Es gibt Nachrichten, die klingen im ersten Moment wie ein schlechter Scherz, entpuppen sich bei genauerem Hinsehen jedoch als handfester Skandal. Ein Skandal, der weit über einen bloßen redaktionellen Fehler hinausgeht und direkt den Kern unseres demokratischen Diskurses trifft. Genau das passiert derzeit rund um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland. Das ZDF, eines der mächtigsten und teuersten Medienhäuser der Welt, musste kürzlich eine Manipulation einräumen, die fassungslos macht. Es geht um Wahldiagramme, die gezielt verzerrt wurden, um fadenscheinige Ausreden und um die fundamentale Frage: Wofür zahlen Millionen von Bürgern in diesem Land eigentlich noch ihre Zwangsgebühren?

Der Vorfall ereignete sich im direkten Nachklang der jüngsten Wahl in Baden-Württemberg. In gleich mehreren Ausgaben der renommierten Nachrichtensendungen „heute“ und „heute live“ – Formate, die eigentlich für journalistische Präzision und unantastbare Seriosität stehen sollten – wurde eine Grafik zur Sitzverteilung im Parlament eingeblendet. Obwohl die reine Zahlenangabe der Sitze für die AfD (35 Sitze) formal korrekt war, war das dazugehörige Tortendiagramm optisch massiv und unübersehbar verzerrt. Der Balken der AfD war lediglich 1,6-mal so groß dargestellt wie der der SPD, obwohl die Sozialdemokraten gerade einmal auf magere zehn Sitze kamen. Eine solch eklatante Diskrepanz fällt jedem Betrachter sofort ins Auge. Und als wäre dieser Fehler nicht schon schlimm genug, flimmerte diese falsche, manipulative Grafik ganze viermal über die deutschen Bildschirme. Viermal. Zur besten Sendezeit.

Wie reagiert ein Sender, der sich rühmt, das Qualitätsmedium schlechthin zu sein, auf einen solchen Fehler? Mit einer Ausrede, die an Absurdität kaum zu überbieten ist. Ein Sprecher erklärte gegenüber Medienvertretern allen Ernstes, schuld an dieser Manipulation sei ein „komplexes Grafikprogramm“. Man habe angeblich aus Versehen eine falsche Zahl eingetippt. Es ist eine Erklärung, die bei jedem denkenden Menschen unweigerlich Fragen aufwirft. Wie kann es sein, dass hochbezahlte, bestens ausgebildete Redakteure und Techniker eines milliardenschweren Senders nicht in der Lage sind, ein Diagramm korrekt zu erstellen? Und warum passieren derartige „technische Pannen“ und „komplexe Fehler“ komischerweise nie zulasten der SPD oder der Grünen? Warum treffen diese „Versehen“ verlässlich und mit schöner Regelmäßigkeit immer nur bestimmte politische Lager?

Alice Weidel brachte die Empörung vieler Bürger kürzlich prägnant auf den Punkt: Es werde offenkundig manipuliert, und anschließend verkaufe man den Zuschauern alles dreist als bloßen technischen Fehler oder unglücklichen Zufall. Diese Kritik trifft den Nerv einer wachsenden Zahl von Gebührenzahlern. Sie haben das Gefühl, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk längst nicht mehr als neutraler Beobachter und Berichterstatter agiert, sondern als politischer Akteur mit einer klaren, oft einseitigen Agenda auftritt.

Global Task Force mit neuem Vorsitzenden - Personalie: Norbert Himmler »  Leadersnet

Besonders brisant wird diese Entwicklung, wenn man sich die jüngsten Äußerungen von ZDF-Intendant Norbert Himmler ansieht. Bei einer Fernsehratssitzung sprach er belehrend davon, dass es in der Republik eine wachsende Zahl von Menschen gebe, die nur noch das hören und glauben wollten, was in ihr eigenes Weltbild passe. Gleichzeitig stempelte er neue, alternative Medien pauschal als „Feinde der Demokratie“ ab. Es entbehrt nicht einer gewissen bitteren Ironie, dass ausgerechnet der Chef eines Senders, der wegen eklatanter Grafik-Manipulationen in Erklärungsnot steckt, sich als oberster moralischer Wächter der Demokratie aufspielt. Wer abweichende Meinungen und kritische alternative Medien pauschal diffamiert, zeigt ein Demokratieverständnis, das zutiefst bedenkliche Züge trägt.

