Es war einer dieser seltenen TV-Momente, in denen die sorgsam aufgebaute Fassade politischer Korrektheit in sich zusammenbrach und die ungeschönte Realität in das deutsche Wohnzimmer flimmerte. Wenn Wolfgang Bosbach (CDU) und Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) aufeinandertreffen, prallen nicht nur zwei politische Lager aufeinander, sondern zwei völlig unterschiedliche Wahrnehmungen dessen, was sich derzeit auf deutschen Straßen, Plätzen und Stadtfesten abspielt. Die jüngste Debatte offenbarte einen tiefen Riss zwischen einer grün-ideologischen Wunschwelt und der harten, oft bitteren Lebensrealität von Millionen Bürgern. Ein rhetorischer Schlagabtausch, der das Publikum im Studio mitriss – und eine klare Botschaft an die Regierung sendete.

Der Konflikt entzündete sich an einem Begriff, der in seiner Einfachheit eigentlich unschuldig klingt: „Mein Land“. Als Göring-Eckardt von „ihrem Land“ sprach, in dem sie Zusammenhalt und Vielfalt beschwor, hakte Bosbach gnadenlos ein. Er machte unmissverständlich klar, dass er – und offensichtlich auch ein Großteil der Bevölkerung – in diesem rosarot gemalten Land schon lange nicht mehr lebt. Bosbach holte die Grünen-Politikerin rhetorisch dorthin zurück, wo es nach seinen Worten „an allen Ecken und Enden brennt“. Er sprach das aus, was die Menschen auf den Straßen täglich fühlen: einen massiven Kontrollverlust, schwindende Sicherheit und das beklemmende Gefühl, dass der Staat seine Kernaufgabe – den Schutz seiner Bürger – nicht mehr adäquat erfüllen kann. Das Publikum quittierte Bosbachs schonungslose Ehrlichkeit mit ohrenbetäubendem Applaus. Es war der Applaus jener Menschen, die es satt haben, dass ihre täglichen Sorgen mit Verweisen auf den syrischen Arzt oder die philippinische Krankenschwester weggewischt werden.
Bosbach stellte klar: Niemand hat ein Problem mit Menschen, die sich integrieren und hart arbeiten. Das eigentliche, oft tabuisierte Problem sind junge, bindungslose Männer aus dem arabischen und nordafrikanischen Raum, die eine erschreckend hohe Gewaltbereitschaft an den Tag legen. Wer dieses Problem aus lauter politischer Korrektheit verschweigt, begeht Verrat an den Bürgern und treibt sie geradewegs in die Arme radikaler Ränder. Doch anstatt sich dieser harten Realität zu stellen, flüchtete sich Göring-Eckardt in Ausflüchte und juristische Spitzfindigkeiten.
Besonders absurd wurde die Diskussion beim Thema Abschiebungen von kriminellen Straftätern. Während das Oberverwaltungsgericht Münster längst festgestellt hat, dass Abschiebungen nach Syrien grundsätzlich wieder möglich sind, blockiert die Politik. Die Situation wird vollends grotesk, wenn man bedenkt, dass Asylbewerber laut Berichten inzwischen unbehelligt in Afghanistan oder Syrien Urlaub machen – in genau jenen Ländern also, aus denen sie angeblich um ihr Leben geflohen sind. Als Bosbach die Grünen-Politikerin fragte, ob sie wenigstens bereit sei, verurteilte Gefährder in diese Länder abzuschieben, lieferte Göring-Eckardt eine Antwort, die man getrost als Kapitulationserklärung des Rechtsstaates bezeichnen kann. Sie warnte ernsthaft davor, diese Straftäter nach Afghanistan auszufliegen, weil sie dort nicht ins Gefängnis kämen, womöglich gefeiert würden und dann schnell wieder in Deutschland auf der Matte stünden. Deshalb, so die haarsträubende Schlussfolgerung, sollten sie lieber sicher in deutschen Gefängnissen bleiben. Ein Affront für jeden Steuerzahler, der für die Unterbringung hochkrimineller Gewalttäter aufkommen muss, während diese ihr Asylrecht längst verwirkt haben.

Ein weiteres Zeugnis politischer Hilflosigkeit zeigte sich in der Debatte um sogenannte Messerverbotszonen. Nach den furchtbaren Ereignissen auf Stadtfesten und an öffentlichen Plätzen diskutiert die Politik ernsthaft über Klingenlängen. Bosbach entlarvte diese Debatte als reine Symbolpolitik. Ein Schild, das Waffen verbietet, hält keinen entschlossenen Täter von einer Bluttat ab – schon gar nicht, wenn ohnehin das Personal fehlt, um solche Verbote auch rigoros durchzusetzen. „Das Problem ist nicht die Klinge, sondern das andere Ende der Klinge“, brachte Bosbach es messerscharf auf den Punkt. Warum tragen junge Männer im öffentlichen Nahverkehr überhaupt Messer bei sich, wenn nicht aus einer latenten Gewaltbereitschaft heraus?
Die bittere Konsequenz dieser verfehlten Politik tragen die normalen Bürger. Wenn Straftaten passieren, wird nicht primär der Täterkreis in den Fokus gerückt, sondern der öffentliche Raum wird immer weiter eingeschränkt. Feste werden abgesagt, Sicherheitskontrollen werden zum Alltag, und bestimmte Zonen gelten nach Einbruch der Dunkelheit als No-Go-Areas. Der absolute Tiefpunkt dieser Täter-Opfer-Umkehr manifestierte sich kürzlich in der Frage einer TV-Moderatorin nach einem Vorfall in Aschaffenburg: Ein Kindergartenkind wurde bei einem Ausflug in einem Park angegriffen. Die ungläubige Frage der Journalistin lautete nicht, wie es sein kann, dass ein bewaffneter Täter frei herumläuft, sondern: „Warum gehen die Kinder denn dort spazieren? Das ist doch ein gefährlicher Ort.“
Diese Logik ist der Anfang vom Ende einer freien Gesellschaft. Wenn wir uns daran gewöhnen, dass Kinder nicht mehr im Park spielen dürfen, dass Frauen abends bestimmte Viertel meiden müssen und dass öffentliche Feiern zu Hochsicherheitstrakten werden, dann haben wir kapituliert. Wir bestrafen die anständigen Bürger mit Verboten und Einschränkungen, weil der Staat nicht den Mut aufbringt, gegen die eigentlichen Gefährder mit der vollen Härte des Gesetzes durchzugreifen.

Der Auftritt von Wolfgang Bosbach war ein dringend benötigter Weckruf. Er zeigte eindrucksvoll, dass es noch Politiker gibt, die bereit sind, die Dinge beim Namen zu nennen, ohne Angst vor dem Shitstorm der Empörten. Die Menschen in diesem Land sehnen sich nach Humanität für diejenigen, die wirklich Schutz brauchen, aber sie verlangen ebenso nach Ordnung und Sicherheit. Wenn die etablierte Politik weiterhin die Augen vor der Realität verschließt und sich in symbolischen Messerverbotszonen verliert, anstatt konsequent abzuschieben und die Grenzen zu kontrollieren, wird das Vertrauen in die Demokratie irreparablen Schaden nehmen. Es ist höchste Zeit, dass die Politik endlich wieder für die Sicherheit der Bürger sorgt, die dieses Land am Laufen halten – bevor wir alle zu Gefangenen in unserer eigenen Heimat werden.
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