Ideen wie den Kauf von Grönland ins Spiel bringt, reagiert Europa aus Schröders Sicht mit falscher Unterwürfigkeit. Er warnt eindringlich davor, dass diese Schwäche Deutschland in fremde Konflikte hineinziehen könnte – sei es im Iran oder in der anhaltenden Eskalation in der Ukraine. Hier gibt er explizit seinem Parteikollegen Boris Pistorius recht, der betonte, der Iran-Konflikt sei nicht Deutschlands Krieg. Für Schröder muss diese Doktrin jedoch genauso für die Ukraine gelten. Die oberste Pflicht deutscher Politik müsse es sein, Schaden vom eigenen Land abzuwenden, anstatt sich als moralischer Weltmeister in ruinöse Konflikte zu stürzen.

Abrechnung mit der Migrationspolitik und der Regierung Merz

Ein weiteres zentrales Thema, bei dem Schröder kein Blatt vor den Mund nimmt, ist die desaströse Migrationspolitik. Seit der großen Flüchtlingskrise des Jahres 2015 ist über ein Jahrzehnt vergangen, und Brüssel hat es bis heute nicht vermocht, ein tragfähiges, vernünftiges Konzept zu etablieren. Erst jetzt, da der politische Druck enorm gewachsen ist, kommt langsam Bewegung in die Thematik.

Schröder ist besonders alarmiert über die explosionsartig steigenden Zahlen bei den Einbürgerungen in Deutschland. Er zitiert dramatische Entwicklungen aus Städten wie Essen, wo sich die Einbürgerungszahlen innerhalb weniger Jahre vervielfacht haben. Bundesweit wurde 2024 ein neuer Höchststand von fast 300.000 Einbürgerungen erreicht. Dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier wirft er vor, in der Migrationskrise lediglich neue Rekorde aufzustellen, anstatt für geordnete Verhältnisse und echte Kontrolle zu sorgen.

Die zögerliche Haltung der Union und insbesondere von Kanzler Merz bei Abschiebungen wird von Schröder in der Luft zerrissen. Er bezeichnet Merz’ “Wischi-Waschi-Haltung” in einem Interview mit dem Handelsblatt als fatalen Fehler, der letztlich nur die politischen Ränder stärkt. Schröder fordert nach schockierenden Straftaten, wie jenen auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt, ein kompromissloses Durchgreifen des Staates. Wer schwere Straftaten begeht, habe in Deutschland keinen Platz – unabhängig von seinem kulturellen Hintergrund. Die Politik dürfe nicht vor Herkunftsländern wie Syrien einknicken, wenn es um zwingend notwendige Rückführungen geht. Schröders klare Botschaft lautet: Deutschland braucht keine politische Kosmetik mehr, sondern echte Kontrolle, staatliche Härte und einen gesunden Realitätssinn.

Ein politisches Vermächtnis im Spannungsfeld

Ursula von der Leyen erneut vor Misstrauensvotum im EU-Parlament

Dass Gerhard Schröder mit diesen ungeschönten Analysen in der eigenen Partei auf Widerstand stößt, verwundert kaum. Die aktuelle SPD-Führung unter Lars Klingbeil betrachtet ihn als politisch isoliert. Seine Weigerung, sich von Wladimir Putin komplett loszusagen, führte sogar zu Anträgen auf Parteiausschluss – die jedoch vor der Schiedskommission krachend scheiterten, da Schröder sich nichts zuschulden kommen ließ und den Krieg durchaus verurteilt hatte.

Trotz der öffentlichen Ächtung durch die Parteispitze genießt der Altkanzler an der Basis nach wie vor enormen Respekt. Für viele Sozialdemokraten und Bürger im ganzen Land verkörpert Schröder eine Ära, in der Politik noch greifbar, entschlussfreudig und vor allem an den nationalen Interessen ausgerichtet war. Es war eine Zeit, in der Deutschland international außenpolitisches Gewicht besaß und sich nicht von bürokratischen Institutionen gängeln ließ.

Gerhard Schröders Aussagen sind weit mehr als die Beschwerden eines ehemaligen Politikers. Sie fassen die tiefgreifende Unzufriedenheit zusammen, die Millionen von Bürgern in Deutschland heute empfinden. Ob es die drückende Last der EU-Bürokratie ist, die ausufernde Migrationskrise, die schwindende Wettbewerbsfähigkeit der Industrie oder die Angst vor einer endlosen kriegerischen Eskalation – Schröder legt den Finger in die offenen Wunden unserer Zeit. Sein Fazit ist ein Appell an das ganze Land: Deutschland muss aufwachen, seine Souveränität zurückfordern und braucht Führungspersönlichkeiten, die den Mut haben, wieder echte, interessensgeleitete Politik für die eigenen Bürger zu machen. Die Zeit des Kuschens, so die unmissverständliche Botschaft des Altkanzlers, muss endgültig vorbei sein.