Es sind Bilder, die auf den ersten Blick verstören und bei genauerem Hinsehen eine hitzige gesellschaftliche Debatte entfachen: Auf einer Demonstration in Hamburg knien Männer demütig auf dem Boden, während Frauen stehen oder sitzen. Sie werden dazu aufgefordert, tief in sich zu gehen, ihre vermeintliche “Tätervergangenheit” aufzuarbeiten und sich gegenseitig in die Augen zu blicken, um Besserung zu geloben. Parallel dazu steht die Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes auf einer Bühne – in einer schusssicheren Weste, umgeben von Sicherheitspersonal, und berichtet unter Tränen von massiven Bedrohungen durch “die Männer”. Doch was sich hier als eindrucksvolles Zeichen gegen patriarchale Gewalt präsentiert, wirft bei vielen Beobachtern und Kritikern tiefgreifende Fragen auf. Erleben wir hier einen notwendigen gesellschaftlichen Aufschrei oder vielmehr ein inszeniertes politisches Schauspiel, das weitreichende Konsequenzen für unseren Rechtsstaat und unsere Freiheitsrechte haben könnte?

Der Ursprung dieser emotional aufgeladenen Szenen liegt in einem Fall, der eigentlich in die Gerichtssäle und nicht auf die Straße oder in die Fernsehstudios gehört. Es geht um Vorwürfe im Umfeld der gescheiterten Beziehung zwischen Collien Fernandes und Christian Ulmen. Doch anstatt die Justiz ihre Arbeit machen zu lassen, wird der Fall medial und politisch ausgeschlachtet. Besonders brisant: Selbst die amtierende Justizministerin trifft sich im Rahmen von Talkshows, wie etwa bei Caren Miosga, mit Fernandes, um über den Fall zu diskutieren. Und das, obwohl noch gar kein rechtskräftiges Urteil gefallen ist und die juristischen Verfahren teilweise sogar ausgesetzt wurden.

Der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki brachte die Problematik dieser Vorverurteilung treffend auf den Punkt. Er warnte davor, dass der populistische Instinkt hier offenbar stärker wiegt als das rechtsstaatliche Prinzip. Ein solcher Auftritt der Justizministerin, bevor ein Verfahren abgeschlossen ist, muss unweigerlich als einseitige Parteinahme gewertet werden. Es ist ein gefährliches Signal, wenn Fragen von individueller Schuld und Verantwortung nicht mehr von unabhängigen Richtern nach Aktenlage entschieden werden, sondern vom Applaus des Publikums in Talkshows und auf Demonstrationen.

Doch es ist nicht nur die Missachtung der Unschuldsvermutung, die Kritiker auf den Plan ruft. Es ist vor allem die maßlose Pauschalisierung, die auf Veranstaltungen wie der Demo in Hamburg zelebriert wird. Wenn Männer kollektiv in die Pflicht genommen werden, sich für Taten zu entschuldigen, die sie nie begangen haben, betreten wir gesellschaftlich ein sehr gefährliches Terrain. Die Idee einer “Kollektivschuld” aller Männer widerspricht jedem demokratischen und rechtsstaatlichen Grundgedanken. Ein Mann, der friedlich sein Leben führt, hat keine “Tätervergangenheit” aufzuarbeiten, nur weil er das gleiche biologische Geschlecht hat wie ein mutmaßlicher Straftäter. Diese Form der emotionalen Erpressung und öffentlichen Erniedrigung trägt nichts zur Lösung echter Probleme bei, sondern spaltet die Gesellschaft in verfeindete Lager.

Auch der Auftritt von Collien Fernandes selbst sorgt für erhebliche Skepsis. Mit Tränen in den Augen und einer schusssicheren Weste am Körper spricht sie von Morddrohungen und unerträglichem psychischem Druck. Zweifellos ist jede Form von Gewaltandrohung aufs Schärfste zu verurteilen. Dennoch mutet die Szenerie für viele Beobachter befremdlich an. Informationen des Nachrichtenportals Apollo News zufolge gab es laut Einschätzung der Polizei vor Ort in Hamburg gar kein konkretes Bedrohungsszenario, das eine schusssichere Weste gerechtfertigt hätte. Dies nährt bei Kritikern den Verdacht, dass hier gezielt auf die Tränendrüse gedrückt wird, um eine bestimmte politische Agenda voranzutreiben. Es wirkt auf viele nicht wie der authentische Schmerz eines Opfers, sondern wie eine einstudierte Performance, die maximale mediale Aufmerksamkeit generieren soll.

