Es sind Szenen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen und die gleichzeitig ein grelles Schlaglicht auf den tiefen gesellschaftlichen Riss in unserem Land werfen. Mitten auf einer deutschen Straße treffen zwei Welten aufeinander, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Auf der einen Seite ein junger, provokanter Interviewer mit Migrationshintergrund, der die deutschen Werte und Freiheiten schonungslos infrage stellt. Auf der anderen Seite eine 75-jährige deutsche Rentnerin, die den Inbegriff von Weltoffenheit und Toleranz verkörpert – und die dennoch aus tiefer Verzweiflung heraus am hellichten Tag in Tränen ausbricht. Dieser hochgradig emotionale und eskalierende Dialog, der sich derzeit rasend schnell im Internet verbreitet, ist weit mehr als nur ein flüchtiger Streit unter Passanten. Es ist das destillierte Sinnbild eines grandios gescheiterten Integrationsversprechens und der stumme Schrei einer Generation, die sich im eigenen Land nicht mehr zu Hause fühlt.

Um die volle Tragweite dieser Begegnung zu begreifen, muss man sich die Protagonistin dieses Videos genauer ansehen. Diese 75-jährige Dame ist keine verbitterte, isolierte Frau, die aus Unwissenheit Vorurteile hegt. Im Gegenteil: Sie ist eine Frau von Welt. Sie spricht sechs Fremdsprachen, hat sieben Jahre in Japan, zwei Jahre in Ägypten und drei Jahre im ehemaligen Jugoslawien gelebt. Sie war mit einem Japaner verheiratet, ihre Geschwister haben Partner aus Italien, Russland und Rumänien. Sie ist das lebende Beispiel für das, was man gemeinhin als “Multikulti” bezeichnet. Doch genau diese Frau, die Toleranz nicht nur predigt, sondern ihr ganzes Leben lang praktiziert hat, zieht nun einen drastischen Schlussstrich.

Mit einer bewundernswerten Mischung aus Fassungslosigkeit und aufsteigender Wut tritt sie den rhetorischen Angriffen des Interviewers entgegen. Dieser versucht beharrlich, die westliche und deutsche Gesellschaft als “barbarisch” abzustempeln. Sein Argumentationsmuster ist dabei so durchschaubar wie perfide: Weil Deutschland ein freies Land ist, in dem der Konsum von Alkohol, Freizügigkeit und persönliche Selbstbestimmung nicht staatlich verboten sind, sei die Gesellschaft angeblich moralisch verkommen und trage die Schuld daran, dass junge Menschen vom rechten Weg abkommen. Eine groteske Täter-Opfer-Umkehr.

Die Rentnerin pariert diese Vorwürfe mit messerscharfer Logik und verweist auf das wichtigste Gut unserer Zivilisation: den freien Willen und die Eigenverantwortung. Wer in einer Demokratie lebt, hat die Freiheit, Entscheidungen zu treffen. Das Gehirn sei zum Denken da, argumentiert sie treffend. Wenn jemand Alkohol trinkt oder Drogen konsumiert, ist das seine persönliche Entscheidung und nicht die Schuld “der deutschen Gesellschaft”. Es zeugt von einer gefährlichen ideologischen Verblendung, wenn Zuwanderer in ein freies Land kommen und anstatt diese Freiheit zu schätzen, fordern, dass sich das Gastland in ein rigides, autoritäres System verwandelt, nur weil man selbst nicht in der Lage ist, mit dieser Freiheit verantwortungsvoll umzugehen.

Der Kern des Konflikts entzündet sich an dem zentralen Begriff der Anpassung. Die Seniorin schildert eindrucksvoll ihre eigenen Erfahrungen als Ausländerin in fernen Ländern. In Japan hätte sie sich niemals getraut, die kulturellen Regeln zu brechen, aus Respekt vor ihren Gastgebern. In Ägypten lernte sie umgehend Arabisch, um Teil der Gesellschaft zu werden. Die unausgesprochene Regel weltweit lautet: Wer als Gast in ein fremdes Land kommt, passt sich an. Doch in Deutschland, so stellt sie unter Tränen fest, scheint diese universelle Regel außer Kraft gesetzt. Hier isolieren sich viele Zuwanderer bewusst, verweigern die Sprache, verachten die Kultur und geben bei jedem Konflikt prinzipiell den Deutschen die Schuld.