Doch das Problem der öffentlich-rechtlichen Sender beschränkt sich längst nicht nur auf das ZDF. Auch beim Bayerischen Rundfunk (BR24) reihen sich journalistische Verfehlungen aneinander. Ein aktuelles Beispiel liefert die Berichterstattung zum Jahrestag der Tragödie von Fukushima. In einem Artikel wurde zunächst ausschließlich von einer „Atomkatastrophe“ gesprochen, der angeblich 20.000 Menschen zum Opfer gefallen seien. Die historische und wissenschaftliche Tatsache, dass diese Menschen in Wahrheit durch das verheerende Erdbeben der Stärke 9,0 und den gewaltigen, anschließenden Tsunami starben, wurde zunächst komplett verschwiegen oder erst im Nachhinein beiläufig ans Ende des Textes gequetscht. Solche Framings sind keine Fehler – es sind bewusste redaktionelle Entscheidungen, die darauf abzielen, ein bestimmtes, in diesem Fall ideologisch motiviertes, Narrativ zu bedienen.

All diese mediale Meinungsmache geschieht vor einem knallharten realpolitischen und wirtschaftlichen Hintergrund, den die Bürger in ihrem Alltag täglich spüren. Bleiben wir beim Beispiel Baden-Württemberg: Dieses Land ist das stolze Herz der deutschen Automobilindustrie. Städte wie Stuttgart, Sindelfingen oder Rastatt stehen synonym für Wohlstand, ingenieurskünstlerische Meisterleistungen und sichere Arbeitsplätze. Doch dieses Fundament bröckelt massiv. Die Arbeiterschaft ist zutiefst verunsichert. Stellenabbau, drohende Werksschließungen und die politisch erzwungene Unsicherheit über die Zukunft des Verbrennungsmotors sind reale, existenzielle Bedrohungen. Die Menschen spüren, dass politische Versprechungen, die Wirtschaft zu stützen, hohl sind, wenn zeitgleich Maßnahmen durchgedrückt werden, die genau diese Wirtschaft zerstören.

Und exakt hier liegt der tiefere Grund für das schwindende Vertrauen in die klassischen Medien. Die Wähler – insbesondere die hart arbeitende Schicht – fühlen sich von den etablierten Parteien verraten und von den Leitmedien ignoriert oder gar belogen. Wenn die Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz und den Wohlstand der Familie in den Abendnachrichten klein geredet oder politische Erfolge der Opposition buchstäblich weggeschrumpft werden, dann zerbricht das Band zwischen Sender und Empfänger. Thomas Heinrich, Leiter der ZDF-heute-Redaktion, nannte den Vorfall einen „sehr ärgerlichen Fehler in Zeiten, in denen das Vertrauen in Medien unter Druck ist.“ Das ist eine bemerkenswert ehrliche Selbsteinschätzung. Doch sie greift zu kurz. Das Vertrauen ist nicht einfach nur „unter Druck“ – es ist bei Millionen von Menschen schlichtweg nicht mehr existent.

Porträt Alice Weidel: Radikal mit bürgerlichem Anstrich | tagesschau.de

Ein Fehler ist lösbar. Eine Grafik kann korrigiert werden. Doch wenn sich redaktionelle „Versehen“ in eine bestimmte politische Richtung häufen, ist der Verweis auf die Technik eine Beleidigung für den Verstand der Zuschauer. Die Bürger verlangen zurecht eine ehrliche Auseinandersetzung darüber, wie und von wem in diesen Anstalten redaktionelle Entscheidungen getroffen werden. Solange ein System, das sich jährlich mit Milliarden an Zwangsgebühren finanzieren lässt, keine echte Neutralität, Transparenz und politische Ausgewogenheit garantiert, wird der Ruf nach seiner Abschaffung nicht leiser werden. Er wird ohrenbetäubend. Die Zeit der billigen Ausreden ist endgültig vorbei.