Doch welche Agenda könnte dahinterstecken? Hier bringt die AfD-Politikerin Marie-Thérèse Kaiser in einem viel beachteten Video-Statement eine hochinteressante Perspektive ins Spiel, die den Kern der aktuellen Debattenkultur schonungslos offenlegt. Kaiser weist auf eine massive Doppelmoral innerhalb des modernen Feminismus und der öffentlichen Empörungskultur hin. Sie stellt die berechtigte Frage, warum bei bestimmten Frauen sofort uneingeschränkte Solidarität gefordert wird, während bei anderen ein ohrenbetäubendes Schweigen herrscht.

Collien Fernandes trotz Drohungen auf Demo-Bühne in Hamburg | brisant.de

Die selektive Empörung ist in der Tat eklatant. Wenn eine prominente Persönlichkeit Opfer von KI-Manipulationen oder verbalen Angriffen wird, überschlagen sich Politik und Medien in Solidaritätsbekundungen. Geht es jedoch um die unzähligen Frauen, die täglich Opfer von brutaler physischer Gewalt, von Gruppenvergewaltigungen oder sogenannten Ehrenmorden werden, bleiben die großen Aufschreie der etablierten Aktivisten oft aus. Mehr noch: Wenn politisch rechts stehende Frauen, wie etwa Politikerinnen der AfD, im Netz mit massiven, oft auch rassistisch motivierten Beleidigungen, Vergewaltigungsfantasien und Morddrohungen überzogen werden, wird dies von den gleichen Institutionen, die sich angeblich gegen “Hass und Hetze” einsetzen, oft ignoriert oder gar klammheimlich geduldet. Es entsteht der fatale Eindruck: Wer die Solidarität der Gesellschaft verdient, entscheidet sich nicht an der Schwere der Tat, sondern am politischen Parteibuch des Opfers.

Marie-Thérèse Kaiser geht jedoch noch einen Schritt weiter und beleuchtet das strategische Ziel hinter dieser emotionalisierten Debatte. Es entsteht mehr und mehr der Eindruck, dass prominente Einzelfälle wie der von Collien Fernandes instrumentalisiert werden, um weitreichende politische Maßnahmen durchzusetzen – allen voran die viel diskutierte Klarnamenpflicht im Internet. Unter dem Deckmantel des Schutzes vor digitaler Gewalt droht eine schleichende Verschiebung hin zum “gläsernen Bürger”. Die Meinungsfreiheit, ein hohes Gut unserer Demokratie, wird zunehmend relativiert. Wer jeden Kritiker pauschal als Teil eines toxischen, patriarchalen Systems abstempelt, erstickt jede sachliche Diskussion im Keim und ebnet den Weg für mehr staatliche Überwachung und Kontrolle im digitalen Raum.

Christian Ulmen im Interview über Männlichkeit | FAZ

Es ist an der Zeit, dass wir als Gesellschaft einen Schritt zurücktreten und die Mechanismen dieser Debatten kritisch hinterfragen. Wir dürfen nicht zulassen, dass berechtigte Anliegen wie der Schutz vor echter Gewalt für ein parteipolitisches Geplänkel missbraucht werden. Wirkliche Täter müssen ermittelt, vor Gericht gestellt und hart bestraft werden – basierend auf Beweisen, nicht auf Gefühlen oder Zugehörigkeiten zu einer bestimmten Gruppe. Gleichzeitig müssen wir uns entschieden gegen jede Form von Kollektivschuld und pauschaler Vorverurteilung wehren. Ein Rechtsstaat verliert seine Legitimität, wenn er zulässt, dass Urteile auf der Straße gefällt werden. Lassen wir uns nicht von inszenierten Schauspielen blenden, sondern fordern wir eine Rückkehr zu sachlichen, faktenbasierten und wirklich gerechten Debatten.