Birte Meier einigt sich mit dem ZDF - Medien - SZ.de

Besonders hart geht die ältere Dame mit der gelebten Doppelmoral ins Gericht. Während der Interviewer sich als moralische Instanz aufspielt und die freizügigen deutschen Werte kritisiert, beobachtet sie in ihrem Alltag am Adenauerplatz ein völlig anderes Bild. Dort sieht sie arabische Männer sitzen, die offen Haschisch rauchen. Sie spricht von ihrer Zeit in Ägypten, wo hinter der frommen Fassade ein völlig anderes, oft heimliches und heuchlerisches Verhalten an der Tagesordnung war. Die Diskrepanz zwischen dem öffentlichen Pochen auf strenge religiöse Werte und dem tatsächlichen Verhalten derer, die diese Werte so lautstark einfordern, ist eklatant. Es ist diese himmelschreiende Heuchelei, die die 75-Jährige so in Rage versetzt.

Der emotionale Höhepunkt dieses Videos ist jedoch einer, der jedem Zuschauer unweigerlich einen Kloß im Hals hinterlässt. Die starke, selbstbewusste Frau bricht zusammen. Mit brechender Stimme offenbart sie ihre tiefste Angst. Sie fühlt sich ihres eigenen Landes beraubt. Muss sie, die ein Leben lang gearbeitet und Steuern gezahlt hat, in ihrem Alter jetzt Arabisch oder Türkisch lernen, um in ihrer eigenen Nachbarschaft überhaupt noch verstanden zu werden? Es ist die Ohnmacht gegenüber einer Respektlosigkeit, die ihr auf den Straßen entgegenschlägt. Einer Respektlosigkeit von jungen Männern, die in dieses Land gekommen sind, alle Vorteile des Sozialstaates und der Freiheit genießen, aber nichts als Verachtung für diejenigen übrig haben, die dieses Land aufgebaut haben.

“Ihr breitet euch aus wie Lava. Ihr fordert, fordert, fordert!”, schleudert sie dem Interviewer entgegen. Es ist der Verzweiflungsschrei einer Frau, die am Ende ihrer Kräfte ist. Sie geht sogar so weit zu sagen, dass sie in der heutigen Zeit, unter diesen gesellschaftlichen Bedingungen, aus purer Angst keine Kinder mehr in die Welt setzen würde. Ihr tun ihre eigenen Kinder und Enkelkinder leid, die in einem Land aufwachsen müssen, das zunehmend von Parallelgesellschaften, importierten Konflikten und einer schleichenden Entfremdung geprägt ist. Wenn eine derart weltoffene Großmutter solche Worte wählt, dann stehen wir nicht vor einer kleinen gesellschaftlichen Herausforderung, sondern vor einem historischen Wendepunkt.

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Dieses Video ist kein Einzelfall. Es ist ein Symptom. Es offenbart die bittere Wahrheit über eine Integrationspolitik, die über Jahrzehnte hinweg weggeschaut hat. Die falsche Toleranz gegenüber Intoleranz hat uns genau an diesen Punkt geführt. Anstatt klare Regeln und Assimilation von denen zu fordern, die dauerhaft in Deutschland leben wollen, wurde den Bürgern ein schlechtes Gewissen eingeredet. Jeder Kritiker wurde allzu schnell in eine ausländerfeindliche Ecke gedrängt. Doch diese 75-jährige Frau lässt sich nicht in diese Ecke drängen. Sie hat die Welt gesehen. Sie weiß, wovon sie spricht.

Es wird höchste Zeit, dass die Politik in Deutschland aufwacht und den Warnruf dieser Generation endlich ernst nimmt. Eine Gesellschaft kann nur dann funktionieren, wenn es einen Minimalkonsens an gemeinsamen Werten und einen tiefen, gegenseitigen Respekt gibt. Wer Gast in Deutschland ist, hat die Gesetze, die Kultur und die Menschen dieses Landes zu respektieren. Die Zeit des ständigen Entschuldigens und des vorauseilenden Gehorsams muss ein Ende haben. Wir dürfen nicht zulassen, dass die ältere Generation, die dieses Land zu dem gemacht hat, was es heute ist, sich auf ihren eigenen Straßen fürchten muss. Diese mutige Oma hat laut ausgesprochen, was Millionen denken. Es liegt nun an uns allen, diesen Dialog ehrlich, unbequem und mit der nötigen Konsequenz weiterzuführen.